
(Pop.: 421 – 312m NN)
Boxa besitzt keinen eigentlichen Dorfplatz. Sein Mittelpunkt ist der schmale Raum zwischen Nova, Kirche und Brücke, wo das Rauschen des Wassers fast jede Unterhaltung begleitet. Das Dorf mit 421 Einwohnern liegt auf 312 Metern Höhe im oberen Novatal, rund zehn Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Novatal. Hier hat sich die Nova bereits tief in das Zentralmassiv eingeschnitten. Bewaldete Hänge treten dicht an den Fluss heran, und für Häuser, Gärten, Straße und Bahn bleibt nur ein schmaler Talboden. Während im südlichen Blumenland mildes Klima, Felder und Gärtnereien vorherrschen, sind die Hochlagen des Zentralmassivs durch kühle Sommer und schneereiche Winter geprägt. Boxa liegt zwischen beiden Landschaftsräumen, bereits deutlich im Gebirge, aber noch unterhalb der hochalpinen Orte.
Die ältesten Häuser stehen an der Wassergasse und der ansteigenden Burgstiege. Es sind gedrungene Bruchsteinbauten mit tief herabgezogenen Dächern, hölzernen Laubengängen und kleinen Gärten, in denen Beerensträucher, Bohnen und robuste Kräuter wachsen. Einer örtlichen Erzählung zufolge hieß die Ansiedlung zunächst „bei den Boxen“, weil Fuhrleute ihre Waren hier in hölzernen Kästen gegen Regen und Spritzwasser sicherten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Dorf und Burg auf einen mittelalterlichen Flurnamen zurückgehen. Schriftlich belegt ist lediglich, dass die Befestigung Boxenstein den Zugang zum oberen Tal überwachte und dass sich unterhalb von ihr nach und nach Mühlen, Werkstätten und Wohnhäuser ansiedelten.
Das reizvollste Ensemble bildet die Kirche St. Johannes am Wasser mit der benachbarten gedeckten Holzbrücke. Die kleine Saalkirche steht so nah an der Nova, dass ihr feuchtes Bruchsteinmauerwerk regelmäßig ausgebessert werden muss. Ihr rechteckiger Turm trägt ein mit Holzschindeln gedecktes Zeltdach; im Inneren fällt ein geschnitzter Altar auf, der Johannes den Täufer vor einer Landschaft zeigt, die unverkennbar dem Novatal ähnelt. Seelsorgerin Johanna Leclerc betreut neben Boxa auch die Kapelle von Dol. Das Gemeindeleben ist entsprechend praktisch organisiert: Der Chor probt nur alle zwei Wochen, die Kindergruppe trifft sich im ehemaligen Küsterhaus, und vor größeren Festen helfen Angehörige unterschiedlicher Konfessionen beim Schmücken und Kochen. Am Johannistag werden nach dem Gottesdienst Kräutersträuße an der Brücke befestigt. Früher warf man sie in die Nova; heute werden sie aus Rücksicht auf das Gewässer anschließend getrocknet und im Gemeindehaus verteilt.
Die Holzbrücke ist kein museales Schaustück, sondern wird täglich benutzt. Fußgänger, Fahrräder und kleine Handwagen gelangen über sie zum Bahnhof und zur Papiermühle am gegenüberliegenden Ufer. Durch schmale Seitenöffnungen fällt der Blick auf das helle, schnell fließende Wasser. Bei Hochwasser schließt Brückenwart Milan Petrović vorsorglich die unteren Fensterläden, damit Treibholz nicht in den gedeckten Gang geschleudert wird. Neben dem südlichen Brückenkopf steht ein alter Pegelstein. Mehrere eingeritzte Linien erinnern daran, dass die Nova trotz ihres malerischen Aussehens ein unberechenbarer Gebirgsbach bleiben kann.

Oberhalb des Dorfes führt die Burgstiege in Serpentinen zu den Resten von Boxenstein. Erhalten sind Teile einer Ringmauer, ein niedriger Torbogen und die Grundmauern eines rechteckigen Turmes. Von der einstigen Kontrolle des Talweges zeugt ein in den Fels geschlagener Wachplatz, von dem aus die Wege nach Neinsto und Dol eingesehen werden konnten. Heute ist die Ruine frei zugänglich. Der Boxaer Geschichtskreis um die pensionierte Bauzeichnerin Inge Martens hält den Weg frei und hat an den Mauerresten zurückhaltende Informationstafeln angebracht. Kinder erzählen sich, unter dem Turm liege ein verschütteter Gang zur Kirche. Geologische Untersuchungen fanden dafür keine Hinweise, wohl aber einen kleinen Vorratskeller, in dem bei einer Grabung verkohltes Getreide und zerbrochene Keramik entdeckt wurden.

