
(Pop.: 2.547 – 58m NN)
Zwischen den weiten Niederungen der Nova und den fruchtbaren Anbauflächen des südlichen Novafurter Landes liegt Hettstedt, eine Ackerbauerstadt mit 2.547 Einwohnern auf 58 Metern über dem Meeresspiegel. Der Ort verkörpert vieles von dem, was das Blumenland auszeichnet: eine leistungsfähige Landwirtschaft, genossenschaftliche Traditionen, moderne Forschung und eine bemerkenswerte Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat. Obwohl Hettstedt nur wenige Kilometer von der Kreisstadt Novafurt entfernt liegt, besitzt es einen ganz eigenen Charakter, der sich zwischen Obstgärten, Werkhallen und historischen Gemäuern entfaltet.
Bereits aus der Ferne fallen die ausgedehnten Obstplantagen auf, die den Ort umgeben. Vor allem im Frühjahr, wenn Tausende Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume gleichzeitig blühen, verwandelt sich die Landschaft in ein weiß-rosa Blütenmeer. Dann zieht es Spaziergänger und Radfahrer auf die Feldwege rund um die Stadt. Viele Familienbetriebe bewirtschaften die Plantagen seit Generationen. Zu den bekanntesten gehört der Hof von Landwirtin Olivia Bennett, deren Obstgärten sich entlang der nördlichen Hänge oberhalb der Nova erstrecken. Bennett gilt als Vorreiterin nachhaltiger Anbaumethoden und liefert einen Teil ihrer Ernte an regionale Mostereien und Bäckereien. Ihre Hofführungen während der Blütezeit sind auch bei Besuchern beliebt. Der Name Hettstedt wird von den Einwohnern gern mit einer alten Erzählung verbunden. Der Legende nach soll ein Siedler namens Hetto im frühen Mittelalter an einer flachen Furt über einen Nebenarm der Nova einen befestigten Hof gegründet haben. Aus „Hettos Stätte“ sei über die Jahrhunderte Hettstedt geworden. Ob die Geschichte historisch zutrifft, ist ungewiss, doch sie wird bis heute bei Heimatabenden und Dorffesten erzählt.

Den historischen Mittelpunkt bildet die kleine romanische Stadtkirche aus dem 12. Jahrhundert. Sie erhebt sich auf einer leichten Anhöhe unweit des heutigen Marktplatzes und gehört zu den ältesten Sakralbauten des Landkreises. Von außen wirkt das Gotteshaus mit seinen dicken Bruchsteinmauern eher schlicht. Im Inneren jedoch überrascht es mit außergewöhnlich gut erhaltenen Fresken, die Szenen aus dem Leben verschiedener Heiliger sowie Darstellungen bäuerischer Arbeiten zeigen. Kunsthistoriker vermuten, dass sie im späten 13. Jahrhundert entstanden. Pfarrerin Helena Falkenberg organisiert regelmäßig Führungen und Vortragsabende, bei denen Besucher mehr über die Geschichte der Kirche und ihrer Restaurierung erfahren können.

Das wirtschaftliche Herz Hettstedts schlägt in den landwirtschaftlichen Betrieben und Genossenschaften der Umgebung. Nördlich des Ortes betreibt die Hettstedter Agrarkooperative eine großflächige Viehwirtschaft mit mehreren modernen Stallanlagen. Das Unternehmen verarbeitet einen Teil seiner Milch direkt in einer angeschlossenen Molkerei. Über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt ist der kräftige Hettstedter Bergkäse, der mehrere Monate in gemauerten Reifekellern lagert. Die Kooperative arbeitet eng mit der Landwirtschaftlichen Kooperation Freidorf zusammen, die hochwertiges Viehfutter liefert. Diese Zusammenarbeit gilt als Beispiel für die enge Vernetzung der landwirtschaftlichen Betriebe im Novafurter Land. Viele Erzeugnisse aus Hettstedt finden schließlich ihren Weg auf den Wochenmarkt in Novafurt, wo die örtlichen Bauern jeden Samstagvormittag frisches Obst, Käse, Fleischwaren und zahlreiche regionale Spezialitäten anbieten.

Neben Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion besitzt Hettstedt auch eine überraschend vielfältige industrielle Seite. Der örtliche Maschinenbaubetrieb Hettstedt AgroTech entwickelt und produziert spezielle Erntegeräte für den Obstbau. Die Maschinen des Unternehmens kommen auf Plantagen im gesamten Blumenland zum Einsatz und gelten als besonders schonend für empfindliche Früchte. Am südöstlichen Ortsrand befindet sich die Fabrik Ventron Lüftungstechnik. Das mittelständische Unternehmen entstand ursprünglich aus einer kleinen Metallwerkstatt und entwickelte sich zu einem angesehenen Hersteller energieeffizienter Belüftungssysteme für Gewächshäuser, Molkereien und Lagerhallen. Wer über die Industriestraße fährt, bemerkt sofort die modernen Produktionshallen mit ihren silberglänzenden Fassaden. Werkleiter Ruben Hagedorn beschäftigt mehr als hundert Mitarbeiter aus Hettstedt und den umliegenden Orten. Viele Auszubildende aus dem Landkreis beginnen hier ihre berufliche Laufbahn.

