(Pop.: 7.482 – 131m NN)

Wer Komerz besucht, sollte sich darauf einstellen, dass die Zeit hier einen anderen Takt hat als in der geschäftigen Hauptstadt Nova. Die knapp 7.500 Menschen, die in der Kreisstadt im Südwesten des Blumenlandes leben, scheinen ein stilles Einvernehmen mit den Hügeln und Feldern geschlossen zu haben, die sich ringsum ausbreiten. Komerz thront auf einer Anhöhe von 131 Metern über dem Meeresspiegel und blickt herab auf ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland, das von saftigen Weiden und Äckern mit Hanf, Gerste und Hafer geprägt ist.

Die Stadt ist der Mittelpunkt des gleichnamigen Landkreises , ein Ort von Überschaubarkeit und heimlicher Behaglichkeit, der sich dennoch als kleines Wirtschaftszentrum einen Namen gemacht hat. Die Geschichte Komerz‘ ist in den Gemäuern seiner Altstadt förmlich greifbar. Hier säumen gepflegte Bürgerhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert die noch gepflasterten Straßen. Ein Spaziergang durch diese Gassen ist wie eine kleine Zeitreise, vorbei an schmiedeeisernen Laternen und verwinkelten Hinterhöfen, in denen der Flieder blüht.

Das unbestrittene Herz der Stadt und ihr markantester Blickfang ist die St. Laurentiuskirche, eine spätgotische Backsteinhalle, die aus dem 14. Jahrhundert stammt. Ihr verschieferter Dachreiter ist schon von Weitem zu sehen, ein stiller Wächter über den Dächern der Stadt . Legenden ranken sich um ihren Bau: Es heißt, der Meisterbaumeister, ein gewisser Bartholomäus Kesselmann, habe den Turm ohne einen einzigen Nagel errichtet, was ihm den Respekt der gesamten Stadtgemeinde einbrachte – und bis heute den Dachreiter zu einer kleinen architektonischen Sensation macht.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Landschloss Hohenstein, ein ehemaliger Adelssitz, der heute als Rathaus dient . Das Schloss ist von einem kleinen, aber fein angelegten Park umgeben, in dem alte Buchen und eine Kastanie stehen, die angeblich von der Adelsfamilie von Hohenstein selbst gepflanzt wurde. Das Gebäude selbst ist schlicht und anmutig; ein Ort, an dem Geschichte und Verwaltung harmonisch miteinander verschmelzen. Hier, im Rathaus, regelt Bürgermeisterin Gisela Herbst die Geschicke der Stadt, die sie seit über einem Jahrzehnt mit ruhiger Hand führt.

Komerz ist mehr als nur ein hübsches Gesicht. Die Stadt ist ein Zentrum des Handwerks und der Veredelung regionaler Produkte. Die Distillerie Komerz ist ein Magnet für Feinschmecker, die den Weg in den Südwesten des Blumenlandes finden. Hier wird aus lokalem Gerstenmalz ein milder und dennoch überraschend komplexer Whisky gebrannt . Wer das Glück hat, eine Führung bei der Brennmeisterin Annemarie Wetzel zu ergattern, erfährt nicht nur alles über die Kunst der Destillation, sondern darf am Ende auch einen der edlen Tropfen in einer der kleinen Bars der Stadt probieren. Der Whisky, so sagt man, schmecke nach den kalkhaltigen Böden der Region – herb, aber mit einer feinen Blütennote.

Nicht weniger bekannt ist die Manufaktur „Komerzer Hanfprodukte“, die den heimischen Hanf zu erstaunlich vielseitigen Produkten verarbeitet . Hier entstehen robuste Textilien, die so langlebig sind wie die Legenden, die sich um sie ranken, und natürliche Kosmetika, die in der ganzen Region geschätzt werden. Die Manufaktur wird von der Familie Lembke geführt, die schon seit drei Generationen das Wissen um die Faser vererbt.

Und für alle, die die Landschaft auf zwei Rädern erkunden möchten, ist die Komerzer Fahrradmanufaktur ein Begriff . Die hier maßgefertigten Touren- und Cityräder sind wahre Kunstwerke aus Stahl und Leder, die in Handarbeit entstehen und weit über die Kreisgrenzen hinaus für ihre Qualität bekannt sind. Tobias Bruckner, der Besitzer, schwört auf seine selbst entwickelte Gangschaltung, die das Fahren durch die hügelige Umgebung zu einem Vergnügen macht.

