
(Pop.: 8.742 – 118m NN)
Man könnte meinen, Scalso sei nur eine weitere dieser verschlafenen Kleinstädte, die man auf der Fahrt von Novafurt über Rastitz nach Zentro flüchtig durch das Fenster eines vorbeirauschenden Zuges der Linie 111 erblickt. Aber wer so denkt, hat unrecht. Scalso ist das wirtschaftliche Herz des westlichen Novafurter Kreisgebiets, ein Ort, der von der Arbeit seiner Menschen und dem Summen seiner Maschinen lebt – und doch seine beschauliche Seele bewahrt hat. Es ist diese Mischung aus ländlicher Ruhe und geschäftigem Treiben, die den Besucher sofort in ihren Bann zieht.
Die 8.742 Einwohner der Stadt, die auf 118 Metern über dem Meeresspiegel in der weiten Blumenthal-Ebene liegt, sind eingebettet in eine Landschaft, die von den großen, modernen Agrarbetrieben geprägt wird, deren Felder sich bis zum Horizont erstrecken. Den Lebensnerv der Stadt bilden zwei Bäche: Die Scalsa, die ihren Ursprung im Krisdorfer Wald im benachbarten Bierland hat und sich in nordöstlicher Richtung durch das Novatal schlängelt, um bei Großenhain in die Nova zu münden. In Scalso selbst nimmt sie die Myrkva auf, die aus dem Norden vom Frostskog herabfließt. Gerade im Frühling, wenn das Wasser der Myrkva nach der Schneeschmelze besonders wild und ungestüm ist und die Scalsa anschwellen lässt, wird die ursprüngliche Kraft dieser Landschaft spürbar. An solchen Tagen sitzt der alte Fischer Gunnar Sörensen oft stundenlang am Ufer der Scalsa, beobachtet das aufgewühlte Wasser und erzählt jedem, der es hören will, von dem Jahr, als der Fluss über die Ufer trat und den gesamten Marktplatz unter Wasser setzte – eine Geschichte, die er mit jedem Mal ein bisschen ausschmückt.

Das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt ist das Landschloss Scalso. Der stattliche Bau, umgeben von einem weitläufigen, gepflegten Park, ist heute kein Sitz eines Adligen mehr, sondern das kulturelle Herz der Gemeinde. Hier finden regelmäßig Konzerte, Lesungen und Kunstausstellungen statt, die Besucher aus dem gesamten Landkreis Novafurt anziehen.

Die Pfarrkirche, ein prachtvoller Barockbau, ist ein weiteres architektonisches Juwel. Ihr Innenraum mit seiner reichen Ausstattung aus Stuck und Gold, den kunstvollen Deckenfresken und dem Hochaltar, der von einer geheimnisvollen Patina überzogen ist, zeugt von der tiefen Verwurzelung des Glaubens in der Region. Pfarrerin Dr. Helena Bergmann, die seit über zehn Jahren die Gemeinde leitet, weiß nicht nur um die kunsthistorische Bedeutung jedes einzelnen Gemäldes, sondern auch um die Sorgen und Nöte ihrer Schäfchen. Sie ist es, die sonntags die Messe hält und deren freundliches, bestimmtes Lächeln selbst den störrischsten Gemeinderatsmitgliedern den Wind aus den Segeln nimmt.

Die „Scalsoer Mühlenwerke“ sind der größte Arbeitgeber der Stadt. In den modernen Silos am östlichen Stadtrand wird rund um die Uhr Getreide aus der gesamten Blumenthal-Ebene zu Mehl und Backmischungen verarbeitet. Der Duft von frisch gemahlenem Korn liegt oft über der ganzen Stadt und ist für viele Scaloser der Geruch der Heimat. Werktags um halb sieben morgens, wenn der Schichtwechsel ansteht, ist vor den Toren der Mühlenwerke ein reges Treiben. Man sieht dann Arbeiter wie den gelernten Müller Klaus-Dieter Werner, der mit seiner ledernen Arbeitsmütze und dem immer leicht mehlbestäubten Overall aus der Pforte tritt und sich erst einmal einen starken Kaffee aus dem Automaten neben dem Pförtnerhäuschen genehmigt, bevor er den Weg nach Hause antritt.

Ein ebenso wichtiger Betrieb ist die „Blumenland-Brauerei“, die hier ihren Hauptsitz hat. Das helle Lagerbier der Brauerei ist in der ganzen Region bekannt und wird in fast jeder Gaststätte zwischen Novafurt und Findlingshain ausgeschenkt. Die Brauerei ist nicht nur ein Produktionsbetrieb, sondern auch ein Ort der Begegnung. Braumeister Tobias Frühauf, ein Mann mit einem gewaltigen rotblonden Bart und Händen wie Schaufeln, führt Besuchergruppen gerne persönlich durch die Sudhäuser und lässt sie zum Abschluss in der betriebseigenen Schänke, dem „Sudkessel“ an der Brauereistraße 3, das frisch gebraute Bier verkosten. Er schwört auf das weiche Wasser der Myrkva, das dem Bier seinen unverwechselbaren, milden Charakter verleiht.

Ein ganz besonderes Ausflugsziel für Familien ist der Wildpark „Tiergarten Scalso“ am südlichen Stadtrand. In den weitläufigen Gehegen leben Damwild und andere heimische Tierarten in einer naturnahen Umgebung. Besonders an den Wochenenden ist der Park ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Oft sieht man dann den Tierpfleger Jürgen Matern, der mit seinem Schubkarren voller Futter durch die Anlage zieht und den neugierigen Damhirschen die Äpfel direkt aus der Hand gibt, während die Kinder mit leuchtenden Augen am Zaun stehen.

Wer in Scalso einkaufen möchte, findet im Einkaufszentrum „An der Myrkva“ alles, was das Herz begehrt. Der große Supermarkt deckt den täglichen Bedarf, daneben gibt es Bekleidungsläden, eine Buchhandlung, in der es neben den neuesten Romanen auch gut sortierte Reiseführer und Landkarten gibt, und ein Musikaliengeschäft, das von der älteren Frau Elfriede Böttcher geführt wird. In ihrem Laden gibt es nicht nur die neuesten Platten und CDs, sondern auch gebrauchte Instrumente, die sie liebevoll restauriert. Gerüchten zufolge soll sie selbst in jungen Jahren eine gefeierte Pianistin gewesen sein, bevor sie sich in Scalso niederließ.
Zum Stadtgebiet gehört auch der kleine, malerische Flecken Babybach. Das Dorf mit seinen gerade einmal 98 Einwohnern liegt auf 144 Metern Höhe direkt an der Scalsa und ist in der gesamten Region für seine Forellenzucht bekannt. Wer die ruhige, fast weltabgewandte Atmosphäre sucht, findet sie in Babybach, wo die Zeit noch etwas langsamer zu vergehen scheint und das Plätschern des Baches das einzige Geräusch ist, das die Stille durchbricht.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 111 (BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia) stündlich 6:03-21:03 nach Novafurt Hbf, 6:45-20:45 über Drosen nach Zentro Hbf, 21:45 nach Drosen
Straße: Autobahn A1 (W: Zentro, O: Nova); B6 (NW: Rastitz 15km, SO: Tretwitz 4km); B43 (SW: Babybach 6km, NO: Großenhain 15km); L29 (N: Kastaniendorf 11km); Feldweg (NW: Findlingshain 17km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2010 Scalso
Orte: B-2010 Scalso, B-2011 Babybach

