
(Pop.: 120 – 81m NN)
Wer Waldfels sucht, sollte den Blick nicht scheuen, über die Weiten der Blumenthal-Ebene schweifen zu lassen. Das Dorf mit seinen 120 Seelen liegt, eingebettet in ein sanftes Meer aus Feldern, auf 81 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist ein Ort, der leise spricht, aber wer hinhört, dem erzählt er Geschichten von einer bodenständigen Gegenwart und einem stillen, aber umso lebendigeren Miteinander. Das Blumenland, das Herz der Inselwelt Landauri, präsentiert sich hier von seiner ländlichen Seite: Weit und breit kein Trubel, nur das Rauschen des Windes im Getreide und der weite Blick über die Nova-Ebene bis zu den dunklen Silhouetten der Wälder im Süden.
Die Geschichte des Ortes selbst ist weniger durch spektakuläre Ereignisse geprägt als vielmehr durch die beständige Arbeit seiner Bewohner. Manche vermuten, der Name Waldfels leite sich von einem sagenumwobenen Felsen im Westen der Gemarkung ab, der einst tief im Wald lag und den Hirten als Orientierungspunkt diente. Heute ist weder von diesem Felsen noch von den Wäldern noch etwas zu sehen, die Felder haben den Felsen längst umschlossen, die Wälder wurden gerodet, aber der Name blieb – ein stilles Zeugnis einer verschwundenen Landschaft. Das Dorf liegt im Westen der Blumenthal-Ebene, umgeben von den weitläufigen Äckern, die sich bis nach Musenstein im Westen und Tretwitz im Norden erstrecken.

Das Herz des Dorfes aber schlägt anderswo: in seiner kleinen, schlichten Dorfkirche aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist kein prachtvoller Bau, aber ihr heller Sandstein und der kleine, von alten Bäumen beschattete Friedhof verleihen ihr eine würdevolle Ruhe. Hier hält Pfarrer Thomas Brenner sonntags die Gottesdienste, und seine einfühlsame Art hat ihm die Zuneigung der gesamten Gemeinde eingebracht. Besonders die Besuchsdienste für Kranke und Alleinstehende, die von der Kirchengemeinde organisiert werden, haben weit über die Dorfgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Es sind oft die stillen, unaufgeregten Momente – ein Gespräch bei einer Tasse Tee am Krankenbett oder ein gemeinsamer Spaziergang mit einem einsamen Nachbarn –, die hier das Miteinander ausmachen.

Doch Waldfels wäre nicht das, was es ist, ohne seine handwerklichen und künstlerischen Köpfe. Gleich gegenüber der Kirche, in einem alten Fachwerkhaus mit einer verwitterten Holztafel über der Tür, befindet sich die Goldene Griffe Tischlerei. Seit nunmehr drei Generationen ist der Betrieb im Familienbesitz, und der Duft von frischem Holz und Leinöl zieht den Besucher schon von weitem in seinen Bann. Hier erschafft Meisterin Elara Weisinger Möbel und Gegenstände, die Generationen überdauern – ein Ort, an dem Tradition noch gelebt wird, weit weg von der Massenfertigung der Städte.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt die Gärtnerei, ein grünes Paradies mitten im Dorf, betrieben von der Familie Hofmann. Hier gedeihen nicht nur das Gemüse und die Blumen für den Eigenbedarf, sondern auch seltene Sorten, die auf den umliegenden Feldern längst vergessen sind. Die Gärtnerei ist ein Ort der Stille und des Wachstums, und wer das Glück hat, mit einem der Hofmanns zu sprechen, erfährt Geschichten über den Boden, das Wetter und die Geduld, die es braucht, um etwas gedeihen zu lassen.

Dass ein Ort von dieser Größe eine eigene Käserei beherbergt, ist schon etwas Besonderes. Die „Waldfelser Molkerei“ ist ein Kleinbetrieb, der aus einer alten Scheune hervorgegangen ist. Hier verarbeitet Käserin Greta Sommerfeld die Milch der umliegenden Höfe zu cremigem Weichkäse und würzigem Bergkäse, der in der Region weit über die Dorfgrenzen hinaus geschätzt wird. Ihr Geheimnis, so flüstert man sich zu, sei ein uraltes Rezept, das sie von ihrer Großmutter geerbt habe.

Und dann ist da noch das Café Tautropfen, der soziale Mittelpunkt des Dorfes. Es ist mehr als nur ein Ort zum Einkehren. Hier gibt es nicht nur den besten Kuchen der Umgebung, sondern auch eine kleine Packstation für die Post. Wenn die Arbeit getan ist, treffen sich hier die Waldfelser zum Plausch, tauschen Neuigkeiten aus und genießen die Gemeinschaft. Es ist der Ort, an dem der Puls des Dorfes spürbar wird. Die Inhaberin, Mira Schmidt, kennt nicht nur jeden Gast beim Namen, sondern auch dessen Vorlieben – ein Cappuccino für den Redakteur, ein Kräutertee für die Tänzerin.

Denn Waldfels beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Menschen für seine Größe. Da ist Aiko Tanaka, ein Softwareentwickler, der sich vor einigen Jahren hierher zurückgezogen hat, um in der Stille der Ebene an seinen visionären Projekten zu arbeiten. Sein Arbeitsplatz ist ein umgebauter Schuppen hinter dem Haus, von dem aus er eine Verbindung zur ganzen Welt hält – ein stiller Kontrast zum analogen Leben der meisten seiner Nachbarn. Und dann ist da Julien Lefèvre, ein Redakteur, der für eine renommierte Zeitschrift in der Hauptstadt Nova schreibt. Er kam ursprünglich für eine Reportage über das Landleben und blieb, weil er die Ruhe und die klare Luft nicht mehr missen wollte. Seine Texte, so sagt man, haben seitdem an Tiefe gewonnen. Die wohl interessanteste Bewohnerin aber ist Amani Khalid, eine Tänzerin, die einst auf den großen Bühnen der Inselwelt stand. Heute lebt sie zurückgezogen in Waldfels, gibt hier und da einen Workshop im Gemeindehaus und tanzt bei Sonnenuntergang auf den Feldern – ein Anblick, der die wenigen Beobachter jedes Mal aufs Neue verzaubert.
Für das leibliche Wohl der Einwohner und der seltenen Gäste sorgt die Arztpraxis von Dr. med. Florian Berger, der nicht nur für die medizinische Grundversorgung zuständig ist, sondern auch als Vertrauensperson und gelegentlich als Koch bei Familienfesten fungiert. Es ist diese Mischung aus handfester Arbeit, künstlerischem Geist und nachbarschaftlicher Fürsorge, die Waldfels zu einem Ort macht, an dem man zur Ruhe kommen und das Leben in seiner ursprünglichsten Form spüren kann – ein stiller, aber unvergesslicher Fleck in der weiten Blumenthal-Ebene.
Verkehrsverbindungen:
Straße: L5 (W: Musenstein 11km, N: Tretwitz 11km); L9 (SO: Kurzhausen 7km); Feldweg (O: Nassau 10km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2230 Waldfels (Blumenland)

