(Pop.: 5.781 – 49m NN)

Die Stadt Ritzin, mit ihren 5.781 Einwohnern die größte im Landkreis Stegstedt, liegt im Süden der Insel Gabelow/Sawitz, nur eine schmale, zwei Kilometer breite Meeresstraße von Aschwitz auf der Stegstedter Halbinsel entfernt. Diese Lage verleiht ihr etwas von der Gelassenheit einer Inselstadt und der Geborgenheit eines Hafens zugleich – ein Gefühl, das sich sofort einstellt, wenn man die Brücken überquert hat.

Ritzin ist durch zwei Brücken mit der Halbinsel und dem Ort Aschwitz verbunden. Die eine ist die solide, pragmatische Straßenbrücke der B31, erbaut 1925, die den alltäglichen Verkehr trägt. Die andere aber, sie ist ein Meisterwerk, das den Atem raubt: die Stahlfachwerkbrücke des Insula-Express. Ihre filigrane Konstruktion spannt sich wie ein feinmaschiges, silbriges Netz über das tiefblaue Wasser. Vom Bahnhof Aschwitz aus sieht man die Züge der Linie 2002 im Stundentakt hinüber nach Ritzin rollen, ein steter, eleganter Rhythmus, der die Stadt mit dem Rest der Welt verbindet.

Die Geschichte Ritzins ist so alt wie die der Inselwelt selbst. Gegründet wurde sie im Jahr 808 von König Magron, dem Bauherrn von Butha, als südlicher Grenzposten seines Reiches. Man kann sich den Ort damals als befestigtes Lager vorstellen, eine Bastion am Rande des Mare Internum. Im Chaos der Jahre nach 850, als die alten Reiche zerfielen und Wikinger die Küsten heimsuchten, blieb der Süden der Insel Gabelow/Sawitz mit Ritzin als einziges Gebiet Buthas verschont. Es war Statthalter Orontes Fitzelbert, der die Stadt befestigen ließ. Er gewährte tausend Flüchtlingen das Bleiberecht, während die anderen weiterzogen, um auf der Insel Insula ein neues Leben zu beginnen. So wurde Ritzin zum Zeugen und stillen Archiv einer großen Völkerwanderung.

Ritzin blieb bis 1158 ein kleines, unabhängiges Fürstentum. In diesem Jahr fiel es unter König Zinzad von Storha, der die Insel endgültig seinem Reich einverleibte. Es war die Geburtsstunde der Provinz Insula, und Ritzin wurde Teil eines größeren Ganzen. Lange Zeit war es ein stiller, aber wichtiger Posten, bis das Jahr 1872 eine Zäsur brachte: der Bau der Nord-Südbahn, des Insula-Express. Die erste Eisenbahnbrücke wurde errichtet, und die Stadt erhielt einen Anschluss, der sie für immer verändern sollte. Der nächste große Einschnitt folgte 1927, als der zu Insula gehörende Süden Gabelow/Sawitz dem Landkreis Stegstedt eingegliedert wurde.

Das Herz Ritzins, sein historischer und lebendiger Mittelpunkt, ist der Marktplatz. Hier thront die dreischiffige Backsteinhallenkirche aus dem 15. Jahrhundert, ein beeindruckendes Zeugnis der Gotik. Ihr rotes Mauerwerk leuchtet warm in der Nachmittagssonne, und ihre massiven Strebepfeiler erzählen von einer Zeit, in der der Glaube die Menschen in Stein gemeißelt vereinte. Unter diesem Platz, ja unter der gesamten Altstadt, erstreckt sich ein weit verzweigtes System von Lagerkellern aus dem Mittelalter. Bei Führungen kann man diese unterirdischen Gänge erkunden, den kühlen, modrigen Geruch der Jahrhunderte einatmen und sich vorstellen, wie die Bewohner hier einst ihre Vorräte vor Plünderern und den Launen der Natur in Sicherheit brachten. Das Leben in der Stadt wird von den Menschen geprägt, die hier wohnen. Man trifft sie beim sonntäglichen Gottesdienst in der Backsteinhallenkirche, wo der Chor unter der Leitung von Kirchenmusikerin Elena Vogt die hohen Gewölbe mit Gesang füllt. Oder man begegnet ihnen beim Stammtisch in der Brauereischänke, wo sich Alt-Bürgermeister a.D. Theodor Groll und der ehemalige Bahnhofsvorsteher Rainer Pohlmann regelmäßig zum Plausch treffen. Die Stadt hat eine Grundschule und einen Kindergarten, alles fußläufig erreichbar, und eine kleine Zweigstelle der Kreisverwaltung, die für die bürokratischen Angelegenheiten der Bürger zuständig ist.

