(Pop.: 478 – 85m NN)

Wer die Blumenthal-Ebene westlich von Novafurt durchquert, findet nach einer Weile ein Straßendorf, das sich fast unscheinbar in die sanfte Hügellandschaft schmiegt: Leisen. Die Geschichte des Dorfes ist eng mit dem Obstbau verbunden. Schon seit Generationen prägen die Streuobstwiesen rund um Leisen das Bild der Landschaft. Im Frühling, wenn die Bäume in voller Blüte stehen, liegt ein zarter, süßlicher Duft über den Feldern, der bis in die letzten Winkel des Dorfes zieht.

Im Herbst dann, wenn die Äpfel reif sind, beginnt die hektischste Zeit des Jahres: Die Mosterei Leisen, ein traditionsreicher Betrieb mitten im Ort, verarbeitet die Früchte der umliegenden Wiesen zu klarem Saft und herbem Apfelwein. Dass der Apfelwein aus Leisen einen so unverwechselbaren Geschmack hat, liegt nicht zuletzt an der Arbeit von Lebensmitteltechnologe Rudolf Haas. Seit über zwanzig Jahren ist er der Mann hinter den Kulissen der Mosterei, ein stiller, bedächtiger Tüftler, der die Gärprozesse penibel überwacht und immer wieder neue Rezepturen ausprobiert. Die altehrwürdige Mosterei ist längst nicht mehr nur ein Produktionsbetrieb, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel. Wer sich anmeldet, kann an einer Führung durch die historischen Kellergewölbe teilnehmen und am Ende eine Verkostung der verschiedenen Jahrgänge genießen.

Das Herz des Dorfes aber ist die Dorfkirche, ein schlichter Saalbau, der mit seiner hellen Fassade und dem kleinen, von alten Bäumen beschatteten Friedhof eine würdevolle Ruhe ausstrahlt. Sie ist kein prachtvoller Bau, aber ihre Schlichtheit verleiht ihr eine besondere Würde. Hier hält Pfarrer Thomas Brenner sonntags mit einem Glas Apfelsaft in der Hand die Gottesdienste, und seine einfühlsame Art hat ihm die Zuneigung der gesamten Gemeinde eingebracht. Besonders die von der Kirchengemeinde organisierten Besuchsdienste für Kranke und Alleinstehende haben weit über die Dorfgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf.

Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt, in einem alten Fachwerkhaus mit einer verwitterten Holztafel über der Tür, befindet sich die Werkstatt von Steinmetz Stern. Seit nunmehr drei Generationen ist der Betrieb im Familienbesitz, und der Klang von Meißel und Hammer auf Stein zieht den Besucher schon von weitem in seinen Bann. Hier erschafft Meisterin Elara Weisinger Grabsteine, Skulpturen und architektonische Elemente, die Generationen überdauern – ein Ort, an dem Tradition noch gelebt wird, weit weg von der Massenfertigung der Städte. Gegenüber, in einem etwas zurückgesetzten Gebäude, hat die Dorfapotheke ihren Sitz, geführt von der aufmerksamen Apothekerin Anne Ivanova. Sie ist nicht nur die medizinische Anlaufstelle für die gesamte Region, sondern auch eine Liebhaberin der traditionellen Heilkunst. In ihren Regalen finden sich neben den üblichen Medikamenten auch selbstgemischte Tees und Salben nach alten Rezepturen.

Für das leibliche Wohl der Besucher und Einheimischen sorgt das Café Bernstein & Brot. Es liegt an der Hauptstraße, in einem hellen, freundlichen Raum mit großen Fenstern, die den Blick auf die vorbeiziehenden Wolken und die sanften Hügel der Umgebung freigeben. Hier backt Bäckerin Lena Weber täglich frisches Brot und Gebäck, während ihre Partnerin, Klaudia Böhmer, die hausgemachten Kuchen und Torten kreiert. Das Café ist nicht nur ein Ort zum Essen, sondern auch der gesellschaftliche Mittelpunkt des Dorfes. Hier treffen sich die Bewohner zum Plausch, hier finden die Sitzungen des örtlichen Kulturvereins statt, und hier sitzt oft auch Jiro Takahashi, Produktmanager bei der Novafurter Maschinenfabrik Brünner & Söhne. Der ruhige, junge Mann mit den akkuraten Notizbüchern ist kein gebürtiger Leisener, aber er hat sich in das Dorfleben integriert, wie nur wenige vor ihm. Er verbringt seine freie Zeit gerne im Café und hat sich mit seiner ruhigen, freundlichen Art in die Herzen der Einheimischen gearbeitet. Seine Arbeit bringt ihn oft nach Novafurt und Zentro, aber immer wieder kehrt er gerne in die Stille von Leisen zurück.

In den heißen Sommermonaten ist das kleine Freibad am südlichen Ortsrand der Ort, an dem sich das Leben des Dorfes konzentriert. Es ist kein großes, modernes Bad, aber sein klares, erfrischendes Wasser und die Liegewiese mit den alten Kastanienbäumen machen es zu einem beliebten Treffpunkt für Jung und Alt. Hier planschen die Kinder, während ihre Eltern in der Sonne liegen und den Blick über die Felder schweifen lassen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Die umliegenden Dörfer – das kleine Freidorf mit seinen 178 Einwohnern, der Weiler Tretkreuz mit gerade einmal 14 Seelen – sind eng mit Leisen verbunden. Die Bewohner der umliegenden Ortschaften kommen zum Einkaufen, zum Arzt oder einfach zum Plausch ins Café Bernstein & Brot. Der Waldfelser Weg führt nach Süden nach Waldfels, einem noch kleineren Dorf mit 120 Einwohnern, das für seine ruhige, beschauliche Atmosphäre bekannt ist.

Das gesellschaftliche Leben in Leisen wird von einer Vielzahl von Vereinen und Initiativen getragen. Die Freiwillige Feuerwehr unter der Leitung von Klaus Dieter Schulz ist nicht nur für den Brandschutz zuständig, sondern organisiert auch das alljährliche Erntefest, bei dem die ganze Region zusammenkommt. Dann wird die Hauptstraße zur Festmeile, es gibt Musik, Tanz und natürlich den frisch gepressten Apfelwein aus der Mosterei. Der Sportplatz am Rande des Dorfes ist das Reich des Fußballvereins, der in der untersten Liga des Landkreises spielt, aber bei den Heimspielen von einer treuen Fangemeinde unterstützt wird.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 111 (BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia) stündlich 6:16-21:16 nach Novafurt Hbf, 6:32-20:32 über Drosen nach Zentro Hbf, 21:32 nach Drosen
Straße: Autobahn A1 (W: Zentro, O: Nova); L5 (SW: Tretwitz 6km, N: Tretkreuz 2km); L11 (O: Freidorf 9km); Waldfelser Weg (S: Waldfels 13km)

LandBlumenland
LandkreisNovafurt
Gemeinde: B-2140 Leisen