
(Pop.: 989 – 367m NN)
Aus dem dichten Grün des Bunbachtals steigen an klaren Tagen dünne Rauchfahnen. Es ist kein Waldbrand, sondern die Arbeit des Bergwerks Elbenquelle, das Paulbach sein Gepräge gibt. Wer von der Kreisstadt Paulstedt die neun Kilometer der Z-7 nach Nordosten fährt, lässt den Trubel der Industrie hinter sich und taucht in eine Welt ein, in der das Leben einem einfachen, bergmännischen Rhythmus folgt. Mit 989 Einwohnern liegt das Dorf auf 367 Metern hinter dem Eingang des Bunbachtals, dort wo die ersten steilen Hänge des Zentralmassivs sanfter werden und in das hügelige Vorland übergehen. Die Luft ist kühl und klar, durchzogen vom harzigen Duft des umliegenden Mischwaldes. Paulbach ist keine verträumte Idylle, sondern ein Ort der Arbeit, doch gerade diese raue Ehrlichkeit verleiht ihm einen besonderen Reiz für den Entdecker.

Das Herz des Dorfes schlägt im Bergwerk Elbenquelle, das im gleichnamigen Seitental liegt. Hier wird seit Generationen Eisenerz abgebaut, das als Lebensader der gesamten Region gilt. Einst brachten Fuhrwerke das kostbare Gestein mühevoll zu Tale; heute ist es eine zehn Kilometer lange Materialseilbahn, die wie ein mechanisches Rückgrat der Landschaft die gefüllten Förderkörbe direkt über die Wipfel der Wälder zur Eisenhütte nach Paulstedt schweben lässt. Der Anblick, wenn die Körbe am frühen Morgen hinter dem Waldrand auftauchen und scheinbar lautlos über das Tal gleiten, ist selbst für die Einheimischen noch immer ein Beginn des Tages, dem man kurz innehaltend zusieht.
Dieser industrielle Herzschlag formt den Ort. Die Belegschaft, größtenteils untergebracht in mehreren großen, funktionalen Gebäuden am Ortsrand, deren klare Linien an Kasernen erinnern, prägt Paulbachs Straßenbild. In der urigen Gaststube des Dorfkrugs sitzen die Kumpel nach der Schicht beieinander, und im einzigen Supermarkt des Ortes, an dessen Kasse man neben Brot und Milch auch den regionalen Bergmannschnaps erhält – einen kräftigen Kräuterlikör, der, so sagt man, den Staub aus der Kehle spült.

Einen überraschenden architektonischen Akzent setzt die Dorfkirche St. Barbara. Anders als die verwitterten Feldsteinkirchen der Umgebung ist sie ein moderner Bau aus rohem Sichtbeton, errichtet in den 1960er Jahren für die wachsende Bergarbeitergemeinde. Der kompakte, klare Baukörper mit seinem schlanken Glockenträger wirkt wie eine kleine Festung des Glaubens, gewidmet der Schutzpatronin der Bergleute. Im Inneren erhellen schmale, farbige Glasfenster die Wände und tauchen den Raum in ein warmes, bernsteinfarbenes Licht, das gut tut nach einem Tag unter der Erde.
Pfarrerin Maria Lichtblau, eine resolute Frau mit schwarzer Haube und einem Herzen für ihre Schäfchen, hält sonntags um zehn Uhr den Gottesdienst. Sie predigt nicht nur, sondern kennt jede Familie, vermittelt bei Zank und organisiert mit ruhiger Hand das jährliche Barbara-Fest am 4. Dezember. Bei der Prozession ziehen die Bergleute mit ihren Grubenlampen durch das Dorf, und die Kinder basteln Laternen aus alten Helmen – eine tief verwurzelte Tradition, die den Zusammenhalt der Gemeinde stärkt.