Die Stadt lebt und arbeitet, und ihr wirtschaftliches Rückgrat ist der Duft von Malz und Hopfen, der oft über die Dächer weht. Die Brauerei „Gabelow Bräu“ ist der Stolz der Stadt. Seit fünf Generationen wird hier in der Familie Wagner nach alten Rezepten gebraut. Das süffige „Gabelower Landbier“ und das kräftige „Sawitzer Export“ sind mehr als nur Getränke; sie sind flüssige Identität. In den Gaststätten ringsum, etwa bei „Klaas’ Hafenkrug“ am nördlichen Ende der Hauptstraße, wird das Bier in schweren, bauchigen Gläsern serviert, und man spürt, dass hier die Zeit ein wenig langsamer vergeht.

Ritzin lebt nicht nur von seiner bewegten Geschichte und dem Duft der Brauerei – es sind vor allem die kleinen, feinen Handwerksbetriebe, die der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht geben. Wer durch die Hintergassen der Altstadt schlendert, stößt unweigerlich auf die Werkstatt von Klaas und Söhne, Feintäschnerei. Seit über achtzig Jahren werden hier in der Schmiedestraße 3 Lederwaren von unvergleichlicher Qualität gefertigt. Der Patriarch der Familie, der mittlerweile 72-jährige Henning Klaas, führt das Unternehmen zusammen mit seinem Sohn Lars und seiner Tochter Maren. Ihr Atelier ist eine Schatzkammer des Geruchs von gegerbtem Leder und altem Wachs. Hier entstehen nicht nur robuste Taschen und Gürtel für den täglichen Gebrauch, sondern auch feine Etuis und Brieftaschen, die oft mit dem stadttypischen Wappen – einem schreitenden Löwen über einer Brücke – verziert werden. Die Klaas’ sind für ihre akribische Handarbeit bekannt, und es ist ein kleines Ereignis, wenn sie einen ihrer seltenen Kurse für Interessierte anbieten, bei dem man unter fachkundiger Anleitung sein eigenes Portemonnaie nähen kann.

Nur einen Katzensprung entfernt, in der Braugasse 7, surrt und klopft es sanft. Hier hat Thorben Mahnke seine Töpferei „Irdenware am Tor“ eingerichtet. Der gelernte Ofenbauer und Keramiker dreht an der Scheibe, was das Zeug hält, und zaubert aus grauem und rotem Ton Gefäße, die so rustikal und bodenständig sind wie die Stadt selbst. Seine Spezialität sind große, salzglasierte Krüge, die perfekt zu einem kühlen Gabelower Landbier passen, sowie filigrane Schalen, deren Glasuren in Erdtönen an die umliegenden Felder und Wälder erinnern. Mahnke ist ein Tüftler; er hat seinen eigenen Brennofen konstruiert, der mit Holz aus den umliegenden Wäldern befeuert wird, und verkauft seine Unikate direkt aus der Werkstatt. Besonders begehrt sind seine Tellerserien mit stilisierten Darstellungen der Eisenbahnbrücke, die bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt sind.

Nach einem solchen Streifzug durch die Handwerkskunst kehrt die müde Seele in einem der gemütlichen Hotels der Stadt ein. Das „Hotel zur alten Brücke“ am Marktplatz 2 ist ein traditionsreiches Haus, das seit 1928 von der Familie Frey geführt wird. Die Fassade aus rotem Backstein und die dunkelgrünen Fensterläden verleihen ihm ein vornehmes, fast aristokratisches Flair. Die 18 Zimmer sind im Stil der 1920er Jahre eingerichtet – mit hohen Decken, Stuck und antiken Möbeln, aber selbstverständlich mit modernem Komfort. Der Garten hinter dem Haus erstreckt sich bis zu den alten Stadtmauern und bietet einen wunderschönen Blick auf das Kirchturm-Dreieck. Hier wird ein üppiges Frühstück mit hausgemachter Marmelade serviert, und die Gäste schätzen besonders die ruhige Atmosphäre und die Nähe zum historischen Zentrum. Es ist der ideale Ort für alle, die das Flair vergangener Zeiten lieben.

Wer es lieber maritim und unkonventionell mag, findet sein Glück im „Hafenkrug Hotel“ an der Hafenstraße 14, direkt am alten Yachthafen. Dieses charmante, etwas windschiefe Gebäude war früher ein Lagerhaus für Fisch und Getreide, bevor es Gesine und Olaf Petersen vor fünfzehn Jahren zu einem kleinen Hotel mit neun Zimmern umbauten. Der Charme des Alten wurde bewahrt: Die Balken liegen frei, und die Zimmer haben Namen wie „Kutter“ oder „Leuchtturm“ und bieten einen atemberaubenden Blick auf das Wasser und die filigrane Stahlbrücke des Insula-Express. Das Frühstück wird im ehemaligen Pferdestall serviert, und die Petersen sind bekannt dafür, ihren Gästen Geheimtipps für Angelplätze und Wanderwege entlang der Küste zu verraten. Ein Ort für Träumer und Individualisten.

