
(Pop.: 11 – 7m NN)
Sechs Kilometer östlich von Medra, dort wo der Nördliche Küstenwald sich unmittelbar an die Uferlinie des Mare Internum schmiegt und seine knorrigen Kiefern bis fast an den feinsandigen Strand heranwachsen, liegt ein Ort, der in der amtlichen Statistik des Landkreises Aglitz schlicht als „Strand“ geführt wird. Die Bezeichnung ist denkbar nüchtern für eine Siedlung, die auf den ersten Blick wie eine einzige, große Verheißung wirkt: ein halbrunder, feinsandiger Strand, gesäumt von einer dichten Kiefernreihe, hinter der sich ein Dutzend einfacher Hütten aneinanderreiht. Elf Menschen leben hier ganzjährig, doch in den Sommermonaten pulsiert das Leben in dieser kleinen Siedlung auf eine sanfte, fast vergessene Art.
Die Geschichte des Ortes ist so schlicht wie seine Bebauung. Entstanden ist „Strand“ als eine Art Außenposten der Medraner Fischer, die hier ihre Boote bei günstigem Wind auf den Sand zogen und in primitiven Unterständen ihre Netze trockneten. Die heutigen Hütten, die meisten aus grauem, wettergegerbtem Holz gefügt, sind aus diesen Lagern hervorgegangen. Sie dienen immer noch als Lager für Ausrüstung, doch einige sind zu einfachen, aber gemütlichen Sommerhäusern umgebaut worden. Wer hier wohnt, gehört zur Gemeinde Medra und ist Teil jener überschaubaren Welt, die sich um die Räucherei Kramer und den kleinen Hafen dreht. Der Weg dorthin führt über die schmale Küstenstraße, die von Medra im Westen nach Andra im Osten verläuft – hinter dem Küstenwald steigt das Gelände sanft an, und die Weiden und Obstwiesen am Nordhang des Insulagebirges sowie die vereinzelten Weinberge sind von hier aus als grüne, sanfte Erhebungen am Horizont zu erkennen.

Wer nicht mit dem eigenen Wagen unterwegs ist, erreicht „Strand“ bequem mit der Vierstrandbahn (Linie IB121). Der Zug hält hier allerdings nur auf Verlangen – es ist ein Bedarfshalt, einer jener stillen Haltepunkte, an denen der Schaffner bei Einfahrt prüft, ob jemand einsteigen will, und der Zug nur dann stoppt, wenn ein Fahrgast am Bahnsteig steht oder zuvor die Klingel betätigt hat. Der hölzerne Unterstand, der als Wartehäuschen dient, ist kaum mehr als ein Wetterschutz, aber er ist der einzige feste Bau außerhalb der Hütten und ein stiller Zeuge der vielen Ankömmlinge, die hier mit leichtem Gepäck und Vorfreude auf das Meer aussteigen.
Der eigentliche Grund, warum die Menschen hier aussteigen, ist der Strand selbst. Er ist nicht übermäßig breit, aber er erstreckt sich über fast einen Kilometer in sanftem Bogen und fällt nur langsam zum Wasser hin ab. Das Wasser des Mare Internum ist hier flach und klar, und da die Siedlung windgeschützt hinter einer kleinen Dünenkette liegt, ist es auch bei leichtem Wetter ruhig – die Strömungen sind schwach, von nennenswerten Gezeiten ist hier kaum etwas zu spüren, das Wasser steht fast reglos, nur sanft gekräuselt vom Wind. Das macht ihn zu einem idealen Ort für Familien mit kleinen Kindern, aber auch für jene, die einfach nur die Stille suchen, die sich hier zwischen dem Rauschen der Wellen und dem Wispern der Kiefern ausbreitet.

