(Pop.: 303 – 7m NN)

Wer die Nordküste Insulas bereist, sollte sich nicht nur von den bekannteren Orten wie Aglitz oder dem beschaulichen Sternstrand locken lassen. Denn nur wenige Kilometer östlich von Apos, eingebettet zwischen dem Nördlichen Küstenwald und den ersten grasbewachsenen Hängen des Insulagebirges, liegt Medra – ein Dorf, das auf den ersten Blick überschaubar wirkt, aber bei näherem Hinsehen eine überraschende Fülle an Geschichten und Eigenheiten offenbart.

Mit seinen 303 Einwohnern ist Medra das Zentrum der Fischerei an der gesamten Nordküste. Was jedoch sofort ins Auge fällt, ist der kleine, aber geschäftige Hafen, der eine Flotte von etwa einem Dutzend Kuttern beherbergt. Schon in den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel über dem Mare Internum noch dicht hängt, kehren die Boote zurück, und der Geruch von Salz und frischem Fang liegt in der Luft. Das Herzstück dieser Fischereitradition ist die „Räucherei Kramer“ im Ort, wo die berühmte Medra-Makrele und der sogenannte Klippenfisch – ein fester, wohlschmeckender Dorsch – über Buchenholz kalt geräuchert werden. Die Familie Kramer betreibt das Handwerk bereits in der dritten Generation, und wer das Glück hat, die Räucherkammer zu betreten, wird von einem Aroma empfangen, das so unverwechselbar ist wie die Küste selbst.

Doch Medra wäre nicht Medra, würde man nur an den Hafen denken. Südlich des Dorfes, direkt an der Straße, die hinauf nach Ishkar führt, erstrecken sich die Weinberge, die den Nordhang des Insulagebirges in ein sanftes Grün tauchen. Hier, auf etwa 150 Metern Höhe, reifen die Trauben für den „Weingarten am Nordhang“, ein kleines, aber feines Ausflugsziel, das nur in den Sommermonaten und im Frühherbst seine Pforten öffnet. Die Besitzerin, Elara Voss, eine Winzerin mit leidenschaftlicher Hingabe für ihre Reben, serviert in ihrem schlichten Holzschuppen zwischen den Rebstöcken die Weine des vergangenen Jahrgangs – begleitet von einer Scheibe des kräftigen, dunklen Brotes, das die Bäckerei „Zum goldnen Korn“ in Aglitz liefert. Von hier oben hat man einen weiten Blick über die Dächer Medras bis hin zum schimmernden Mare Internum, und es ist kein Wunder, dass dieser Ort bei Einheimischen und Reisenden gleichermaßen beliebt ist.

Der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens ist jedoch die kleine Dorfkirche, ein schlichter, aber gepflegter Bau aus hellem Feldstein, der im 18. Jahrhundert von den Fischern errichtet wurde. Ihr quadratischer Glockenturm ist weithin sichtbar, und ihr Inneres duftet nach altem Holz und Kerzen. Was diese Kirche jedoch besonders macht, ist eine Tradition, die weit über das übliche Gemeindeleben hinausgeht. Jeden Freitagabend laden Pastor Finnian Cole und seine Gemeinde zu einer Feier am Strand ein. Es werden Brot, der geräucherte Fisch aus der Räucherei Kramer und ein Schluck Wein aus den Hängen oberhalb von Ishkar geteilt. Im Sommer, wenn die Abende lau sind, wird nach dem gemeinsamen Mahl auch gebadet – ein fröhliches, fast archaisches Ritual, das die Verbundenheit der Menschen mit dem Meer und untereinander zelebriert.

Direkt am Strand, mit Blick auf die untergehende Sonne, liegt das Restaurant Mare di Sera. Hier kocht Köchin Martina Russo mit einer leichten, mediterranen Hand, die perfekt zu den frischen Fängen des Tages passt. Die Terrasse des Restaurants ist im Sommer der Ort, an dem man sitzen und den Wellen lauschen kann, während Kellner Ethan Collins mit einem trockenen Witz und einem immer vollen Krug des Aglitzer Plateau-Biers die Gäste bedient. Ethan ist eine Institution in Medra – er kennt nicht nur jeden Stammgast beim Namen, sondern auch die beste Geschichte zu jedem Gericht auf der Karte.

