
(Pop.: 25 – 15m NN)
Am östlichen Zipfel der Insel Gabelow/Sawitz, dort wo die Glimmeritz aus dem tiefen Schatten des Inselwaldes tritt, um sich mit einer letzten eleganten Biegung ins weite Mare Internum zu ergießen, liegt ein Ort, der seinem Namen alle Ehre macht. Die Bungalowsiedlung ist keine Stadt, kein Dorf im klassischen Sinne, sondern ein lockerer, fast vergessener Zusammenschluss von Ferienhäusern, die sich wie eine Perlenkette hinter einer mächtigen Dünenlandschaft an die Küste schmiegen. Nur 25 Menschen haben hier ihr Zuhause auf Dauer, doch in den Sommermonaten, wenn die Sonne die feinen Sandstrände in Gold taucht, kann die Zahl der Gäste auf bis zu 400 anwachsen – ein kurzes, buntes Flackern im ansonsten stillen Rhythmus der Natur.
Um zur Bungalowsiedlung zu gelangen, muss man sich von der beschaulichen Kreisstadt Stegstedt oder der lebhaften Gemeinde Ritzin aus auf den Weg machen. Von Ritzin sind es gut fünfeinhalb Kilometer, die einen durch eine zunehmend von Wald und Stille geprägte Landschaft führen. Wer von Westen kommt, nimmt die Straße vom Grenzpunkt, einem stillen, fast vergessenen Weiler, dessen alte, ungenutzte Schranke an der B31 ein Denkmal für eine vergangene Ära ist. Fünf Kilometer weiter, und man taucht ein in das Grün der Kiefern und Birken, die den Weg säumen, bis sich plötzlich der Blick über die Dünen hinweg auf das glitzernde Meer öffnet. Die Anreise ist eine kleine Reise in sich selbst, ein allmähliches Abtauchen aus dem Alltag in eine Welt, in der die Zeit eine andere Geschwindigkeit zu haben scheint. Wer zu Fuß unterwegs ist oder das Rad bevorzugt, kann von der Siedlung aus einen schmalen, von Strandhafer gesäumten Dünenpfad nach Norden nehmen. Er führt in etwa dreieinhalb Kilometern zur berühmten Nudistenkolonie von Maustopf, einem Ort, der für seine offene und naturverbundene Lebensart bekannt ist.

Die Geschichte der Bungalowsiedlung ist keine Geschichte großer Schlachten oder königlicher Dekrete, sondern eine des stillen Wohlstands und der Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Die ersten einfachen Holzhäuschen entstanden wohl in den 1920er Jahren, einer Zeit, in der die Menschen der nahen Stadt Insula begannen, die unberührte Küste für sich zu entdecken. Nach den Bürgerkriegen, als die Insel ihre Unabhängigkeit erlangte, erlebte der Ort einen bescheidenen Aufschwung. Es war die Zeit, in der die ersten Betonfundamente gegossen und die charakteristischen, flachen Bungalows mit ihren weitläufigen Terrassen errichtet wurden. Der Bau der Straßenverbindung nach Ritzin und der Anschluss an das Stromnetz in den 1960er Jahren machten die Siedlung dann auch für Urlauber aus dem Kernland attraktiv. Heute ist sie ein beliebtes Ziel für all jene, die dem Trubel der Stadt entfliehen möchten, ohne auf die Annehmlichkeiten einer organisierten Ferienanlage verzichten zu wollen.

Das Herzstück der Siedlung bildet die Gaststätte „Zum letzten Leuchtturm“ – ein Name, der nicht ohne Grund gewählt wurde, denn tatsächlich stand hier einst ein kleiner, hölzerner Leuchtturm, der den Fischern den Weg in die Mündung der Glimmeritz wies. Er fiel in den 1970er Jahren einem Sturm zum Opfer, doch sein Geist lebt im Namen des Restaurants weiter, das von der umtriebigen Wirtin Greta Sörensen geführt wird. Hier, in dem hellen, mit weißer Farbe und blauen Akzenten gestrichenen Raum, duftet es nach frisch gebratenem Fisch, den die lokalen Fischer direkt am nahen Strand anlanden. Greta Sörensen, eine Frau mit rotem Haar und einer ebenso roten, herzlichen Stimme, serviert nicht nur den besten Zander der Region, sondern ist auch die heimliche Chronistin des Ortes. Wer ihr ein Glas von ihrem selbst gebrauten Kräuterlikör spendiert, der erfährt Geschichten von verschwundenen Bernsteinfischern und nächtlichen Feuerschiffen, die angeblich noch immer in den Dünen ihr Unwesen treiben. Direkt nebenan, im Schatten einer mächtigen, vom Wind geformten Kiefer, befindet sich der Strandkiosk. Betrieben wird er von dem jungen Ehepaar Finn und Maja Lorenzen, die hier im Sommer kühle Getränke, selbstgemachte Sandwiches und vor allem das beste Softeis der Insel verkaufen. Ihr Kiosk ist der informelle Treffpunkt für die 25 Dauereinwohner, die hier beim täglichen Einkauf die neuesten Neuigkeiten austauschen.