Zwischen diesen Betrieben hat sich ein lebendiges mittelständisches Geflecht aus Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung und des Werkzeugbaus etabliert, das der Stadt eine stabile wirtschaftliche Basis verleiht. Komerz ist auch ein Eisenbahnknotenpunkt, was für eine Stadt seiner Größe bemerkenswert ist und die Besucher schnell und bequem in die Region bringt. Die Stadt besitzt sogar zwei Bahnhöfe. Am Oberen Bahnhof kreuzen sich die historische Stammbahn (Ackero–Storcha) und die Blumenlandbahn (BLB114), die von Nord nach Süd verläuft . Die Züge der BLB114 halten zudem am Unteren Bahnhof, was das Reisen im Tal der Glanzrinne besonders flexibel macht.

Das kulturelle Leben in Komerz ist beschaulich, aber rege. Dreh- und Angelpunkt ist der kleine, aber feine Kulturhof am Markt, ein umgebauter Speicher, in dem Lesungen, kleine Theaterabende und Konzerte stattfinden. Die „Komerzer Lesezeichen“, ein von der Buchhändlerin Elena Vogt initiierter Literaturkreis, trifft sich hier jeden ersten Donnerstag im Monat. Für die musikalische Untermalung des Stadtlebens sorgen der Männergesangsverein „Liederkranz“ unter der Leitung von Konrad Fricke und der Kirchenchor der St. Laurentiusgemeinde, der bei Gottesdiensten und zu besonderen Anlässen wie dem Erntedankfest für bewegende Momente sorgt. Wer den Alltag der Einheimischen kennenlernen möchte, sollte einen Abstecher zum Wochenmarkt auf dem Platz vor dem Landschloss machen. Hier bieten die Bauern der Umgebung ihre Waren feil – knackiges Gemüse, selbstgebackenes Brot, Honig von den umliegenden Höfen und natürlich der berühmte Komerzer Whisky, der direkt vom Fass verkauft wird. Die Marktfrau Trude Meincke ist eine Institution; sie kennt jeden Kunden beim Namen und hat immer eine Geschichte über die Herkunft ihrer Äpfel parat.

Für Übernachtungen bietet die Stadt einige charmante Optionen. Der Gasthof „Zur Glanzrinne“ an der L5 bietet gemütliche Zimmer mit Blick auf die umliegenden Felder und ist bei Wanderern und Radfahrern sehr beliebt. Wer es etwas vornehmer mag, findet im Landhotel Hohenstein, direkt am Schlosspark gelegen, stilvolle Unterkunft. Die Gaststube dort wird von Koch Peter Strasser geführt, der traditionelle Blumenländer Küche mit modernen Akzenten interpretiert – seine Gerste-Risotto mit gebratenen Steinpilzen ist legendär. Die kulinarische Szene ist klein, aber fein. Die „Destille“ direkt neben der Brennerei ist der Treffpunkt für Whisky-Liebhaber, während das Café „Süße Anna“ in der Altstadt mit hausgemachten Torten lockt – die Mohn-Hanf-Torte ist ein Geheimtipp. Einkehren kann man auch in der Bäckerei Körner, deren Hannes Körner noch nach überlieferten Rezepten backt, und in der Fleischerei „Zum Goldenen Schinken“, wo es regionale Spezialitäten wie geräucherte Wurst aus der Umgebung gibt.

Die Umgebung Komerz‘ ist ein lohnendes Ziel für Naturfreunde. Die Stadt ist umgeben von Feldern und Weideflächen, die sich sanft bis zum Horizont erstrecken. Östlich liegt der Wittstocker Wald – ein etwa 4 mal 7 Kilometer großes Waldgebiet, das mit seiner Stille und dem hohen Baumbestand zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt. Hier, auf dem Berg Comerz (201 Meter), entspringen die Glanzrinne und die Dimholj. Beide Bäche schlängeln sich nach Süden, um nach etwa zwölf Kilometern bei Sasnitz in das Mare Internum zu münden . An einem warmen Sommertag, wenn die Sonne durch das Blätterdach des Waldes fällt, wird der Spaziergang zum Erlebnis – und man versteht, warum die Komerzer so stolz auf ihre Region sind. Vielleicht trifft man dabei auf Förster Ralf Baumgart, der nicht nur die Pfade kennt, sondern auch die eine oder andere Geschichte über den Berg Comerz zu erzählen weiß.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Eilzüge der Stammbahn Linie 1-1 8:20, 12:20, 16:20, 20:20 über Nova nach Storcha, 9:07, 13:07, 17:07, 21:07 über Bierona, Butha nach Ackero;
Regionalbahnen der Stammbahn Linie 1003 stündlich 6:08-21:08 nach Nova, 6:48-20:48 über Wisnitz nach Bierona, 21:48 nach Wisnitz; Linie 114 (BLB Blumenlandbahn) aller 2 Stunden 7:18-21:18 nach Sasnitz, 6:48-20:48 nach Waldfurt
Straße: L5 (S: Seyde 8km, N: Musenstein 7km); L7 (W: als BL14 nach Klausheim 11km, O: Wittstock 8km)

Land: Blumenland
Landkreis: Komerz
Gemeinde: B-5000 Komerz