
(Pop.: 2.548 – 5m NN)
Wer Opera sucht, findet es dort, wo die Blumenthal-Ebene sanft zum Meer hin abfällt, genau zwischen dem Rauschen des Küstenwaldes im Westen und dem Glitzern der Sanddünen im Osten. 2.548 Menschen leben in diesem stillen Küstenort, der sich auf kaum fünf Metern über dem Meeresspiegel in die Landschaft schmiegt – und doch hat dieses Dorf mehr Geschichten zu erzählen, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Vielleicht liegt es an der salzigen Brise, die stets eine Prise Melancholie mit sich bringt, oder an dem besonderen Licht, das über der Novabucht hängt – Opera hat etwas, das Besucher nicht mehr loslässt.

Wer vom nahen Greifenfels über die B64 hereinkommt, dem fällt als Erstes der schlanke Turm der Holzkirche St. Peter ins Auge. Sie ist das unbestrittene Schmuckstück des Dorfes, ein Bauwerk aus dunklem, wettergegerbtem Holz, das mit seiner schlichten Eleganz an die alten Stabkirchen des Nordens erinnert. Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert errichtet, wie der alte Chronist Matthias Holstenius in seiner Dorfchronik vermerkt, und ihre Wände erzählen von einer Zeit, als die Holzfäller und Fischer von Opera hier ihre Zuflucht suchten. Drinnen ist es still und kühl, das Licht fällt durch schmale, hochliegende Fenster und taucht den Raum in ein warmes, goldenes Dämmerlicht. Die Gemeinde ist klein, aber regen Antrieb zeigt die ehrenamtliche Küsterin Greta Vogesen, die jeden Sonntag um zehn Uhr zum Gottesdienst lädt und im Sommer bei der Kirchenmusikreihe „Orgelklang am Meer“ die Bänke füllt.

Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt steht das älteste Gebäude des Ortes: das historische Fischerhaus „Alte Lände“. Ein gedrungenes, weißgetünchtes Haus mit rotem Ziegeldach, direkt am ehemaligen Anleger gelegen, wo heute nur noch die Möwen über das seichte Wasser schreien. Hier hat der Fischereiverein von Opera sein kleines Heimatmuseum eingerichtet, und wer durch die knarrende Tür tritt, betritt eine Welt vergangener Tage. Alte Netze hängen von der Decke, vergilbte Fotos zeigen die stolzen Fischer mit ihren Kähnen, und in einer Vitrine liegen Muscheln und Bernsteine, die der langjährige Sammler und ehemalige Bürgermeister Bernhard Kollwitz über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Kollwitz, der noch immer jeden Morgen an der Strandpromenade entlangschlendert, kann stundenlang von den Stürmen erzählen, die vor der Küste tobten, und von den reichen Fängen, die einst den Wohlstand des Dorfes begründeten.


Doch Opera wäre nicht Opera, wenn es nur in der Vergangenheit leben würde. Der breite, feinsandige Strand, der sich westlich des Ortes bis nach Sasnitz erstreckt, ist der Ort, an dem sich Moderne und Tradition begegnen. Hier sonnen sich die Gäste des familiengeführten Hotels „Seeblick“ in der Deichstraße 7, und hier, so erzählt man sich, hatte im Sommer 2021 die renommierte Regisseurin Maxime Robert ihren großen Moment. Sie drehte hier ihren gefeierten Film „Verloren am Strand“, eine melancholische Liebesgeschichte über eine Frauenstimme, die aus dem Nichts auftaucht und das Leben eines einsamen Leuchtturmwärters für immer verändert. Robert, die für ihre poetischen Bilder bekannt ist, ließ die gesamte Crew in Opera einquartieren – das Hotel „Seeblick“ diente als Hauptquartier, die Holzkirche St. Peter als Kulisse für eine entscheidende Trauungsszene, und die Dünenlandschaft östlich von Opera als Ort der großen Verzweiflung. Es heißt, sie habe den Einheimischen versprochen, für den Film einen Teil der Einnahmen in den Erhalt der „Alten Lände“ zu investieren – ein Versprechen, das sie bis heute hält.

Doch nicht nur die Filmkunst hat in Opera eine Heimat gefunden. Wer den Ort abseits der Touristenpfade erkundet, stößt auf eine überraschende Mischung aus ländlicher Idylle und High-Tech-Industrie. Am östlichen Ortsrand, versteckt hinter einer dichten Hecke aus wildem Rosen und Holunder, liegt der unscheinbare Firmensitz der CleanAir Technologies KG. Das Unternehmen, das sich auf hochentwickelte Luftreinigungstechnik spezialisiert hat, beschäftigt fast dreißig Ingenieure und Techniker – eine stattliche Zahl für ein Dorf dieser Größe. Gegründet wurde es von der ehemaligen Physikerin Dr. Cornelia Fanghänel, die nach ihrer Emeritierung aus der Forschung in ihre Heimat zurückkehrte und hier ein kleines Imperium aufbaute. Die Anlagen, die in Opera entwickelt werden, sollen angeblich in Krankenhäusern und Reinräumen in ganz Landauri zum Einsatz kommen, und es rankt sich das Gerücht, dass sogar das Institut für Energietechnik und Thermodynamik in Nova eine Kooperation mit den Operaer Tüftlern eingegangen ist, um neue Filtertechnologien für Kraftwerke zu testen. Das Institut selbst hat einen Ableger in Opera – ein kleines, aber feines Labor in der alten Dorfschule in der Schulstraße, das sich mit der Effizienz von Wärmepumpen in Küstenregionen beschäftigt. Der Leiter, Professor Dr. Albrecht Storm, ein stiller, bedächtiger Mann mit grauem Bart, ist eine feste Institution im Ort. Jeden Dienstag Abend hält er im Gemeindehaus einen Vortrag über erneuerbare Energien, und seine offene Sprechstunde am Freitagnachmittag ist legendär – nicht weil die Dorfbewohner so viel über Thermodynamik wissen wollen, sondern weil Storm der einzige Mensch in Opera ist, der den alten, klapprigen Kopierer im Gemeindehaus reparieren kann.

