(Pop.: 187 – 4m NN)

Wer die Nordküste Insulas entlang der Küstenstraße von Sternstrand kommend in Richtung Osten fährt, merkt bald, wie die sanften Dünen und die Weite des Meeres allmählich einem grüneren, bewaldeten Ufer weichen. Der Nördliche Küstenwald schiebt sich dicht an die Fahrbahn heran, seine Kronen werfen ein gesprenkeltes Licht auf den Asphalt, und dann, fast unvermittelt, öffnet sich eine Lichtung. Dahinter liegt Apos, ein kleines Dorf von 187 Seelen, vier Meter über dem Meeresspiegel, eingekuschelt zwischen dem rauschenden Wald und dem ruhigen Mare Internum.

Der Name Apos, so erzählt man sich im Dorf, geht auf einen alten Fischer zurück, der vor langer Zeit in einer stürmischen Nacht sein Boot verlor und am nächsten Morgen die Trümmer an dieser Küste wiederfand. Er soll ausgerufen haben: „Apo! Apo!“ – ein alter Ausruf der Verwunderung. Ob die Geschichte wahr ist, weiß niemand so genau. Die Ältesten lächeln nur, wenn man sie darauf anspricht, und verweisen auf die Kirche, die älter ist als jede schriftliche Erinnerung.

Tatsächlich ist es die kleine Feldsteinkirche, die das Herz des Dorfes bildet. Sie thront auf einer leichten Anhöhe, nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt, und ihr Bau aus dem 13. Jahrhundert ist ein Zeugnis jener Zeit, als die ersten Siedler sich hier niederließen. Was Besucher jedoch sofort in den Bann zieht, ist ihr Dachstuhl. Er besteht aus einem einzigen, über zwanzig Meter langen Eichenstamm, der einst als Treibholz an diese Küste gespült wurde. Niemand weiß genau, woher der Baum kam, doch die Holzfäller und Zimmerleute von Apos haben ihn damals mit solcher Meisterschaft bearbeitet, dass er bis heute das Gotteshaus überspannt. Pastor Lennart Voss, der seit nunmehr zwölf Jahren die Gemeinde betreut, erzählt gern, wie die Sonne an Sommerabenden durch das kleine Rundfenster über dem Altar fällt und den Raum in ein warmes, goldenes Licht taucht. Einmal im Monat findet hier ein Abendgebet bei Kerzenschein statt, zu dem sich die Dorfbewohner und auch Gäste aus den umliegenden Orten wie Helios oder Medra versammeln.

Was Apos jedoch von anderen Küstendörfern unterscheidet, ist die Treibholzverarbeitung. Das Dorf ist das Zentrum dieser Kunstfertigkeit an der gesamten Nordküste. In mehreren kleinen Werkstätten, die sich entlang der Hauptstraße reihen, wird aus den vom Meer angespülten Hölzern alles Mögliche gefertigt: Lampen, die in den Abendstunden ein sanftes Licht verbreiten, Schmuck aus polierten Holzstücken, der an feine Muscheln erinnert, und vor allem Kinderspielzeug – kleine Boote, Wagen und Figuren, die mit viel Liebe zum Detail geschnitzt werden. Die bekannteste dieser Werkstätten ist die von Gunnar und Solveig Hald, die ihre „Treibholz-Werkstatt Hald“ seit über dreißig Jahren betreiben. Gunnar, ein stiller Mann mit wettergegerbtem Gesicht, kennt jede Holzart am Geruch und an der Maserung. Er zeigt Besuchern gern, wie aus einem scheinbar wertlosen, von Salz und Sand zerfressenen Stück ein kleines Kunstwerk entsteht.

