
(Pop.: 136 – 368m NN)
Wer die Kreisstadt Kohlaschleuße hinter sich lässt und die K301 in nordwestlicher Richtung nimmt, gelangt in das Tal des Fel. Die Luft wird klarer, und nach knapp sieben Kilometern taucht vor einem der größte Ort des Feltals auf: Feltal selbst. Mit 136 Einwohnern, die auf 368 Metern Höhe leben, ist es das unbestrittene Zentrum dieser nach ihm benannten, sich sanft zum Vorland hin öffnenden Tallandschaft, die in Kohlonia gerne als das nördliche Gurkenland bezeichnet wird. Der Legende nach geht der Ortsname auf einen alten Flurnamen zurück, ein „Feld im Tal“, den die ersten Siedler prägten – eine schlichte, aber zutreffende Beschreibung für diesen fruchtbaren Flecken Erde.

Feltal ist ein Ort, der von Landwirtschaft lebt und doch über eine unerwartete kulturelle Perle verfügt. Diese liegt im Herzen des Dorfes: die Kirche St. Georg. 1769 im schlichten Barockstil erbaut und 1904 großzügig erweitert, birgt sie ein Instrument von seltener Bedeutung. Die Rede ist von der Orgel aus der Werkstatt des berühmten kohlonischen Orgelbauers Theodorius Klang, erbaut im Jahr 1847. Ihr Klang, der an Sonntagen unter den Händen von Kantor Benjamin Wachtel zu erstrahlen beginnt, soll so mächtig und zugleich filigran sein, dass er selbst den alten Bergleuten aus dem benachbarten Zusma das Herz weitet. Es ist dieses Zusammenspiel aus fast dörflicher Idylle und hochwertiger Handwerkskunst, das Feltal einen ganz eigenen Charakter verleiht.

Die Seele des Ortes aber schlägt am Morgen am anderen Ende der Dorfstraße. Die Gärtnerei Grünauge von Familie Feierabend ist mit ihren sechs großen Gewächshäusern ein zentraler Wirtschaftsfaktor der Region. Hier gedeihen auf einer Anbaufläche von gut zwei Hektar tausende von Setzlingen, die in der gesamten fruchtbaren Ebene rund um Kohlaschleuße, in Dörfer wie das nah gelegene Felmarn (mit 97 Einwohnern auf 482 Metern) oder sogar bis hinunter in die Täler des Südens verkauft werden. Besucher, die im Frühjahr durch die gläsernen Hallen wandern, werden von Marta Feierabend, der Matriarchin der Familie, oft mit einem frischen Gurken- oder Tomatensetzling beschenkt – eine Geste, die für die Verbundenheit der Menschen hier mit ihrem Land steht.

Bildung wird in Feltal seit 1911 großgeschrieben, als man die Grundschule errichtete, jenes solide Gebäude aus rotem Backstein, das noch heute Kinder aus dem eigenen Ort sowie aus den umliegenden Dörfern wie Felmarn, Noskau und den weiter entfernten Weilern des Tals beherbergt. Es ist die kleinste Schule des gesamten Landkreises, und wenn Lehrerin Helena Bornmann morgens die Klassen 1 bis 4 in einem Raum vereint, dann entsteht eine besondere Lernatmosphäre, die von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt ist. Die Schulglocke ist für viele Anwohner das akustische Taktgeber des Tages.

Doch was wäre ein Reiseziel ohne eine Möglichkeit zum Verweilen? Die kleine Pension „Alte Pfarre“ im ehemaligen Pfarrhaus neben der Kirche ist genau das. Mit ihren vier liebevoll eingerichteten Gästezimmern, die von der gelernten Gastwirtin Johanna Voss geführt werden, hat sie sich bei Rad- und Wanderfahrern einen Namen gemacht, die die Ruhe des Feltals jenseits der ausgetretenen Pfade suchen. Von hier aus kann man das Netz der beschilderten Feldwege erkunden, die in alle Himmelsrichtungen führen: etwa zwei Kilometer nordwestwärts über die K301 nach Felmarn oder auf verschlungenen Pfaden zu den verlassenen Orten des Kohlereviers. Etwas mühsamer, aber landschaftlich ein Genuss, ist der 8 Kilometer lange Fußmarsch oder die Radtour über unbefestigte Wege nach Westen zum 106-Seelen-Dorf Zusma, dessen Schornstein der Brikettfabrik schon von weitem über die Hügel winkt.

Unter der Woche ist das Leben in Feltal beschaulich. Man trifft sich zum Plausch bei Bäckermeister Konrad Stiller, der in seiner kleinen Backstube direkt an der Abzweigung nach Noskau die berühmten kohlonischen „Steinkohlebrötchen“ backt – obwohl hier natürlich keine Kohle, sondern altes Holz aus dem Gebirge den Ofen heizt.
Am ersten Sonntag im September aber herrscht Ausnahmezustand. Dann feiert der „Verein der Talbewahrer“ sein alljährliches Gurkenerntefest. Die gesamte Dorfbevölkerung schleift Tische und Bänke auf die Wiese vor dem Pfarrhaus, Tischlermeister Erik Stahl holt seinen handbetriebenen Spießbraten-Grill aus der Scheune, und es wird bis spät in die Nacht gefeiert. Für viele ist genau dieser Abend der beste Zeitpunkt, Feltal zu besuchen: wenn die Sonne langsam hinter den letzten Ausläufern des Kohlgebirges versinkt und der Klang einer alten Ziehharmonika über das Tal zieht.
Verkehrsverbindungen:
Straße: K301 (SO: Kohlaschleuße 7km, NW: Felmarn 2km); Feldwege (W: Zusma 8km, NO: Noskau 7,5km)
Land: Kohlonia
Landkreis: Kohlaschleuße
Ort: K-2130 Feltal

