
(Pop.: 451 – 221m NN)
Musenstein – das klingt nach einem Ort, der fest im Boden verwurzelt ist. Und das ist er auch. Das Dorf mit seinen 451 Seelen liegt auf 221 Metern Höhe im Westen der weiten Blumenthal-Ebene, umgeben von sanft gewellten Feldern, die sich unter dem weiten Himmel des Blumenlandes bis zum Horizont ziehen. Wer hierherkommt, spürt sofort die besondere Ruhe, die über diesem Flecken Erde liegt – eine Ruhe, die nur gelegentlich vom Pfeifen der BLB-Linie 114 durchbrochen wird, deren Züge alle zwei Stunden von Sasnitz nach Waldfurt rollen und in Musenstein kurz Halt machen. Vom Bahnhof aus, einem schmucklosen, aber gepflegten Gebäude, sind es nur ein paar Schritte ins Zentrum, wo das Leben des Dorfes pulsiert – und wo eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Region thront: die Ruine der Burg Mussenstein. Sie steht mitten im Ort, ein Gemäuer aus dunklem, verwittertem Stein, das wie ein wachsamer Wächter über die Dächer und Gärten blickt. Ihre Geschichte ist eng mit der des Dorfes verwoben, und so mancher Musensteiner wird Ihnen am Stammtisch erzählen, dass der Name des Dorfes von den „Steinen des Mussen“ herrührt – einem sagenumwobenen Riesen, der einst hier gehaust und die gewaltigen Quader für seine Burg eigenhändig aus dem Fels gemeißelt haben soll.

Ein Spaziergang durch Musenstein offenbart schnell, dass dieser Ort mehr zu bieten hat als nur seine berühmte Ruine. Die Dorfkirche, ein schlichter, aber anmutiger Bau aus hellem Sandstein, liegt etwas abseits der Hauptstraße, umgeben von einem kleinen, von alten Bäumen beschatteten Friedhof. Sie ist das geistliche Zentrum der Gemeinde. Pfarrer Thomas Brenner, der sonntags die Gottesdienste hält, ist bekannt für seine einfühlsame Art; besonders die Besuchsdienste für Kranke und Alleinstehende, die von der Kirchengemeinde organisiert werden, haben weit über die Dorfgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Es sind oft die stillen, unaufgeregten Momente – ein Gespräch bei einer Tasse Tee am Krankenbett oder ein gemeinsamer Spaziergang mit einem einsamen Nachbarn –, die hier das Miteinander ausmachen. Wer das Dorfleben wirklich kennenlernen möchte, sollte sich am Dienstagnachmittag im Gemeindehaus einfinden, wenn der Seniorenkreis seine Zusammenkünfte abhält und bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen die neuesten Geschichten ausgetauscht werden.

Nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt, in einem alten Fachwerkhaus mit einer verwitterten Holztafel über der Tür, befindet sich die Steinmetzwerkstatt „Granit & Geist“. Seit nunmehr 325 Jahren ist der Betrieb im Familienbesitz der Familie Geist – eine Zeitspanne, die fast so lang ist wie die Geschichte des Dorfes selbst. In früheren Jahrhunderten, so wird gemunkelt, bedienten sich die Vorfahren der heutigen Inhaber ungeniert an den Steinen der Burgruine, um daraus Grabsteine, Türschwellen oder Brunnen für die Dorfbewohner zu fertigen. Diese Zeiten sind längst vorbei; die Ruine steht unter Denkmalschutz, und ein solcher Umgang mit dem historischen Erbe wäre heute undenkbar. Der heutige Besitzer, Daniel Geist, ein stiller, bedächtiger Mann mit den schwieligen Händen eines echten Handwerkers, hat stattdessen einen ganz anderen Weg gewählt. Er war maßgeblich an der jüngsten Sanierung und Stabilisierung der Burg Mussenstein beteiligt, einer aufwändigen Maßnahme, die das Gemäuer für die Nachwelt sichert. In seiner Werkstatt riecht es nach Staub und kühlem Stein; hier entstehen kunstvolle Skulpturen, präzise gearbeitete Grabsteine und robuste Pflastersteine für die Gärten der Umgebung, und wer Glück hat, kann Daniel Geist bei der Arbeit über die Schulter schauen und die alte Handwerkskunst bewundern.

