
(Pop.: 982 – 11m NN)
Östlich der Kreisstadt Wum fällt die B34 in langen Kurven vom östlichen Abhang des Insulagebirges hinunter zur Monstir-See. Zwischen niedrigen Wiesen, feuchten Senken und windschiefen Baumgruppen erscheint schließlich Venna, dessen Dächer sich auf nur elf Metern über dem Meeresspiegel um Hafen, Bahnhof und die alte Küstenstraße drängen. Mit 982 Einwohnern ist das Dorf nach der Kreisstadt der zweitgrößte Ort des Landkreises Wum und dessen wichtigster Übergang zur Zentralinsel.

Das Ortsbild wird vom Hafen bestimmt. Früh am Morgen laufen Fischkutter ein, Gabelstapler bewegen Kisten zwischen den Lagerhäusern, und vor der Fährbrücke warten Lieferwagen, Fahrräder und Autos auf die nächste Abfahrt. Mehrmals täglich verbindet die Monstirfähre Venna mit der rund 30 Kilometer entfernten Kreisstadt Monstir auf der Zentralinsel. Die Überfahrt dauert etwa anderthalb Stunden. Sobald die Fähre die Hafenmole hinter sich gelassen hat, öffnet sich der Blick über die Monstir-See, während im Westen die bewaldeten Höhen Insulas langsam zurücktreten. Die Verbindung knüpft an eine lange Geschichte des Austauschs zwischen Insula und der Zentralinsel an, die bereits während der Epoche des Königreichs Storha von Handel, Schifffahrt und kulturellen Kontakten geprägt war.
Venna entwickelte sich aus einer Gruppe von Fischerhöfen an einer flachen, gut geschützten Einbuchtung. Der Ortsname soll auf das alte Küstenwort „Venn“ zurückgehen, mit dem die Bewohner sumpfige Wiesen bezeichneten. Eine örtliche Erzählung verbindet ihn dagegen mit der Fährfrau Venna Arvidsen, die während eines schweren Herbststurms zwölf Menschen von einem beschädigten Handelsschiff gerettet haben soll. Historisch belegt ist diese Geschichte nicht, doch im Schifffahrtsmuseum hängt ein verwittertes Steuerrad, das der Überlieferung nach zu ihrem Boot gehörte.
Das Museum befindet sich im alten Lotsenhaus an der Hafenstraße 4, einem zweigeschossigen Backsteinbau mit weiß gestrichener Aussichtsplattform. Modelle früher Fährschiffe, Seekarten, Lotsenbücher und Werkzeuge der Fischer erzählen von den Handelsbeziehungen zur Zentralinsel. Besonders anschaulich ist der rekonstruierte Arbeitsplatz eines Hafenlotsen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Museumsleiterin Marit Enevoldsen führt Besucher gern auf die Plattform, von der sich der gesamte Hafenbetrieb beobachten lässt. Im Erdgeschoss wechseln kleine Ausstellungen zu Schiffsunglücken, Fischfang und den Familiengeschichten beiderseits der Monstir-See.
Direkt hinter dem Hafen liegt der Bahnhof. Hier endet die Vennabahn, die Venna stündlich über Wum, Wieso, Antos und Nachfeld mit der Hauptstadt Insula verbindet. Züge verlassen den Ort tagsüber jeweils kurz nach der vollen Stunde. Am selben Bahnhof hält auch die Vierstrandbahn, die einerseits über Aglitz nach Insula und andererseits entlang der Küste über Amselstrand nach Vierstrand führt. Dadurch treffen in Venna Reisende aus dem Gebirge, von der Nordküste und von der Zentralinsel aufeinander. Das eingeschossige Empfangsgebäude trägt ein weit auskragendes Dach, unter dem häufig Kisten, Rucksäcke und zusammengerollte Fischernetze stehen. Im ehemaligen Wartesaal betreibt Selma Iversen das Bahnhofscafé „Gleis und Gezeiten“, das kräftigen Kaffee, belegte Roggenbrote und warme Kartoffelpuffer anbietet.

Zwischen Bahnhof und Hafen erstreckt sich die geschäftige Lotsenstraße. In den unteren Etagen der alten Häuser liegen die Bäckerei „Küstenkruste“, der gemeinschaftlich betriebene Dorfladen „Vennas Vorrat“ und die kleine Poststelle von Radek Nowak. Zweimal in der Woche stellen Fischer, Gärtner und Handwerker ihre Waren auf dem Lotsenplatz aus. Über die Nutzung der Marktstände, die Pflege des Strandes und Investitionen in den Hafen entscheidet die Gemeindeversammlung im ehemaligen Fähramt. Diese lokale Verantwortung entspricht der dezentralen Ordnung Landauris, in der Gemeinden viele Angelegenheiten selbst regeln und Betriebe überwiegend gemeinschaftlich oder genossenschaftlich organisiert sind.