Eine Besonderheit der Stadt ist das Zentrum für Bionik und Biomaterialien. Obwohl man eine solche Einrichtung eher in einer Großstadt erwarten würde, entschied man sich bewusst für den Standort nahe den landwirtschaftlichen Betrieben. Forschende beschäftigen sich dort mit biologisch inspirierten Werkstoffen und innovativen Materialien für den Agrarsektor. Einige Entwicklungen orientieren sich an den Oberflächen von Blättern oder Fruchtschalen, um Maschinen widerstandsfähiger und umweltfreundlicher zu machen. Das moderne Gebäude mit seinen begrünten Fassaden bildet einen spannenden Kontrast zu den traditionellen Bauernhöfen der Umgebung.
Handwerk genießt in Hettstedt hohes Ansehen. Besonders bekannt ist die Schlosserei Kupferkralle in der Lindenstraße. Gegründet wurde sie von Gustav Kupferkralle, dessen Nachfahren den Betrieb noch heute führen. Die Werkstatt fertigt Geländer, Tore und Sonderanfertigungen für landwirtschaftliche Betriebe. Viele kunstvoll geschmiedete Arbeiten in Hettstedt und den Nachbarorten stammen aus dieser traditionsreichen Schlosserei. Besucher können oft durch die geöffneten Werkstatttüren einen Blick auf Funken sprühende Schmiedearbeiten werfen.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Ortes gehört Feuerwehrfrau und Patentanwältin Amara N’Doye. Tagsüber berät sie Unternehmen und Erfinder bei der Sicherung technischer Entwicklungen, darunter auch verschiedene Betriebe aus Hettstedt. In ihrer Freizeit engagiert sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, deren stellvertretende Wehrleiterin sie ist. Ihr außergewöhnlicher Werdegang wird im Ort häufig als Beispiel dafür genannt, wie eng in Blumenland beruflicher Erfolg und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden sein können. Das gesellschaftliche Leben konzentriert sich rund um den Marktplatz, das Gemeindehaus und die örtlichen Gaststätten. Besonders stimmungsvoll präsentiert sich die Bar Silberstrom am Novaweg. Das modern eingerichtete Lokal verdankt seinen Namen dem silbrigen Schimmer des Flusses in den Abendstunden. Hier treffen sich Angestellte aus den Betrieben ebenso wie Studierende des Forschungszentrums. Neben regionalen Säften werden hausgemachte Fruchtcocktails serviert, deren Zutaten überwiegend aus den umliegenden Obstgärten stammen.

Deutlich bodenständiger geht es in der Kneipe Zum Durstigen Widder zu. Das Fachwerkhaus an der Marktgasse zählt zu den ältesten Wirtshäusern Hettstedts. Wirt Konrad Behrens schenkt hier verschiedene regionale Biere aus und serviert Käsebrote mit Hettstedter Bergkäse. An vielen Abenden sitzen Landwirte, Handwerker und Feuerwehrleute gemeinsam an den langen Holztischen. Besucher erhalten dort oft die besten Geschichten über den Ort, seine Bewohner und die Ereignisse vergangener Jahrzehnte. Für Übernachtungsgäste stehen mehrere familiär geführte Unterkünfte zur Verfügung. Die Pension Obstgartenblick in der Kirschallee bietet Zimmer mit Blick auf die Plantagen, während der Hof Sonnenhang von Olivia Bennett einige Ferienwohnungen auf einem aktiven Bauernhof vermietet. Gerade Familien schätzen die Möglichkeit, das Leben auf einem Obstbaubetrieb kennenzulernen.
Wer durch Hettstedt spaziert, entdeckt einen Ort, der Tradition und Fortschritt auf bemerkenswerte Weise verbindet. Die romanische Kirche erinnert an die lange Geschichte der Siedlung, während Forschungszentrum, Maschinenbau und moderne Industrie den Blick in die Zukunft richten. Dazwischen prägen Obstplantagen, Viehwirtschaft und genossenschaftliche Zusammenarbeit den Alltag. Hettstedt mag nicht zu den großen Städten des Blumenlandes zählen, doch gerade seine Mischung aus landwirtschaftlicher Kompetenz, technischem Erfindergeist und lebendigem Gemeinschaftsleben macht den Ort zu einem der interessantesten Reiseziele im Landkreis Novafurt. Besucher finden hier keine spektakulären Monumente, wohl aber eine authentische Kulturlandschaft und Menschen, die mit spürbarem Stolz von ihrer Heimat erzählen.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: BLB115 (Novatalbahn) stündlich 6:54-20:54 über Novafurt Hbf nach Muldmünde, 21:54 nach Novafurt Hbf, 7:00-21:00 über Waldfurt nach Novatal, 22:00 nach Waldfurt
Straße: B5 (SO: Novafurt 13km); B6 (O: Elsterwitz 4km); B5/B6 (NW: Großenhain 12km); L3 (S: Freidorf 7km; N: Neudalno 7km); Novauferweg (W: Tretufer 3,5km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2060 Hettstedt