Kultur wird in Opera großgeschrieben, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mitten im Ort, an der Ecke Marktstraße / Am alten Brunnen, liegt das „Opera Kino“ – ein kleines, aber feines Filmtheater mit zwei Sälen. Der größere Saal fasst achtzig Plätze, der kleinere, ein ehemaliger Lagerraum, wurde liebevoll in einen gemütlichen Vorführraum mit zwanzig Sesseln umgebaut. Betrieben wird es von der Filmverrückten Esther Morgenstern, die das Kino vor fünf Jahren von ihrem Onkel übernahm. Sie zeigt nicht nur die aktuellen Blockbuster, sondern vor allem Klassiker, Independent-Filme und natürlich regelmäßig Maxime Roberts „Verloren am Strand“, den sie als ihren persönlichen Lieblingsfilm bezeichnet. Jeden ersten Samstag im Monat findet hier das „Opera Filmgespräch“ statt, bei dem Esther selbst durch den Abend führt und mit dem Publikum über die gesehenen Streifen diskutiert – ein kleines, aber feines Ritual, das weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt ist.

Das Leben in Opera aber spielt sich vor allem dort ab, wo die Luft nach Salz und gebratenem Fisch riecht. Die „Gaststätte Zur alten Lände“ am Hafenkai serviert den fangfrischen Kabeljau mit Kartoffeln und Specksoße, ein Gericht, das der Wirt Konrad Petersen nach dem Rezept seiner Großmutter zubereitet. Gegenüber, in der Strandstraße, hat vor zwei Jahren die junge Bäckerin Mira Soltmann ihre „Kleine Meerwunder-Bäckerei“ eröffnet, in der sie Brötchen mit Meersalz und getrockneten Algen backt – ein Geheimtipp für Frühaufsteher. Und wer es etwas gehobener mag, findet im Hotel „Seeblick“ nicht nur ein gemütliches Zimmer mit Blick auf die Dünen, sondern auch ein Abendmenü, das die Wirtin Helene Brandau mit viel Liebe zum Detail zusammenstellt. Brandau, eine temperamentvolle Frau mit rotem Haar, führt das Hotel bereits in dritter Generation und kennt jeden Gast beim Namen. „Bei uns ist jeder willkommen“, sagt sie gern, „und wer einmal da war, kommt wieder.“

Opera mag klein sein, aber es hat alles, was das Herz begehrt: einen Dorfladen, der von der freundlichen Erika Wenden geführt wird und fast alles führt, was man zum Leben braucht, eine Postagentur im selben Gebäude, und sogar eine kleine Zweigstelle der Kreis-Sparkasse Komerz, die jeden Vormittag geöffnet hat. Der Arzt Dr. med. Thomas Rennschuh, ein Zugezogener aus Nova, der der Hektik der Großstadt entflohen ist, praktiziert in der alten Villa am Lindenplatz und ist für seine ausführlichen Gespräche mit seinen Patienten bekannt. Und wenn am ersten Juli-Wochenende das alljährliche „Opera Fischerstechen“ stattfindet, bei dem sich die jungen Männer des Dorfes auf den alten Fischerkähnen messen, dann ist der ganze Ort auf den Beinen – ein Fest der Gemeinschaft, das an die alte Zeit erinnert, als das Meer noch der größte Arbeitgeber war.
Wer Opera besucht, sollte sich Zeit nehmen. Zeit für die Stille am Strand, für den Duft des Küstenwaldes, für das Gespräch mit den Menschen, die hier leben. Dieses Dorf ist kein Ort der Hektik, sondern ein Ort der kleinen Wunder – und vielleicht genau deshalb der perfekte Ort, um die Seele baumeln zu lassen.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: BZF113 stündlich 6:14–20:14 über Mule nach Bierona, 21:14 nach Mule; 6:56–20:56 über Bad Novamünde nach Nova, 21:56 nach Bad Novamünde
Straße: B64 (N: Greifenfels 4km); Küstenstraße (W: Sasnitz 15, O: Bad Novamünde 11km)
Land: Blumenland
Landkreis: Komerz
Gemeinde: B-5120 Opera