Und dann ist da noch Klaas’ Hafenkrug, das kulinarische Herz der Stadt. Die Gaststätte liegt nicht weit vom Hafenkrug Hotel entfernt, direkt an der Promenade, und ist eine Institution. Schon von Weitem lockt der Duft von gebratenem Fisch und frischem Brot, der aus der offenen Küche dringt. Der Wirt, Klaas Jensen, ist ein urwüchsiger Kerl mit rotem Bart und einem herzlichen Lachen, der die Gaststube mit seiner Familie und einem treuen Stammtisch regiert. Die Einrichtung ist eine Zeitreise: vergilbte Fotos von alten Fischern zieren die Wände, die Theke ist aus dunklem Eichenholz und die Luft ist erfüllt vom Klirren der Biergläser. Die Speisekarte ist überschaubar, aber exzellent: Matjes nach Hausfrauenart, knusprige Scholle und natürlich das hausgebratene Rindersteak, das mit einer geheimen Gewürzmischung verfeinert wird. Dazu wird selbstverständlich das Gabelower Landbier vom Fass serviert. Es ist der Ort, an dem sich die ganze Stadt trifft – vom Bürgermeister bis zum Hafenarbeiter – und an dem die Geschichten des Tages bei einem kühlen Getränk ausgetauscht werden. Ein Besuch in Ritzin ist erst dann komplett, wenn man hier an der Theke stand, mit Klaas Jensen angestoßen und die Seele baumeln lassen hat.


Zur Gemeinde Ritzin gehören die zwei Weiler:

Grenzpunkt ist ein kleiner, aber charakterstarker Weiler im Westen der Insel Gabelow/Sawitz, der seine Identität aus der unmittelbaren Lage an der ehemaligen Landesgrenze zu Buthanien bezieht. Die alte, nicht mehr genutzte Schrankenanlage auf der B31 ist das markanteste Zeugnis dieser Vergangenheit und ein stilles Wahrzeichen des Ortes. Die umgebende Landschaft ist von einer einzigartigen Schönheit geprägt: weite, baumlose Weideflächen, die sanft in die Dünen übergehen, und der kleine Fluss Fosselv, der sich hier seinen Weg ins Mare Internum bahnt. Dieser Ort der Ruhe zieht vor allem Naturliebhaber an, die die Einsamkeit und die raue Küstenatmosphäre schätzen. Das örtliche Handwerk wird von der Seifensiedermeisterin Elisabeth Markward repräsentiert, die in ihrer Werkstatt hochwertige Sanddornseifen herstellt. Für das leibliche Wohl sorgt der Kiosk am Strand von Karin und Jürgen Fricke mit Fischbrötchen und Gabelower Landbier. Die gute Anbindung über die B31 und den Insula-Express macht den Weiler dennoch gut erreichbar. Grenzpunkt ist ein Sehnsuchtsort für alle, die das Besondere in der Stille suchen.

Bungalowsiedlung im Osten der Insel Gabelow/Sawitz ist ein kleines Paradies für Ruhesuchende und Naturliebhaber. An der Mündung der Glimmeritz ins Mare Internum gelegen, bietet der Ort feine Sandstrände und eine geschützte Dünenlandschaft, die den Blick aufs offene Meer freigibt. Die gleichnamige Siedlung besteht aus lockeren Ferienhäusern, in denen in den Sommermonaten bis zu 400 Urlauber Unterkunft finden – betreut von lediglich 25 Dauereinwohnern. Diese engagierte Gemeinschaft sorgt für den Betrieb der Gaststätte „Zum letzten Leuchtturm“, wo Wirtin Greta Sörensen mit regionalen Fischgerichten verwöhnt, und des Strandkiosks von Finn und Maja Lorenzen. Kulturell hat die Siedlung einiges zu bieten: Auf der „Dünenbühne“ finden Kammermusikkonzerte, Lesungen des Schriftstellers Elias Bruckner und FKK-Theater-Aufführungen statt. Ein beliebter Dünenwanderpfad führt in nördlicher Richtung zur Nudistenkolonie Maustopf. Die Anbindung erfolgt über Straßen nach Ritzin (5,5 km) und Grenzpunkt (5 km). Die Bungalowsiedlung ist mehr als ein Ferienort – sie ist ein Ort der Stille, der Gemeinschaft und der unverfälschten Natur.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 2002 (Insula-Express) stündlich 6:39-21:39 nach Insula, 6:45-21:45 nach Butha
Straße: B31 (S: Aschwitz 2km, N: Grenzpunkt 4km); Küstenstraße (NO: Bungalowsiedlung 6,5km)

LandInsula
LandkreisStegstedt
Gemeinde: I-3010 Ritzin, I-3011 Grenzpunkt, I-3012 Bungalowsiedlung