Direkt am Eingang zum Bergwerksgelände, wo einst die Männer nach der Schicht den Kohlenstaub abwuschen, befindet sich heute das Bergbaumuseum in der alten Waschkaue. Der Verein unter der Leitung des ehemaligen Steigers Klaus-Peter Brenneisen hat mit viel Hingabe Werkzeuge, Geleucht und Mineralienstufen zusammengetragen. Anhand alter Karten und Schwarz-Weiß-Fotografien wird die Geschichte des Abbaus lebendig, von den ersten Pickeln bis zu den modernen Bohrmaschinen. Ein besonderes Exponat ist ein funktionstüchtiges Modell der Seilbahnanlage, das Brenneisen selbst in unzähligen Stunden gebaut hat. Jeden ersten Samstag im Monat gibt er Führungen und spart dabei nie die Anekdote, wie 1972 eine gesprengte Gesteinsader einen verschütteten kleinen Bach freigab, der seitdem „Paule“ genannt wird.

Vierzehn Kilometer östlich des Dorfes, auf einer Fahrt vorbei am Bergwerkstor, erreicht man das Ausflugslokal „Zur Elbenquelle“, direkt an der Quelle des Elbenbaches. Der Legende nach heilte eine junge Frau namens Elbe ihr krankes Kind mit dem Wasser dieser Quelle, woraufhin ein Einsiedler eine kleine Kapelle daneben stellte. Der medizinische Direktor des Paulstädter Klinikums, Dr. Heinrich Wagenfeld, hat bei einer Analyse zwar nur gewöhnliches, aber besonders weiches und mineralarmes Wasser festgestellt. Dennoch pilgern Besucher zu dem in einen moosbewachsenen Fels eingefassten Brunnen, um eine Flasche des kühlen Nasses zu füllen. Die Wirtsfamilie Gerhild und Uwe Rosenheimer serviert in ihrer rustikalen Gaststube mit großer Terrasse ein deftiges Bergmannsragout mit hausgemachten Spätzle und als süßen Abschluss den Elbenbecher – ein überbackenes Sahneeis mit heißen Himbeeren. Von der Quelle führt ein kurzer Wanderweg hinauf zu einer stillen Waldlichtung mit einem kleinen Holzturm, von dem aus der Blick weit über die bewaldeten Hügel des Bunbachtals schweift.

Das öffentliche Leben konzentriert sich auf wenige, aber genutzte Einrichtungen. Neben dem bereits erwähnten Supermarkt gibt es eine Bäckerei, die morgens frische Laibe und süße Stücke backt, sowie eine Postagentur, die Dorothea Mertens als Teil ihres Schreibwarenladens betreibt – hier treffen sich die Frauen des Ortes und tauschen die neuesten Nachrichten aus, während sie auf ihre Briefmarken warten. Ein kleiner Friseursalon, dessen Schere von Tine Paulsen geführt wird, bietet samstags die Gelegenheit, beim Haarschnitt alles über die jüngsten Ereignisse im Ort zu erfahren.
Paulbach ist kein Ort, den man in einer Stunde abhakt. Es ist ein Ort, der langsam entdeckt werden will. Vielleicht begegnen Sie auf dem Weg zur Elbenquelle dem jungen Bergmann Lukas Rohrbach, der noch ganz die Tradition seines Vaters und Großvaters trägt, oder seinem Großvater Wilhelm, einem kauzigen Rentner, der oft am Ende der Bergwerkstraße auf einer Bank sitzt und die vorbeiziehenden Seilbahnkörbe zählt. Wer mit offenen Augen reist, erkennt: Paulbach ist rau, ehrlich und voller Geschichten – tief verwurzelt im Berg und gesegnet von einer heilkräftigen Quelle.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 112 (BZF Bierona-Zentravia-Ferrovia) stündlich 6:49-20:49 nach Bundorf, 6:27-19:27 über Paulstedt, Drosen, Wisnitz nach Kreuzberg, 20:27 nach Wisnitz, 21:27 nach Drosen
Straße: Z-7 (SW: Paulstedt 9km, NO: Neusomm 7km), Bergwerkstraße zum Bergwerk und weiter zur Elbenquelle mit Ausflugsrestaurant
Land: Zentravia
Landkreis: Paulstedt
Postleitzahl: Z-2140 Paulbach