Der feinsandige Strand von Apos lädt zwar an heißen Sommertagen zum Baden ein und zieht dann Einheimische und Ausflügler aus Helios und Medra an, doch sein wahres Gesicht zeigt er bei der morgendlichen Flut. Das ganze Jahr über ist der Strand vor allem ein Ort des Sammelns. Früh am Morgen, wenn das Wasser sich zurückgezogen hat, sieht man die Bewohner mit Körben und Säcken über den Strand streifen, auf der Suche nach neuen Schätzen, die das Meer gebracht hat. Die Kinder lieben es, nach kleinen, glatt geschliffenen Stücken zu suchen, aus denen sie später in der Schule oder zu Hause ihre eigenen Figuren schnitzen. Die älteren Sammler kennen die Stellen, an denen das Meer nach starken Stürmen besonders viel Holz abwirft. Einer von ihnen ist Henrik Thomsen, ein ehemaliger Fischer, der heute jeden Morgen seinen Hund an der Leine führt und dabei unermüdlich die Strandlinie absucht.

Hinter dem Strand, etwas zurückgesetzt zwischen alten Bäumen, liegt die Bootswerkstatt „Holzsegel“. Hier baut Meisterin Elinor Bjerregaard traditionelle Holzsegler, die sie mit großer Geduld und Erfahrung nach alten Bauplänen fertigt. Ihre Kunden kommen aus dem ganzen Landkreis Aglitz, manche sogar aus der Hauptstadt. Elinor arbeitet oft bis in die Abendstunden, und wer vorbeischaut, kann den Duft von Teeröl und frischem Holz riechen, der aus der offenen Werkstatt weht.

Etwas weiter nördlich, direkt an der Kreuzung zur I-7, die nach Helios führt, hat die Installateurin Mireya Castillo ihren Betrieb. In ihrer kleinen Werkstatt repariert sie nicht nur Wasserleitungen und Heizungen, sondern hat sich auf die Installation von Regenwassernutzungsanlagen spezialisiert, die in den Küstenorten immer gefragter werden. Mireya ist eine Frau mit flinken Händen und einem offenen Ohr für die Sorgen ihrer Nachbarn. Sie kennt jedes Haus im Dorf, und wenn irgendwo ein Rohr bricht, ist sie oft schon da, bevor der Anruf beendet ist. Gegenüber, in einem alten, weiß getünchten Haus mit blauen Fensterläden, befindet sich die kleine Arztpraxis von Dr. med. Clara Vinter. Die Allgemeinmedizinerin, die vor fünf Jahren aus der Hauptstadt hierhergezogen ist, versorgt nicht nur die Einwohner von Apos, sondern auch die der umliegenden Dörfer. Ihre Praxis ist klein, aber gut ausgestattet. Wer hier hereinkommt, spürt sofort die Ruhe, die von Clara Vinter ausgeht. Sie nimmt sich Zeit für jeden Patienten, und oft sitzen die Leute nach der Untersuchung noch eine Weile im gemütlichen Wartezimmer, um bei einer Tasse Tee ins Gespräch zu kommen. Pflegefachkraft Bastian Kröll, ein junger Mann mit einem ruhigen Wesen, unterstützt sie dabei und macht regelmäßig Hausbesuche bei den älteren Bewohnern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

Das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes aber ist das „Café Glanzstück“. Tagsüber ein gemütliches Café mit selbstgebackenen Kuchen und feinem Kaffee, verwandelt es sich am Abend in einen Biergarten und eine Bar, in der frisch gegrillter Fisch serviert wird. Die Besitzerin, Frida Jørgensen, steht selbst am Grill und brät den Fang des Tages – meist Dorade oder Wolfsbarsch – mit einer geheimen Gewürzmischung, die sie von ihrer Großmutter übernommen hat. Die Terrasse des Cafés liegt geschützt hinter einer alten Steinmauer, und an lauen Sommerabenden sitzen die Gäste hier bis spät in die Nacht, trinken das helle „Aglitzer Plateau-Bier“ aus der nahen Kreisstadt und blicken auf das Meer. Die „Glanzstück-Nächte“ mit Live-Musik sind inzwischen weit über die Grenzen des Dorfes bekannt.

