(Pop.: 138 – 5m NN)

Man könnte meinen, Waldbad sei nur ein stilles Nest am Rande der Welt, doch wer diesen Irrglauben hegt, hat noch nie die Füße in den feinen, weißen Sand der Stegstedter Bucht gestellt. Das Dorf, mit seinen 138 Seelen das kleinste in der Gemeinde Buchtkap, liegt wie eine vergessene Perle direkt am Fuße eines steilen, bewaldeten Hangs, der sich vom Aglitzer Wald zur See hinabsenkt. Der Name ist Programm: Hier badet man nicht nur im Meer, sondern im Wald – denn das dichte Mischwald-Dickicht reicht fast bis an die Brandung, und der Duft von Kiefernnadeln und Salz vermischt sich zu einer eigenwilligen, belebenden Brise.

Die Anfahrt nach Waldbad ist bereits ein kleines Abenteuer. Von der Kreisstadt Aglitz führt die Straße durch den dichten Aglitzer Wald. Wer von Buchtkap kommt, dem sei die schmale, gewundene Straße ans Herz gelegt, die sich fünf Kilometer durch die Bäume schlängelt. An der nächsten Bahnstation in Aglitz hält die Vierstrandbahn, die Reisende aus der Hauptstadt Insula und den Küstenorten des Nordens bringt. Die letzte Meile aber muss man sich den Charme dieser Abgeschiedenheit selbst erwandern – oder mit dem Wagen erkunden, der am Ende der Straße auf einem kleinen, von Bäumen gesäumten Parkplatz zum Stehen kommt.

Dort, wo der Hang endet und das Land flach wird, breitet sich der Strand aus. Er ist das Herzstück des Dorfes, ein feinsandiger, von der Sonne verwöhnter Streifen, der fast ausschließlich den Badebetrieb des Ortes ausmacht. Die Fischerkutter, die hier vor Anker liegen, sind nicht nur Zeugen einer uralten Tradition; sie werden in einer kleinen, aber feinen Schiffswerft repariert, die sich hinter den Dünen versteckt. Der Geruch von Teer und Salz hängt über dem Trockendock, wo Mikkel Larsen, der alte Werftmeister, mit ruhigen Händen die Planken der Boote richtet. Er kennt jedes Brett und jede Geschichte, die sich an diesem Strand zugetragen hat. Seine Tochter, die junge Bootsbauerin Freja Larsen, hat sich auf die Restaurierung historischer Kutter spezialisiert und bringt frischen Wind in das alte Handwerk.

Die wahre Seele von Waldbad aber offenbart sich in seinen kulinarischen Schätzen. Die absolute Spezialität ist der „Waldbad-Lachs“, ein in Salzlake gepökelter und über heimischem Buchenholz kalt geräucherter Fisch, dessen zartes, leicht nussiges Aroma selbst eingefleischte Gourmets ins Schwärmen bringt. Man bekommt ihn im örtlichen Strandladen, der zugleich die kleine, aber feine Infrastruktur des Dorfes bildet. Hier, in dem niedrigen, blau gestrichenen Holzhaus direkt hinter der Düne, betreibt Elin Wiese nicht nur einen Imbiss, der mit Fischbrötchen und hausgemachten Kartoffelsalaten lockt, sondern auch einen kleinen Laden, der alles führt, was der Strandgast benötigt – von Sonnencreme bis hin zu Strickpullovern für die kühleren Abende. Elin ist die gute Seele des Ortes; sie weiß, wer gerade welchen Fisch gefangen hat und welcher Gast zum ersten Mal hier ist.

Das „Hotel zur Stegstedter Bucht“ (I-4181 Waldbad, Strandweg 1) ist ein weiß getünchter Bau mit grünen Fensterläden, der sich direkt am Strand erhebt. Die zehn Zimmer sind schlicht, aber mit viel Liebe zum Detail eingerichtet; fast alle bieten einen atemberaubenden Blick über das Meer. In der Gaststube serviert die Wirtin, Henriette Kampmann, abends ein wechselndes Menü, das stets den Fang des Tages in den Mittelpunkt stellt. Etwas zurückgezogener, am Rande des Waldes, liegt die „Pension Waldesruh“ (I-4181 Waldbad, Am Hang 3). Geführt von den Geschwistern Lars und Mette Vollertsen, ist sie ein Rückzugsort für alle, die die Stille und den Duft der Bäume suchen. Die fünf Gästezimmer sind von einer großen Terrasse umgeben, von der aus man den Sonnenuntergang über der Bucht beobachten kann – ein Schauspiel, das die Farben des Himmels im ruhigen Wasser der Stegstedter Bucht spiegeln lässt.

Unter den Gästen, die Jahr für Jahr wiederkehren, ist eine besonders auffällige Erscheinung: Nalin Jayawardena, eine Logopädin aus der Hauptstadt Insula. Sie kommt nicht des Badens wegen, auch wenn sie die erfrischende Wirkung des Wassers schätzt. Nalin ist fasziniert von der Ruhe, die sie hier findet – eine Ruhe, die sie in ihrer Arbeit mit Kindern mit Sprachstörungen oft vermisst. Sie sagt, der gleichmäßige Rhythmus der Wellen und das Rauschen des Waldes seien wie eine therapeutische Symphonie, die ihr hilft, neue Kraft zu schöpfen. Oft sitzt sie stundenlang am Strand, ein Notizbuch auf den Knien, und notiert Beobachtungen über die Melodie der Natur. Die Dorfbewohner haben sie längst in ihr Herz geschlossen; sie schätzen ihre leise, besonnene Art und ihre Geschichten aus der großen, hektischen Stadt jenseits der Bucht. Wenn sie nicht gerade am Strand sitzt, ist Nalin im „Strandladen“ von Elin Wiese anzutreffen, wo sie sich mit einem der legendären Waldbad-Lachsbrote und einem starken Tee stärkt.

Das Leben in Waldbad ist einfach, aber es ist ein Leben mit Tiefgang. Es gibt keine Kirche im Dorf – die nächste steht in Buchtkap – aber die Gemeinschaft findet sich auf andere Weise zusammen. Im Sommer, wenn die Tage lang und warm sind, wird am Strand ein gemeinsames Grillfest veranstaltet, bei dem die Fischer ihren Fang direkt aus dem Kutter auf den Rost legen. Dann sitzen Einheimische und Gäste bunt gemischt im Sand, die Gesichter vom Feuer und der untergehenden Sonne erleuchtet, und es wird erzählt, gesungen und gelacht. Es sind diese Momente der zwanglosen Gastfreundschaft, die Waldbad zu mehr machen als nur einem Ziel für Strandurlauber – es ist ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint und der Alltag der großen Welt in weite Ferne rückt.


Verkehrsverbindungen:
Straße: I-2 (O: Aglitz 3km); Straße durch den Aglitzer Wald (N: Buchtkap 5km)

LandInsula
LandkreisAglitz
Gemeinde: I-4180 Buchtkap
Ort: I-4181 Waldbad