(Pop.: 214 – 99m NN)

Wer die B37 von Ishkar kommend in Richtung Süden befährt, durchquert eine Landschaft aus sanft geschwungenen Hügeln, die sich in ein Meer aus saftigem Grün verlieren. Kurz bevor die Straße ihren Bogen nach Süden nimmt, liegt eingebettet in diese weite Acker- und Weidefläche das Dorf Hama. Mit seinen 214 Einwohnern wirkt es wie ein stiller Mittelpunkt der hügeligen Welt des Landkreises Aglitz. Die grasbewachsenen Hänge ringsum sind nicht nur malerisch, sie sind die Lebensgrundlage des Ortes: Seit Generationen wird hier Schafzucht betrieben, und die Tiere, die über die sanften Erhebungen ziehen, liefern die Wolle für ein Handwerk, das Hama weit über die Grenzen der Insel Insula bekannt gemacht hat.

Herzstück dieser Tradition ist die „Hamaer Wollweberei“, ein Betrieb, der in einer alten Scheune am nördlichen Ortsrand untergebracht ist. Hier verarbeitet man die Wolle der örtlichen Herden zu dicken Decken, weichen Schals und schweren Wandteppichen, die in der gesamten Insel verkauft werden. Wer durch die offene Tür einen Blick in die Werkstatt wirft, sieht die großen Webstühle in rhythmischer Bewegung und riecht das sanfte Aroma von Schafwolle und Holz. Direkt gegenüber, in einem kleinen, von einer Hecke umgebenen Gebäude, befindet sich die Töpferei, die den sandigen, rötlichen Ton der Umgebung zu Gebrauchskeramik und schlichtem, aber schönem Zierrat formt. Etwas weiter südlich, wo das Gelände zum Feuchtgebiet hin abfällt, ist die Korbflechterei zu Hause; hier verarbeitet man die biegsamen Weiden, die am Ufer des kleinen Baches gedeihen, zu Körben und Flechtwerken, die ebenso praktisch wie kunstvoll sind. Und dann ist da noch der Handwerksbetrieb „Der Teppichtraum“, eine kleine, aber feine Manufaktur, die sich auf die aufwendige Herstellung von Bildteppichen spezialisiert hat und deren Werkstücke in den gutbürgerlichen Häusern der Umgebung hängen.

Das kulinarische Aushängeschild von Hama ist jedoch sein Schafskäse. Der „Hamaer Schafskäse“ ist ein fester Weißkäse, der in Salzlake reift und mit seiner würzigen, leicht salzigen Note jeden Gaumen erfreut. Die Gaststätte „Zum Sonnenhang“ an der Hauptstraße hat ihn ebenso auf der Speisekarte wie ihre berühmte Kürbissuppe mit gerösteten Kernen, die in den kühleren Monaten wahre Wärme spendet. Für eine exotischere Note sorgt die vegane Süßkartoffel-Kokossuppe, ein Gericht, das der Küche des Hauses eine moderne, erfrischende Note verleiht. Zum Durstlöschen reicht der Wirt einen kräftigen Rum Punch, dessen Rezept ein wohlgehütetes Geheimnis der Familie ist.

Das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes ist die kleine Kirche, ein schlichter, aber wunderschön proportionierter Bau aus hellem Bruchstein mit einem hölzernen Glockenturm, der sich fast zierlich über das Dorf erhebt. Ihr Innenraum ist von einer warmen, stillen Atmosphäre erfüllt; das Licht fällt durch schmale, bleiverglaste Fenster und taucht die schlichten Holzbänke in ein sanftes Leuchten. Hier werden nicht nur die sonntäglichen Gottesdienste gefeiert, die von einem kleinen, aber hingebungsvollen Chor begleitet werden. Die Kirche ist auch der Ort, an dem die Gemeindefeste stattfinden, etwa das alljährliche Erntedankfest, bei dem die Flure mit den Gaben der Felder und Gärten geschmückt werden.

Das Leben in Hama wird von Menschen geprägt, die ihre Wurzeln in der Arbeit und der Gemeinschaft haben. Da ist Camille Petit, die Tierpflegerin, die sich mit Hingabe um die Schafherden kümmert. Wenn sie nicht auf den Weiden unterwegs ist, widmet sie sich ihrer Leidenschaft, dem Urban Gardening, und hat hinter ihrem Haus ein kleines Paradies aus Kräutern und Gemüsebeeten geschaffen, das jeden Besucher in seinen Bann zieht. Ihr Gegenstück ist Lukas Meyer, der Hausmeister, ein Mann mit einem Faible fürs Häkeln, der in seiner Freizeit kunstvolle Decken und Muster entwirft. Wenn der Schnee in den Bergen des Zentralmassivs ruft, tauscht er seine Häkelnadel gegen das Snowboard und fährt für ein langes Wochenende nach Dalarne.

Für die medizinische Grundversorgung sorgt die kleine Apotheke am Dorfplatz, die von der freundlichen Apothekerin Frau Dr. Elara Weigert geführt wird. Ihr Ladengeschäft ist jedoch weit mehr als ein Ort für Arzneien: Die Regale aus hellem Holz sind gefüllt mit Milch, Eiern, Brot und regionalem Obst, daneben stehen Gläser mit selbst eingelegtem Gemüse und Honig von den umliegenden Höfen. In der Ecke beim Fenster stapeln sich Zeitungen, Zeitschriften und Hefte, und an der Theke hängt ein handgeschriebener Zettel, der die aktuellen Angebote der Woche verkündet – mal sind es frische Kräuter aus Camille Petits Garten, mal ein paar selbstgehäkelte Topflappen von Lukas Meyer, die er hier zum Verkauf anbietet. Wer nach einer Packung Hustensaft fragt, bekommt oft auch gleich einen Ratschlag für einen Tee aus der eigenen Kräuterkiste dazu, und für die Kinder hat Frau Weigert stets ein paar Bonbons oder kleine Überraschungen in der Schublade. Die Apotheke ist damit der heimliche Treffpunkt des Dorfes, ein Ort, an dem man sich begegnet, plaudert und erfährt, was im Nachbarhaus gerade los ist – ein kleines Universum des täglichen Bedarfs, eingebettet in den sanften Rhythmus der Hügel.


Verkehrsverbindungen:
Straße: B37 (NW: Ishkar 7km, S: Wum 16km); I-4 (W: Dona 6km, O: Andra 8km)

LandInsula
LandkreisAglitz
Gemeinde: I-4200 Hama