Wer länger bleiben möchte, findet im „Sternenregen Hotel“ eine Unterkunft. Das Hotel liegt etwas erhöht am südlichen Dorfrand und bietet einen atemberaubenden Blick über die Dächer von Apos hinweg auf das Mare Internum. Die Besitzer, ein älteres Ehepaar namens Ingrid und Magnus Lund, haben das Haus vor zwanzig Jahren liebevoll renoviert und führen es mit viel Herz. Die Zimmer sind hell und freundlich, einige mit kleinen Balkonen, von denen aus man den Sonnenuntergang beobachten kann. Im Winter wird im Kaminzimmer ein wärmendes Feuer entzündet, und Ingrid Lund erzählt dann gern Geschichten von früheren Zeiten, als das Dorf noch ganz von der Fischerei lebte.

Apos ist gut an das Verkehrsnetz angebunden. Die Vierstrandbahn (IB121) hält stündlich an der kleinen Bahnstation am östlichen Ortsausgang. Von hier aus geht es in gut einer Stunde nach Aglitz oder weiter bis in die Hauptstadt Insula. Wer in die andere Richtung fährt, gelangt über Venna nach Vierstrand. Direkt am Bahnhof befindet sich ein kleiner Imbiss, der von der Familie Kovacs betrieben wird und für seine deftigen Fleischpasteten bekannt ist. Gegenüber liegt die „Pension am Gleis“ von Marlene und Torben Asmussen, eine einfache, aber saubere Unterkunft mit fünf Gästezimmern, die vor allem von Wanderern und Radfahrern geschätzt wird. Die Straßenverbindungen sind ebenfalls gut: Die I-7 führt in wenigen Kilometern nach Helios, dem Zentrum des Obstanbaus, wo man im Herbst den süßen „Helioser Sonnentropfen“ probieren kann. Nach Westen gelangt man über die Küstenstraße in etwa acht Kilometern nach Sternstrand, einem stillen Ort mit einem weißen Sandstrand und einer legendären Swingnacht. Nach Osten sind es nur drei Kilometer bis nach Medra, einem etwas größeren Dorf mit 303 Einwohnern, das ebenfalls an der Küste liegt. Und wer Lust auf eine höhere Wanderung hat, fährt südlich ins Landesinnere nach Felsenfeld, das auf 261 Metern Höhe mit seiner alten Windmühle und den Buchweizenfeldern lockt.

Apos ist ein lebendiger Ort. Die Bewohner, eine Mischung aus alteingesessenen Familien und Zugezogenen, die die Ruhe und die Nähe zur Natur schätzen, halten zusammen. Es gibt einen kleinen Gemüseladen, der von der Familie Moreno betrieben wird und fast alles führt, was man für den täglichen Bedarf braucht. Einmal pro Woche, am Donnerstagvormittag, findet auf dem kleinen Platz vor der Kirche ein Markt statt, bei dem die Bauern aus Helios ihre Äpfel und Birnen anbieten und die Bäckerin aus Medra ihr frisches Brot. Das Dorfleben wird von den Jahreszeiten bestimmt. Im Frühling, wenn der Wald zu blühen beginnt und die ersten Treibholzstücke am Strand liegen, feiern die Bewohner das „Erwachen des Meeres“ mit einem kleinen Fest am Ufer. Im Sommer stehen die Badegäste und die Abende im Café Glanzstück im Vordergrund. Der Herbst gehört der Ernte und der Vorbereitung auf die stürmischere Jahreszeit, und im Winter, wenn die Vierstrandbahn ihre Wagen durch die verschneite Landschaft zieht, wird es ruhig in Apos. Dann sitzen die Menschen in den warmen Stuben, und die Werkstätten rauchen, während das Holz für die nächste Saison geschnitzt wird. Apos ist ein Ort zum Ankommen, zum Durchatmen und zum Staunen über die kleinen Dinge – über ein Stück Holz, das das Meer gespült hat, über den Klang der Glocke aus dem 13. Jahrhundert und über das Licht, das am Abend über dem Mare Internum versinkt.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Vierstrandbahn (IB121) stündlich 7:14-21:14 über Aglitz nach Insula, 22:14 nach Aglitz, 6:41-20:41 über Venna nach Vierstrand, 21:41 nach Venna
Straße: I-7 (S: Helios 4km); Küstenstraße (W: Sternstrand 8km, O: Medra 3km)

LandInsula
LandkreisAglitz
Gemeinde: I-4210 Apos