(Pop.: 370 – 250m NN)

Der Weg nach Steinfeld führt über schmale, von Steinmauern gesäumte Straßen, die sich wie Adern durch die karge Hügellandschaft des Nordens ziehen. Der Landkreis Aglitz, der den gesamten Norden der Insel Insula umfasst, ist geprägt von weiten, offenen Flächen und sanften Hochflächen – und Steinfeld ist einer seiner charakteristischsten Orte. Nur neun Kilometer von der Kreisstadt Aglitz entfernt, thront das Dorf auf 250 Metern Höhe am Nordabhang des Insulagebirges. Der steinige, von Lesesteinen durchsetzte Untergrund macht den Ackerbau zu einem mühsamen Geschäft. Doch was für den Getreideanbau ein Hindernis darstellt, ist für die Ziegenzucht ein Segen. Die Tiere weiden auf den kargen, sonnenverwöhnten Hängen und ihre Milch nimmt dabei ein würziges, fast schon kräuterartiges Aroma an. Der Lohn dieser Mühen ist der „Steinfelder Felsenschimmel“, ein mit Edelschimmel veredelter, halbfester Käse mit einer dünnen, leicht bräunlichen Rinde, der in der gesamten Region für seinen unverwechselbaren Geschmack bekannt ist.

Das Herz des Dorfes bildet die Kirche St. Laurentius. Der schlichte, aber kraftvolle Bau aus hellem Bruchstein wurde im 14. Jahrhundert errichtet und ist dem heiligen Laurentius geweiht, dem Schutzpatron der Köche und Armen. Seine 35 Meter hohe, quadratische Turmspitze ist bereits von Weitem sichtbar und diente über Jahrhunderte den Ziegenhirten als Orientierungspunkt in der weiten, baumlosen Landschaft. Das Kirchenschiff ist von einer flachen Holzdecke überspannt, die mit schlichten, aber eindrucksvollen Malereien aus dem 17. Jahrhundert verziert ist. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des Heiligen und eine symbolische Darstellung des Kampfes zwischen Gut und Böse. Der Legende nach ließ der Erbauer der Kirche, ein frommer Mönch namens Benediktus von Felsenau, die Steine für das Fundament von den Ziegen den Berg hinaufschleppen, denn die Dorfbewohner weigerten sich zunächst, den Bau zu unterstützen. Die Gemeinde von Steinfeld ist klein, aber lebendig. Pfarrer Thomas Brenner, ein Mann mit einem Faible für lokale Geschichte, hält jeden Sonntag eine Messe, die regelmäßig von einem Großteil der 370 Einwohner besucht wird. Das alljährliche Erntedankfest, bei dem die Ziegen traditionell gesegnet werden, zieht sogar Besucher aus den umliegenden Dörfern wie Felsenfeld und Nachfeld an.

Dem Gotteshaus gegenüber, am Dorfplatz, liegt der Dorfkrug zur alten Linde, das gesellschaftliche Zentrum Steinfelds. Das Gebäude mit seinen verwinkelten Gängen und der gemütlichen, holzvertäfelten Stube beherbergt nicht nur die einzige Gaststätte des Ortes, sondern auch eine kleine, feine Pension mit fünf Gästezimmern. Die Wirtin, Greta Voss, ist die Seele des Hauses und eine Meisterin der regionalen Küche. Ihre Spezialität ist ein üppiger Antipasti-Teller mit gegrilltem Gemüse aus den umliegenden Gärten, mariniert mit Kräutern und Olivenöl, serviert mit hausgebackenem Brot und natürlich einer Scheibe des „Steinfelder Felsenschimmels“. Die Zutaten für ihren Teller bezieht sie so oft wie möglich von den Nachbarn, was jedem Bissen den unverwechselbaren Geschmack der Region verleiht. An lauen Sommerabenden sitzen die Gäte unter der alten Linde auf der Terrasse, genießen ein kühles „Aglitzer Plateau-Bier“ aus der Brauerei „Zum goldenen Anker“ und blicken auf das sanfte Hügelland, das sich bis zur Kreisstadt Aglitz erstreckt.

Dass Steinfeld mehr zu bieten hat als nur steinige Äcker und ausgezeichneten Käse, beweist ein Besuch bei Kaito Morimoto. Die renommierte Journalistin und Reiseautorin hat sich vor einigen Jahren in einem umgebauten Bauernhaus am östlichen Ortsrand niedergelassen. Ihr Arbeitszimmer bietet einen atemberaubenden Blick über das Tal, und es ist kein Zufall, dass sie diesen Ort gewählt hat. „Die Ruhe hier, die klare Luft und die Bodenständigkeit der Menschen sind genau das, was ich zum Schreiben brauche“, erklärt sie oft Besuchern, die sie zu einem Glas Tee in ihren mit Büchern gefüllten Garten einlädt. Von hier aus unternimmt sie ihre Streifzüge durch die Inselwelt, um über das Leben in den kleinen Dörfern zu berichten. Dass sie sich ausgerechnet in Steinfeld niedergelassen hat, ist für viele ein kleiner Geheimtipp, denn ihre Artikel in renommierten Reisemagazinen haben so manchem versteckten Winkel der Insel zu neuer Bekanntheit verholfen.

Hinter Morimotos Haus erstreckt sich einer der ältesten Obstgärten der Region. Die knorrigen Apfel- und Birnbäume, darunter alte Sorten wie der „Insula-Renette“ und die „Aglitzer Herbstbirne“, stehen auf den steinigen Terrassen, die von den ersten Siedlern der Insel angelegt wurden. Der Garten wird liebevoll von der Familie Kern gepflegt, die hier seit Generationen lebt. Im Spätsommer, wenn die Äpfel rot und die Birnen goldgelb leuchten, verwandelt sich der Hain in ein duftendes Paradies. Ein schmaler Pfad führt durch das üppige Grün direkt zu einem Ort, der auf den ersten Blick überrascht: ein Tennisplatz. Der rote Ascheplatz, umgeben von einer hohen Hecke, ist die einzige Sportstätte des Dorfes und ein lebendiger Beweis für den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Er wurde in den 1970er Jahren von den Bewohnern in Eigenregie gebaut und wird bis heute von einem kleinen, aber leidenschaftlichen Verein gepflegt. Lena Färber, die Vereinsvorsitzende, organisiert jedes Jahr im August ein kleines Turnier, bei dem die Steinfelder gegen Mannschaften aus den Nachbardörfern Sonnenblick und Nachfeld antreten. Die Spiele sind gesellige Ereignisse, bei denen der Sport oft hinter dem Austausch von Neuigkeiten und dem Genuss von selbstgebackenem Kuchen und kühlen Getränken aus dem Dorfkrug zurücktritt.


Verkehrsverbindungen:
Straße: I-2 (NW: Aglitz 9km); I-4 (SW: Insula Hafen 8km, O: Felsenfeld 8km); I-5 (N: Sonnenblick 6,5km, S: Nachfeld 7km)

LandInsula
LandkreisAglitz
Gemeinde: I-4150 Steinfeld (Insula)