
(Pop.: 1.542 – 67m NN)
Die 1.542 Einwohner des Dorfes, das sich auf 67 Metern über dem Meeresspiegel in der weiten Blumenthal-Ebene westlich von Nova ausbreitet, haben ein stilles Einvernehmen mit der umgebenden Landschaft geschlossen. Ringsum nichts als Felder, die im Sommer wie ein goldgrünes Meer im Wind wogen, unterbrochen nur von den dunklen Silhouetten kleiner Wäldchen. Papiermühle liegt im Herzen des Landkreises Komerz, und man spürt es: Hier ist man weit weg vom Trubel der Hauptstadt, auch wenn die Gleise der Stammbahn das Dorf mit der großen weiten Welt verbinden.
Der Ortsname ist Programm – und zugleich ein kleines Rätsel. Denn eine Papiermühle hat es hier, solange sich die ältesten Bewohner erinnern können, nie gegeben. Manche vermuten, der Name gehe auf eine längst verschwundene Mühle zurück, in der ein findiger Müller im 17. Jahrhundert tatsächlich einmal Papier schöpfte – aus den Fasern des nahen Cedar Shade, wie die Chroniken der Gemeinde behaupten. Andere wiederum halten das für eine Legende und deuten den Namen als Verballhornung von „Pfaffenmühle“, einer Mühle, die einst dem Kloster in Kurzhausen gehörte. Gewiss ist nur, dass der Name haftet wie das feine Mehl, das in den Windmühlen der Umgebung gemahlen wird.

Das Herz des Dorfes aber ist nicht die Mühle, sondern das Landschloss. Es steht am östlichen Ortsrand, ein stattlicher Bau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der heute als gehobenes Hotel mit regionaler Küche dient. Wo einst der örtliche Adel Hof hielt, logieren heute Gäste aus Nova und Bierona, die die Stille der Blumenthal-Ebene suchen. Das Schloss ist von einem kleinen Park umgeben, in dem alte Linden stehen, und von der Terrasse aus blickt man über die Felder bis zum Cedar Shade. Die Küche des Hotels, unter der Leitung von Küchenchef Benedikt Auer, hat sich einen Namen gemacht: Sie verarbeitet, was die Felder und Wälder der Umgebung hergeben – Wild aus dem Florica-Wald, Gemüse von den Höfen der Region und den berühmten Whisky aus der Kreisstadt Komerz.

Gegenüber dem Schloss, nur einen Steinwurf entfernt, erhebt sich die Dorfkirche St. Michael. Sie ist ein schlichter, aber eindrucksvoller Bau aus hellem Sandstein, erbaut im frühen 19. Jahrhundert anstelle einer kleineren Vorgängerkirche. Ihr schlanker, weiß verputzter Turm ist weithin sichtbar und dient den Wanderern im Cedar Shade als Orientierungspunkt. Das Besondere aber ist ihr Innenraum: Eine hölzerne Kassettendecke, die von einem unbekannten Meister aus dem nahen Wittstock geschnitzt wurde, spannt sich über die Bänke, und das Licht fällt durch hohe, schmale Buntglasfenster, die Szenen aus dem Leben des Erzengels Michael zeigen. Der Legende nach soll der Papiermühler Baumeister Konrad Harrer bei der Errichtung des Turmes auf eine unterirdische Quelle gestoßen sein – weshalb der Grundstein der Kirche heute auf einem feuchten Fels ruht, und im Sommer ein kühler Hauch aus dem Altarraum strömt. Pfarrerin Dr. Martina Schönborn, eine gebürtige Komerzerin, die nach ihrem Studium in Nova in ihr Heimatdorf zurückkehrte, feiert hier jeden Sonntag um zehn Uhr einen Gottesdienst, der für seine besinnlichen Predigten bekannt ist. Die Gemeinde ist lebendig: Die Frauenhilfe trifft sich dienstags im Gemeindehaus, und der Kirchenchor, geleitet von Kantor Thomas Riedel, singt nicht nur zu den hohen Festtagen – sein Weihnachtskonzert zieht Besucher aus dem gesamten Landkreis an.

Was Papiermühle jedoch wirklich auszeichnet, ist sein Handwerk. Der Cedar Shade, ein etwa fünf mal sieben Kilometer großes Waldstück drei Kilometer westlich des Dorfes, liefert das Holz – und die Papiermühler machen Kunst daraus. In einer Reihe kleiner Betriebe am nördlichen Ortsrand entstehen kunstvolle Möbel und feine Drechselarbeiten aus dem Holz der umliegenden Wälder. Die Werkstatt von Simon Treutler ist die bekannteste. Er und seine sechs Gesellen fertigen Tische und Stühle, deren Maserung wie gemalt wirkt, und erzählen jedem Besucher, der hereinschaut, dass das Holz aus dem Cedar Shade das beste der ganzen Region sei – fester und duftender als jedes andere.

