(Pop.: 28 – 261m NN)

Die Geschichte der Abtrennung Pölbitz’ von der Stadt Findlingshain ist eine jener kleinen, aber bedeutenden Erzählungen, die das Wesen der Dezentralisation in Landauri widerspiegeln.

Es begann im Jahr 1988, als der damalige Ortsvorsteher Hermann Kessner nach einer hitzigen Versammlung in der Kneipe „Zum Tannenzapfen“ den Entschluss fasste, die Eigenständigkeit des Dorfes anzustreben – die damals noch 35 Seelen waren es leid, von Findlingshain aus regiert zu werden, wo ihre Anliegen zu oft als nebensächlich abgetan wurden. Über die Jahre entwickelte sich ein erbittertes Ringen. Die Fürsprecher, angeführt von Kessner und später von Gerda Fleischer, einer ehemaligen Lehrerin, argumentierten mit der jahrhundertealten Tradition der Selbstverwaltung. Die Gegner, vor allem der Findlingshainer Bürgermeister Bernd Hollmann, hielten eine eigenständige Gemeinde für unrentabel.

Die Eskalation kam im Sommer 2019, als Findlingshain ein Erbsenfeld an der Gemarkungsgrenze neu vermessen und für ein Gewerbegebiet beanspruchen wollte. Die Pölbitzer weigerten sich, ihren Boden abzutreten, und errichteten symbolisch einen neuen Maschendrahtzaun quer durch das Feld – ein Akt des Widerstands, der in der Lokalpresse für Schlagzeilen sorgte. Die Mathematikerin Liam Lee, die die historischen Grenzverläufe akribisch nachzeichnete, und der Grafikdesigner James Whitmore, der die Kampagne mit Plakaten und einer Social-Media-Strategie begleitete, brachten den Fall vor das Kreisverwaltungsgericht in Novafurt. Die Richter gaben den Pölbitzern recht – der Zaun war historisch korrekt, das Feld gehörte eindeutig zur Dorfgemarkung. Dieser juristische Erfolg führte schließlich 2021 zur offiziellen Ausgliederung. An einem milden Herbsttag versammelten sich die 28 Einwohner vor dem Rathaus in Findlingshain, Bürgermeister Hollmann reichte Gerda Fleischer die Urkunde, und die Dorfgemeinschaft feierte bis in die Morgenstunden in der Kneipe „Zum Tannenzapfen“ – mit Erbsensuppe aus eigenem Anbau.

Wer heute das Dorf betritt, dem fällt als Erstes die Ruhe ins Auge, die über den wenigen Häusern liegt. Die Landesstraße L16 durchquert den Ort auf ihrem Weg von Reichenau im Westen nach Findlingshain im Osten. Links und rechts säumen alte Bauernhäuser die Straße, ihre Fassaden aus grob behauenem Feldstein, wie sie typisch für die Region sind. Das gesellschaftliche Zentrum ist die Kneipe „Zum Tannenzapfen“ – ein uriges Gebäude mit verwittertem Holzverschlag –, wo Wirtin Roswitha Klingbeil nicht nur jeden Stammgast beim Namen kennt, sondern auch jede Neuigkeit, die den Ort bewegt. Die Bewohner sind so vielfältig wie die Landschaft: die Mathematikerin Liam Lee, die in einem umgebauten Stall an algorithmischen Modellen für die Landwirtschaft forscht, und der Grafikdesigner James Whitmore, der in einem Fachwerkhaus für Auftraggeber in ganz Landauri arbeitet. Hinter den letzten Häusern tun sich weite Felder auf, der Blick schweift zum Drosener Rücken im Westen. Die alte Linde vor dem Gemeindehaus, ein ehemaliger Bauernhof, ist Versammlungsort für die Dorffeste. Pölbitz ist das kleinste im Kreis Novafurt, aber es ist sein eigener Herr.


Verkehrsverbindungen:
Straße: L16 (W: Reichenau 3km, O: Findlingshain 1km)

LandBlumenland
LandkreisNovafurt
Gemeinde: B-2250 Pölbitz