(Pop.: 98 – 144m NN)

Wer von Scalso aus die Bundesstraße B43 in südwestliche Richtung nimmt, der hat nach etwa sechs Kilometern ein seltenes Gefühl: das der vollkommenen Zeitlosigkeit. Die weite, von der Scalsa durchzogene Blumenthal-Ebene wird hier noch von einem leichten Anstieg des Geländes durchbrochen, und plötzlich, fast wie aus dem Nichts, tauchen die ersten Häuser von Babybach auf. Es ist, als würde die Landschaft selbst einen Schritt zurücktreten, um diesem kleinen Flecken Raum zu geben.

Babybach ist kein Ort, der nach Aufmerksamkeit schreit. Mit seinen gerade einmal 98 Einwohnern, die auf 144 Metern Höhe über dem Meeresspiegel leben, ist er der stillste, fast schon heimlichste Teil der Gemeinde Scalso. Und doch ist er der Inbegriff dessen, was viele an dieser Region so schätzen: eine unverfälschte, fast schon archaische Ruhe, die sich tief in den Alltag der Menschen eingegraben hat. Der Ort liegt direkt an der Scalsa, die hier noch ein schmales, klares Bächlein ist, bevor sie sich weiter nordöstlich zu einem stattlichen Fluss mäandert und bei Großenhain in die Nova mündet. Das Plätschern des Wassers ist das einzige Geräusch, das die Stille durchbricht, und es ist dieses Geräusch, das den Takt des Lebens in Babybach vorgibt.

Das Herzstück des Fleckens ist die Forellenzucht, die dem Ort seinen über die Grenzen Scalos hinaus bekannten Namen gemacht hat. Die klaren, kühlen Wasser der Scalsa bieten ideale Bedingungen für die Aufzucht der edlen Fische, und die Zuchtbecken, die sich wie eine Perlenkette am Ufer des Baches entlangziehen, sind das wirtschaftliche Rückgrat von Babybach. Wer durch den Ort streift, wird unweigerlich an den Teichen vorbeikommen, über denen oft der feine Nebel des Sprühwassers liegt. Hier arbeitet Thomas Linder, ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht und Händen, die die Kälte des Wassers gewohnt sind. Seit über dreißig Jahren führt er die Zucht, die sein Vater bereits begründete. Er kennt jedes seiner Tiere, weiß genau, wann sie gefüttert werden müssen und wann der beste Zeitpunkt zum Abfischen ist. „Die Forelle ist ein empfindliches Tier“, sagt er gerne, während er eine Handvoll Futter ins Wasser wirft und die silbrigen Leiber aufblitzen, „sie braucht Ruhe und klares Wasser. Beides hat sie hier.“

Die wenigen Häuser von Babybach gruppieren sich locker um eine kleine, unscheinbare Kapelle, die fast schon von den alten Bäumen verschluckt wird, die sie umgeben. Sie ist kein prunkvolles Bauwerk, aber sie hat eine besondere Ausstrahlung. Die Kapelle ist der einzige Ort im Flecken, der die Menschen regelmäßig zusammenbringt, etwa zu den stillen Andachten, die einmal im Monat von einem umherreisenden Geistlichen aus Scalso gehalten werden. Das eigentliche gesellschaftliche Zentrum ist jedoch der kleine Dorfladen, der mehr ist als nur ein Ort zum Einkaufen. Hier, zwischen wenigen Regalen mit Grundnahrungsmitteln, regionalen Produkten und einer kleinen Auswahl an Zeitungen, findet der tägliche Klatsch und Tratsch statt. Hier treffen sich morgens die Rentner, um bei einer Tasse Kaffee die neuesten Nachrichten aus der großen, weiten Welt zu diskutieren, die in Babybach meist erst mit einiger Verspätung ankommen. Besitzerin Elke Baumann, eine Frau mit einem Herzen aus Gold und einem unerschütterlichen Gemüt, führt den Laden seit dem Tod ihres Mannes. Sie kennt jeden Einwohner beim Namen, weiß, wer welches Medikament braucht und wem der Geburtstag des Enkels bevorsteht.

Die Verbindung zur Außenwelt ist für Babybach dennoch gegeben, auch wenn sie unscheinbar daherkommt. Die Bundesstraße B43 führt direkt durch den Ort und verbindet den Flecken im Nordosten mit dem wirtschaftlichen Zentrum Scalso und im Südwesten mit der weiteren Umgebung des Landkreises Novafurt. Wer jedoch die wahre Seele Babybachs kennenlernen will, der sollte die Straße verlassen und die kleinen Feldwege erkunden, die sich von hier aus in die sanfte Hügellandschaft schlängeln. Einer dieser Wege führt nordwestlich in Richtung Rastitz und weiter nach Findlingshain, ein anderer windet sich durch die Felder bis nach Nossen, dem kleinen Dorf auf dem Drosener Rücken, das mit seinen 842 Einwohnern im Vergleich zu Babybach schon fast wie eine Großstadt wirkt.


Verkehrsverbindungen
Straße: B43 (NO: Scalso 5km, SW: Nossen 7km); Feldwege (NW: Rastitz 15km, SO: Waldfels 14km)

LandBlumenland
LandkreisNovafurt
Gemeinde: B-2010 Scalso
Orte: B-2011 Babybach