Ein paar Häuser weiter betreibt die Familie Falk die „Cedar Manufaktur“, die sich auf Schalen, Schüsseln und figürliche Schnitzereien spezialisiert hat. Ihre Arbeiten sind bis nach Nova bekannt und werden im Schlosshotel ebenso geschätzt wie auf den Kunsthandwerkermärkten der Region. Wer das Glück hat, darf den Drechslermeister Karl Falk sogar über die Schulter schauen, wenn er an seiner alten Drechselbank steht und aus einem Stück Cedernholz eine Schale formt – ein hypnotischer Vorgang, bei dem die Späne wie goldene Locken zu Boden fallen.

Auch die Meteorologin Isabella Kim hat sich in Papiermühle niedergelassen, was auf den ersten Blick verwundert. Doch sie schätzt die klare Luft der Blumenthal-Ebene, die für ihre Messungen ideal ist, und die Ruhe, die sie zum Schreiben ihrer wissenschaftlichen Arbeiten braucht. Von ihrem Häuschen am südlichen Ortsrand aus beobachtet sie das Wetter über den Feldern und dem Cedar Shade – und die Papiermühler schätzen ihre Vorhersagen, die oft genauer sind als die der großen Institute in Nova.

Das öffentliche Leben in Papiermühle konzentriert sich auf die Dorfstraße, die von der Kirche bis zum alten Bahnhof verläuft. Hier liegt der „Krämerladen“ von Elke Brenner, ein Dorfladen, der alles führt, was das Herz begehrt – von frischem Brot aus der Bäckerei Wagner bis hin zu Wolle und Knöpfen für die Strickabende der Frauenhilfe. Gegenüber, im „Gasthof zur alten Mühle“, führt Wirtin Greta Sommerfeld die Tradition der bürgerlichen Küche fort. Ihr Sauerbraten mit Klößen ist in der gesamten Umgebung berühmt, und an Sommerabenden sitzen die Gäste unter der alten Kastanie im Hof und blicken auf die Felder, während der Duft von Braten und Bier herüberweht. Wer es gehobener mag, findet im Schlosshotel nicht nur Übernachtung, sondern auch ein Feinschmecker-Restaurant, das regionale Produkte in moderner Interpretation serviert.

Die Papiermühler sind ein fleißiges Volk, aber sie wissen auch zu feiern. Das größte Fest des Dorfes ist das alljährliche „Cedar-Fest“ im September, bei dem die Handwerker ihre neuesten Arbeiten präsentieren, die Feuerwehr – unter der Leitung von Wehrführer Jürgen Aust – ein Zelt aufbaut und die gesamte Dorfgemeinschaft bei Musik und Tanz bis in die Nacht feiert. Dann ist Papiermühle für einen Tag der Mittelpunkt des Landkreises, und Besucher aus Wittstock, Eierbach und Zooheim strömen herbei, um die Kunst der Drechsler zu bewundern und den berühmten Kuchen der Bäckerei Wagner zu kosten.
Am östlichen Ortsausgang, wo die L7 nach Eierbach führt, liegt das kleine, aber moderne Gemeindezentrum. Hier tagt der Gemeinderat unter Bürgermeisterin Anneliese Bergmann, hier probt der Chor und hier findet einmal im Monat der Seniorennachmittag statt, bei dem die ältesten Bewohner des Dorfes – allen voran der 94-jährige Emil Grote – von früher erzählen. Papiermühle ist kein Ort der großen Aufregung. Es ist ein Ort der leisen Töne, des Duftes von frisch geschnitztem Holz und des Klangs der Glocken von St. Michael, die über die Felder schallen. Wer hierherkommt, sollte sich Zeit nehmen – für einen Spaziergang durch den Cedar Shade, für ein Gespräch mit Simon Treutler an seiner Werkbank, für ein Glas Wein auf der Terrasse des Schlosshotels, während die Sonne hinter den Hügeln versinkt. Und vielleicht, ganz vielleicht, entdeckt man dann, was die Papiermühler schon immer wussten: dass die Stille der Blumenthal-Ebene die lauteste Stimme hat.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 1003 (Stammbahn) stündlich 6:26-21:26 nach Nova, 6:28-20:28 über Wisnitz nach Bierona, 21:28 nach Wisnitz
Straße: L7 (W: Wittstock 12km, O: Eierbach 9km); L9 (NW: Kurzhausen 5km, S: Zooheim 7km)
Land: Blumenland
Landkreis: Komerz
Gemeinde: B-5150 Papiermühle