Am nördlichen Ortsrand arbeitet die Büttenpapiermanufaktur „Novabogen“ in einer ehemaligen Papiermühle. Das unterschlächtige Wasserrad treibt heute nur noch zu Vorführzwecken Teile des alten Stampfwerks an; die eigentliche Produktion erfolgt mit kleinen, energiesparenden Maschinen. Unter Leitung der Papiermacherin Runa Bergström entstehen handgeschöpfte Briefkarten, Zeichenblöcke und kräftige Bögen für Druckgrafik. In manche Sorten werden Gräser oder Blütenfasern aus dem Blumenland eingearbeitet, ohne dass das Papier seine ruhige, helle Oberfläche verliert. Besucher können in Kursen selbst einen Schöpfrahmen führen, den nassen Bogen auf Filz ablegen und mit einer alten Spindelpresse entwässern. Die fertigen Blätter werden später verschickt oder können am folgenden Tag abgeholt werden. Die Manufaktur passt gut zur kleinteiligen, gemeinschaftlich getragenen Wirtschaftsweise Landauris, in der Werkstätten und örtliche Kooperationen eine wichtige Rolle spielen.
Zu den bekanntesten Einwohnerinnen Boxas gehört die Schauspielerin Emre Çelik. Sie wuchs im Haus ihrer Großeltern an der Brückengasse auf und stand erstmals bei einem Laienspiel im Gemeindesaal auf der Bühne. Nach Jahren am Stadttheater von Nova kehrte sie mit ihrem Lebensgefährten nach Boxa zurück. Im Sommer organisiert sie unter dem Titel „Szenen am Wasser“ kurze Aufführungen an ungewöhnlichen Orten: im Trockenraum der Papiermühle, unter der Holzbrücke oder zwischen den Mauern von Boxenstein. Çelik spielt dabei nicht nur selbst, sondern arbeitet mit Jugendlichen aus dem oberen Novatal. Ihr kleines Atelier im ehemaligen Feuerwehrmagazin enthält Kostüme, Requisiten und eine ausklappbare Probebühne.
Nur wenige Häuser weiter wohnt die Philosophin Camille Bernard. Sie lehrte lange Zeit Ethik und politische Philosophie in Nova und beschäftigt sich heute mit der Frage, wie Entscheidungen in kleinen Gemeinden zustande kommen. Ihre Bücher verbinden theoretische Überlegungen mit genauen Beobachtungen aus dem Alltag. In Boxa ist sie weniger als Gelehrte denn als beharrliche Teilnehmerin der Gemeindeversammlung bekannt. Einmal im Monat lädt sie im Leseraum der alten Schule zum „Offenen Tisch“ ein. Dabei werden keine Vorträge gehalten; stattdessen beginnt der Abend mit einer konkreten Frage, etwa wem ein leer stehendes Haus zur Nutzung überlassen werden sollte oder wie viel Tourismus das Feenwassertal verträgt. Solche Diskussionen greifen das dezentrale Selbstverständnis Landauris auf, nach dem viele Entscheidungen unmittelbar in den Gemeinden getroffen werden.

Der Alltag bleibt trotz dieser kulturellen Akzente bodenständig. Die Bäckerei „Kornzauber“ von Elias Wendt öffnet früh und verkauft neben kräftigem Roggenbrot kleine, mit Mohn und Waldhonig gefüllte „Boxensteine“. Gegenüber führt Samira Haddad den Dorfladen mit Lebensmitteln, Haushaltswaren, Paketannahme und einem Regal für Erzeugnisse aus Dol. Die Werkstatt „Zwei Räder am Bach“ repariert Fahrräder, Mopeds und Motorräder; Mechaniker Timo Varga ist zudem Ansprechpartner für liegen gebliebene Reisende. Da größere Einkäufe und medizinische Termine meist in der Kreisstadt erledigt werden, sind diese wenigen Einrichtungen für Boxa besonders wichtig.

Am Bahnhof wirkt das Dorf für einige Minuten größer, sobald der schmale Triebwagen der Blumenländer Bergbahn einläuft. Die Novatalbahn folgt von Roxdorf über Vel und Dol ins Novatal und fährt anschließend über Boxa, Neinsto und Novagrund bis Annendorf. Dort bestehen Anschlüsse in Richtung Zentralbahn, Talkapelle und Blue River. In Boxa verkehren die Züge tagsüber im Zweistundentakt. Vom Bahnsteig führt ein Wanderweg entlang des Feenwassers zur vier Kilometer entfernten Waldsiedlung Dol. Er begleitet abschnittsweise das Gleis, quert den Bach über kleine Stege und steigt durch Tannen- und Buchenwald auf 488 Meter Höhe an. Dol gehört zur Gemeinde Boxa, wirkt mit seinen Holzhäusern, dem Forststützpunkt und der Feenwasserkapelle jedoch wie eine eigene kleine Welt.
Für eine Übernachtung bietet sich der Gasthof „Zum wilden Bach“ in der Novagasse 18 an. Seine Terrasse ragt auf Holzstützen über das Ufer, sodass Gäste beim Essen direkt auf Stromschnellen und rund geschliffene Felsen blicken. Wirtin Klara Ben Said serviert Forelle, Pilzpfanne, Kartoffelkuchen und Käse aus dem oberen Tal. Die sieben Zimmer sind einfach eingerichtet, besitzen aber dicke Wolldecken, Trockenmöglichkeiten für Wanderkleidung und überwiegend Blick auf die Nova. Am Abend, wenn der letzte Zug das Tal verlässt und in der Papiermühle die Arbeit ruht, bestimmen Wasser, Wind und das gelegentliche Läuten von St. Johannes die Geräusche Boxas. Gerade dann zeigt sich der Ort von seiner überzeugendsten Seite: als kleines, arbeitsames Gebirgsdorf, dessen Geschichte nicht hinter Absperrungen bewahrt wird, sondern in Brücke, Mühle, Bahn, Kirche und den täglichen Wegen seiner Bewohner weiterlebt.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Novatalbahn (BBB Blumenländer Bergbahn) 2stündlich 8:28-18:28 nach Annendorf, 8:16-18:16 über Dol nach Roxdorf
Straße: L2 (SW: Novatal 10km, O: Neinsto 7km); Feenwassertalstraße (N: Dol 4km); Fuhrmannstedter Straße (S: Fuhrmannstedt 14km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novatal
Gemeinde: B-7150 Boxa
Orte: B-7150 Boxa, B-7151 Dol
Zur Gemeinde Boxa gehört das Dorf Dol.