Etwas abseits, gegenüber vom Bahnhof und mit freiem Blick auf den Strand, befindet sich ein Gebäude, das auf den ersten Blick fehl am Platz wirkt: das Institut für Künstliche Intelligenz. Dass ausgerechnet hier, in einem Dorf mit 303 Einwohnern, an den Algorithmen von morgen geforscht wird, mag überraschen. Die Einrichtung, die der gebürtige Medraner Dr. Elias Kohler vor zehn Jahren ins Leben rief, beschäftigt ein knappes Dutzend Wissenschaftler und hat sich auf die KI-gestützte Auswertung von Meeresdaten spezialisiert – eine Verbindung von Hochtechnologie und lokaler Fischereitradition, die so typisch für die moderne Gesellschaft Landauris ist.

Der Bahnhof von Medra selbst ist eine kleine Besonderheit. Die Vierstrandbahn (IB121) hält hier stündlich und verbindet das Dorf mit Aglitz, der Hauptstadt Insula und im Osten mit Venna und Vierstrand. Doch der ehemalige Güterschuppen am Bahnsteig beherbergt heute eine liebevoll gestaltete Modelleisenbahnanlage. Rentner Henrik Lund, ein ehemaliger Lokführer, hat hier in jahrelanger Arbeit die gesamte Nordküste Insulas im Maßstab 1:87 nachgebaut – inklusive der kleinen Siedlung „Strand“, die sechs Kilometer östlich von Medra liegt und mit ihren elf Einwohnern die kleinste Ortschaft des Landkreises ist. Die Anlage ist ein Geheimtipp für Eisenbahnfans und ein lebendiges Zeugnis der Begeisterung, die die Vierstrandbahn bei den Menschen hier auslöst.

Das handwerkliche Rückgrat des Dorfes bildet der Betrieb Sanitärbau Wasserwabe, geführt von Meisterin Greta Wasserwabe. Ihr Unternehmen ist weit über die Grenzen Medras bekannt für seine kreativen Lösungen in der Wasser- und Abwassertechnik – ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor in einer Region, die von der Fischerei lebt. Und wenn einmal ein Motor der Fischerkutter streikt, ist Mechanikerin Yara Stein die gefragte Ansprechpartnerin. In ihrer kleinen Werkstatt am Hafen kennt sie sich mit jedem Dieselaggregat aus und ist dafür bekannt, dass sie auch in den hektischsten Momenten einen kühlen Kopf bewahrt.

Medra ist ein Ort, der mit leiser, aber beständiger Stimme spricht. Ein Dorf, das lebt und arbeitet, das feiert und sich nicht verbiegt – ein Ort, an dem Moderne und Tradition sich die Hand reichen, ohne dass es einer großen Ankündigung bedarf. Wer die Ruhe der Nordküste sucht, den Duft von Buchenholzrauch und salziger Meeresluft liebt und die Gastfreundschaft einer kleinen, aber weltoffenen Gemeinschaft schätzt, der wird in Medra sein Glück finden. Und vielleicht, so sagt man sich, ist genau das der eigentliche Zauber dieses Ortes: dass er einem das Gefühl gibt, an einem Ort anzukommen, der noch ganz bei sich selbst ist.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Vierstrandbahn (IB121) stündlich 7:08-21:08 über Aglitz nach Insula, 22:08 nach Aglitz, 6:47-20:47 über Venna nach Vierstrand, 21:47 nach Venna
Straße: I-9 (S: Ishkar 3,5km); Küstenstraße (W: Apos 3km, O: Strand 6km)

LandInsula
LandkreisAglitz
Gemeinde: I-4160 Medra
Orte: I-4160 Medra, I-4161 Strand