Gegenüber der Werkstatt, in einem modernen, zweckmäßigen Gebäude, hat sich etwas angesiedelt, das auf den ersten Blick nicht so recht ins beschauliche Dorfbild passen mag: das „Institut für Umwelttechnik und Ressourcenmanagement“. Doch der Schein trügt. Das Institut, eine Ausgründung der Universität in Nova, hat sich auf die nachhaltige Bewirtschaftung der umliegenden Agrarflächen und die Entwicklung innovativer Bewässerungssysteme spezialisiert. Die jungen Wissenschaftler und Ingenieure, die hier arbeiten, sind inzwischen ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden. Abends trifft man sie oft in der „Bar Zaubermond“ an der Dorfstraße, einem gemütlichen Lokal mit dunkler Holzvertäfelung und einer beeindruckenden Auswahl an regionalen Bieren und Whiskys – der Whisky aus der nahen Kreisstadt Komerz ist hier besonders zu empfehlen. Die Bar, geführt von der umtriebigen Wirtin Elara Mohn, ist nicht nur ein Ort für erfrischende Getränke, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, an dem sich Bauern, Wissenschaftler und Handwerker zu einem lockeren Plausch zusammenfinden.

Das sportliche Herz des Dorfes schlägt auf dem Tennisplatz am östlichen Ortsrand, der in den Sommermonaten stets gut besucht ist. Noch größer ist jedoch die Leidenschaft für den Fußball. Die Mannschaft des „SV Musenstein 1923“ ist eine Institution. Die Spiele finden auf dem Sportplatz hinter dem Feuerwehrhaus statt, und wenn der Verein zu Hause spielt, ist das halbe Dorf auf den Beinen. Die Mannschaft, trainiert von Rolf Matthiesen, mag zwar nicht immer die spielerische Glanzleistung abliefern, doch mit ihrer unnachgiebigen Kampfkraft ist sie bei den Nachbarn aus Nossen oder dem etwas größeren Wittstock gefürchtet.
Und dann sind da noch die ganz alltäglichen Helden des Dorfes. Da ist Jordan Ellis, eine der nicht ganz so wenigen Lokführerinnen der BLB, die jeden Morgen ihren Zug nach Sasnitz oder Waldfurt bereit macht und dabei ein Lächeln auf den Lippen hat, das selbst den mürrischsten Frühaufsteher erheitert. Sie kennt jede Weiche und jede Kurve der Strecke, und wer mit ihr ins Gespräch kommt, erfährt so manche Anekdote über die Region. Und da ist Louis Dumont, der Online-Redakteur, der von seinem Schreibtisch in einem umgebauten Bauernhaus aus die Nachrichten des Blumenlandes verfolgt und für ein lokales Portal aufbereitet. Seine Artikel über das Leben auf dem Land, über die Ernte und die kleinen und großen Ereignisse in Musenstein sind in der ganzen Gegend bekannt und werden von den Bewohnern mit Spannung erwartet.

Zum Glück muss man für die alltäglichen Besorgungen nicht weit gehen. Die Tankstelle am Ortseingang, die von Karsten Böttcher betrieben wird, hat nicht nur Kraftstoff, sondern auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln und Zeitungen im Angebot. Direkt gegenüber befindet sich das Schuhgeschäft „Trittfest“, ein kleines, aber feines Fachgeschäft, das seit Generationen von der Familie Wendorff geführt wird. Hier gibt es robuste Wanderstiefel für Ausflüge in den nahen Wittstocker Wald – der nur drei Kilometer südöstlich des Dorfes beginnt – ebenso wie elegante Schuhe für festliche Anlässe. Wer also Musenstein besucht, sollte sich Zeit nehmen. Zeit, um die Stille der Felder zu genießen, die Geschichte der Burgruine auf sich wirken zu lassen, ein Glas mit Elara Mohn in der Bar Zaubermond zu heben oder einfach den Alltag in einem Dorf zu beobachten, das trotz seiner Nähe zu den geschäftigen Zentren des Blumenlandes seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter bewahrt hat.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 114 (BLB Blumenlandbahn) aller 2 Stunden 7:09-21:09 nach Sasnitz, 6:55-20:55 nach Waldfurt
Straße: B64 (NW: Nossen bei Rastitz 7km, SO: Wittstock 8km); L5 (SW: Komerz 6km, O: Waldfels 10km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2150 Musenstein