Das kulinarische Herz des Ortes ist der „Strand-Imbiss zur Boje“, den Lena Kamphausen und ihr Mann Benno vor knapp zehn Jahren aus einer alten Fischerhütte gezimmert haben. Die kleine Holzbude mit der verwitterten, rot-weißen Markise liegt direkt hinter der Düne, nur wenige Schritte vom Wasser entfernt. Hier gibt es nicht die große Gourmetküche, sondern das, was man nach einem langen Tag am Meer braucht: heiße, geräucherte Makrelen aus Medra, die Lena in einem kleinen Holzofen aufwärmt, dazu ein Stück Bauernbrot und ein Klecks hausgemachter Kräuterbutter. Benno, ein gelernter Fischer, der seine Seele an den Strand verloren hat, brät außerdem an den Wochenenden fangfrischen Klippenfisch in der Pfanne – ein Dorsch, der so zart ist, dass er auf der Zunge zergeht. Die Speisekarte ist kurz, aber das, was angeboten wird, ist von einer schlichten Perfektion, die man nur hier findet. Dazu gibt es kühles Aglitzer Plateau-Bier aus der Brauerei „Zum goldenen Anker“ oder, für die Besucher, die es lieber fruchtig mögen, den herben Sanddorn-Likör aus der Genossenschaft in Sternstrand.

Die kleinen Hütten sind denkbar einfach gehalten, aber sie haben ihren eigenen, rustikalen Charme. Drei von ihnen werden von den Einwohnern von Medra als Gästezimmer vermietet – eine unkomplizierte Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer, die den Küstenwald durchqueren, oder für Angler, die früh am Morgen ihre Leinen auswerfen wollen. Die bekannteste dieser Unterkünfte ist die „Hütte am Steg“ von Torben und Maren Asmussen. Das Ehepaar, beide Mitte sechzig, hat seine Fischerhütte liebevoll ausgebaut: Es gibt eine kleine Kochnische, einen Ofen und ein Fenster, das direkt aufs Meer blickt. Die Vermietung ist eine Sache auf Vertrauensbasis – wer hier übernachtet, wird meist von Maren am nächsten Morgen mit einem selbst gebackenen Brötchen und einem Glas Sanddornsaft verabschiedet.
Das Leben in der Siedlung ist einfach und folgt einem ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus. Die elf ganzjährigen Bewohner – darunter der pensionierte Lokführer Henrik Lund, der in Medra die Modelleisenbahnanlage betreut, und die Mechanikerin Yara Stein, die gelegentlich für die Fischerkutter in Medra ausrückt – bilden eine verschworene Gemeinschaft. Die meiste Zeit des Jahres herrscht hier die große Stille. Man hört die Möwen, das Knacken der Kiefernäste im Wind und das gleichmäßige Atmen des Meeres. Im Sommer jedoch, wenn die Züge der Vierstrandbahn häufiger gefüllt sind und die Gäste aus Aglitz und der Hauptstadt Insula anreisen, erwacht der Ort zu einem lebhaften, aber nie hektischen Treiben. Dann stehen die Tische des „Strand-Imbiss zur Boje“ voll, Kinder bauen Sandburgen, und abends, wenn die Sonne im Meer versinkt, zündet Benno Kamphausen ein kleines Lagerfeuer an der Düne an – ein stilles Ritual, das den Tag beschließt. „Strand“ ist ein Ort, den man besucht, um anzuhalten, um den Blick über das ruhige Wasser schweifen zu lassen und den Duft von Kiefern und Salz einzuatmen. Es ist ein Fleck Erde, der sich nicht verstellt, und genau das macht ihn zu einem der besonderen Plätze an der Nordküste Insulas.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Vierstrandbahn (IB121) stündlich 7:01-21:01 über Aglitz nach Insula, 22:01 nach Aglitz, 6:54-20:54 über Venna nach Vierstrand, 21:54 nach Venna – Bedarfshalt
Straße: Donaer Weg (SW: Dona 11km); Küstenstraße (W: Medra 6km, SO: Andra 9km)
Land: Insula
Landkreis: Aglitz
Gemeinde: I-4160 Medra
Ort: I-4161 Strand