Am südlichen Hafenbecken arbeitet der Betrieb „Stahlbogen Armaturen“. In einer langgestreckten Werkhalle aus rötlichem Backstein fertigen rund dreißig Beschäftigte Ventile, Rohrverbindungen und druckfeste Verschlüsse für Fähren, Fischereifahrzeuge und Kühlanlagen. Betriebskoordinatorin Nermin Çelik legt Wert auf reparierbare Bauteile, weshalb auch ältere Schiffsarmaturen aus Monstir und Insula hier überholt werden. Durch die offenen Hallentore hört man das Schleifen von Metall und das rhythmische Klopfen der Prüfstände. Besucher können nach Voranmeldung an einer Werkstattführung teilnehmen und beobachten, wie ein massiver Ventilkörper gegossen, gefräst und auf Dichtigkeit geprüft wird.
Eine zentrale Rolle im Gemeindeleben spielt der Mediator Alejandro Torres. Sein Büro befindet sich im Fähramt am Lotsenplatz 2. Torres vermittelt bei Konflikten um Liegeplätze, Arbeitspläne, Gebäudenutzung und öffentliche Wege. Besonders gefordert ist er während der Sommermonate, wenn Fischer, Fährbetrieb und Badegäste unterschiedliche Ansprüche an den Hafenraum stellen. Seine Gesprächsrunden finden häufig an einem großen ovalen Tisch statt, dessen Holzplatte aus den Planken eines ausgemusterten Kutters gefertigt wurde. Die Arbeit passt zur gewaltlosen Konfliktkultur Landauris, in der speziell ausgebildete Vermittler Spannungen durch Moderation und gemeinschaftliche Vereinbarungen lösen.
Tierärztin Julia Lewandowska betreut in ihrer Praxis „Ankerpfote“ an der Molenstraße 11 Haustiere, Hofkatzen und die Hunde der Fischer. Daneben versorgt sie verletzte Seevögel und begleitet die Gesundheitskontrollen der Tiere, die mit der Fähre reisen. Hinter dem Praxisgebäude liegt ein kleiner, windgeschützter Garten mit zwei Volieren. Kinder aus Venna helfen dort unter ihrer Anleitung bei der Pflege geschwächter Möwen. Einmal im Monat hält Lewandowska im Gemeindehaus einen offenen Beratungsnachmittag zur Tierhaltung ab.

Kulinarisch gehört der „Venna-Pott“ zum Hafen wie die Möwen zu den Dalben. Der Eintopf wird aus fangfrischem Fisch, Kartoffeln, Möhren, Lauch und kräftiger Brühe gekocht. Traditionell steht der Topf bereits auf dem kleinen Herd eines Kutters, wenn das Boot noch im Hafen festgemacht ist. Besucher erhalten besonders gute Portionen in der Hafenkneipe „Zum grünen Netz“ an der Kaiwand 7. Wirt Bjarne Mikkelsen serviert dazu dunkles Brot und eingelegte Zwiebeln. Der Gastraum ist mit alten Fahrplänen, Bojen und Fotografien früherer Fährgenerationen geschmückt.

Am Abend verlagert sich das Dorfleben in die „Tanzende Lichter Bar“ an der Hafenstraße 18. Ihren Namen verdankt sie den farbigen Glaslampen, die bei jedem Luftzug leicht schwingen und ihre Reflexe über Decke und Holzboden wandern lassen. Betreiberin Nia Okafor organisiert kleine Konzerte, Tanzabende und offene Bühnen. Donnerstags spielen häufig Musiker von der Zentralinsel, während sonntags ein ruhiger Tanznachmittag ältere Bewohner und Fährgäste zusammenbringt. Vier einfache Gästezimmer im Obergeschoss machen die Bar zugleich zu einer beliebten Unterkunft für Reisende, die morgens die erste Fähre nehmen möchten.
Wer Ruhe sucht, folgt der Molenstraße zum östlichen Ortsrand. Hinter niedrigen Dünen beginnt ein schmaler Sandstrand mit flachem Zugang zur Monstir-See. Familien aus Wum kommen an warmen Tagen mit dem Zug hierher, während Einheimische den Strand gern am frühen Abend besuchen. Vom Ende des Strandwegs blickt man zurück auf die Hafeneinfahrt, die einfahrenden Fischerboote und die langsam größer werdende Silhouette der Fähre. In diesem Augenblick zeigt sich Venna besonders treffend: als kleines Dorf, das durch Schienen, Straßen und Schiffe weit über seine Grenzen hinaus verbunden ist und dennoch im Rhythmus seines Hafens lebt.
Verkehrsverbindungen:
Fähre: Monstirfähre stündlich 6:12-20:12 nach Monstir (Überfahrtzeit 1:30 Stunde)
Bahn: Vennabahn (IB120) stündlich 6:02-21:02 über Wum nach Insula Hbf; Vierstrandbahn (IB121) stündlich 6:41-20:41 über Aglitz nach Insula Hbf, 21:41 nach Aglitz, 6:16-21:16 nach Vierstrand
Straße: B34 (W: Wum 5km, O: als Monstirfähre 30km nach Monstir auf der Zentralinsel)