Die Bungalowsiedlung ist nicht nur ein Ort der kulinarischen Genüsse, sondern auch ein stilles, aber aktives Zentrum für Kunst und Kultur. Was in vielen größeren Städten in aufwändigen Kulturetat gegossen wird, findet hier auf der kleinen Bühne im Gemeinschaftshaus statt, das man liebevoll die „Dünenbühne“ nennt. Es ist ein schlichtes Gebäude aus hellen Holzplanken mit einem Wellblechdach, das von der Dorfgemeinschaft selbst errichtet wurde. Dass es hier überhaupt kulturelle Veranstaltungen gibt, ist der Initiative von Dr. Annegret Hollmann zu verdanken, einer emeritierten Professorin für Musikwissenschaft, die sich vor fünf Jahren hier zur Ruhe setzte. Ihre Leidenschaft ist die Kammermusik. Einmal im Monat, wenn die Dämmerung über dem Meer hereinbricht und die ersten Sterne am Himmel erscheinen, verwandelt sie die Dünenbühne in einen kleinen Konzertsaal. Mit Unterstützung ihres Mannes, des ehemaligen Geigers Klaus Hollmann, lädt sie befreundete Musiker aus der Hauptstadt Insula ein. Zwischen den alten Holzbänken und unter dem sanften Schein von Petroleumlampen erklingen dann die Töne von Streichquartetten und Klaviersonaten – ein surrealer, fast magischer Kontrast zum Rauschen der Brandung.

Neben der Musik hat sich auch das FKK-Theater einen Namen gemacht, eine kleine Laienspieltruppe, die unter der Regie des gelernten Schauspielers und heutigen Bauunternehmers Bernd Klingbeil klassische Stücke auf die Bretter bringt – freilich in einer der örtlichen Tradition entsprechenden, textilfreien Aufführung, die beim Publikum gleichermaßen für Heiterkeit und tiefe Betroffenheit sorgt. Daneben finden regelmäßig Lesungen statt, bei denen oft der ortsansässige Schriftsteller Elias Bruckner aus seinen Werken über das Leben an der Küste vorträgt.
Wer die Seele der Bungalowsiedlung wirklich verstehen will, muss jedoch einen Blick hinter die Kulissen werfen. Das Leben der 25 Einwohner ist geprägt von harter Arbeit im Einklang mit den Jahreszeiten. Im Winter, wenn die Bungalows leer stehen und die Stürme über das Mare Internum fegen, sind sie es, die die Wege von Sand und Treibgut befreien, die Dächer reparieren und die Anlage für das kommende Jahr vorbereiten. Die meiste Zeit jedoch verbringen sie mit der Betreuung der Gäste. Da ist zum einen der Hausmeister-Koordinator Jens-Uwe Petersen, ein alter Seebär mit wettergegerbtem Gesicht, der die Wartung und Reinigung der über hundert Bungalows organisiert. Er kennt jedes Brett, jedes Fenster und hat für jedes noch so kleine Problem eine Lösung parat. Seine Frau Marlene betreibt nebenbei eine kleine Schneiderei, in der sie Strandkleidung repariert und individuelle Stücke für die Gäste anfertigt. Die Gemeinschaft ist eng, fast familiär. Jeden Samstagabend treffen sie sich – die Petersens, die Hollmanns, die Lorenzens, die Sörensens und die anderen – zum Stammtisch in der Gaststätte „Zum letzten Leuchtturm“. Es sind diese Abende, an denen Pläne geschmiedet werden, neue Ideen für Veranstaltungen entstehen und die Geschichten des Ortes weitergesponnen werden.

Der Strand selbst ist das eigentliche Heiligtum der Siedlung. Er ist fein, fast pudrig, und erstreckt sich über mehrere hundert Meter in beide Richtungen. Er wird von einem Dünenzug begrenzt, der mit Strandhafer und vereinzelten, vom Wind gebeugten Kiefern bewachsen ist. Der Sand ist so weiß, dass er an manchen Tagen zu blenden scheint, und das Wasser der Glimmeritz, die hier ins Meer mündet, ist so klar, dass man den Grund bis in mehrere Meter Tiefe erkennen kann. Die Einheimischen wissen, dass die beste Zeit für einen Badetag der späte Nachmittag ist, wenn das Licht langsam goldener wird und die Schatten länger. Dann versammeln sich die Gäste auf den flachen, überdachten Terrassen ihrer Bungalows, während die Kinder am Ufer Muscheln sammeln oder mit selbstgebauten Drachen in den starken Winden spielen, die vom offenen Meer herüberwehen. Für diejenigen, die es etwas abenteuerlicher mögen, gibt es einen Wanderpfad, der direkt durch die Dünen zur Nudistenkolonie Maustopf führt. Die Kolonie selbst ist ein in sich ruhendes Dorf, das für seine Offenheit und seine Verbundenheit mit der Natur bekannt ist. Wer den Weg dorthin findet, wird mit einem atemberaubenden Blick auf die Ostküste der Insel belohnt.
Die Bungalowsiedlung ist ein Ort der Gegensätze: lautlos im Winter, wenn die Stille nur vom Pfeifen des Windes durchbrochen wird, und lebendig im Sommer, wenn das Lachen der Kinder und das Klirren der Gläser vom Strandkiosk herüberschallen. Sie ist ein Ort, an dem man die Einsamkeit genießen oder in der Gemeinschaft aufblühen kann, ein Ort, an dem das Rauschen des Meeres zum ständigen Begleiter wird. Vielleicht liegt es an dieser einzigartigen Mischung aus Abgeschiedenheit und herzlicher Gastfreundschaft, dass so viele Gäste Jahr für Jahr zurückkehren. Sie kommen nicht nur wegen des schönen Strandes oder der kulturellen Veranstaltungen, sondern weil die Bungalowsiedlung etwas bewahrt hat, das in der hektischen Welt des 21. Jahrhunderts zunehmend verloren geht: die Kunst, in Ruhe zu genießen und den Moment zu leben.
Verkehrsverbindungen:
Straße: Straßen (S: Ritzin 5,5km, W: Grenzpunkt 5km); Dünenpfad nach Maustopf (N: 3,5 km)
Land: Insula
Landkreis: Stegstedt
Gemeinde: I-3010 Ritzin
Ort: I-3012 Bungalowsiedlung

