(Pop.: 98 – 35m NN)

Der winzige Weiler Zooheim mit seinen gerade einmal 98 Seelen liegt in der Blumenthal-Ebene, eingebettet zwischen den sanften Wellen der Felder im Westen und dem dichten Grün des Florica-Waldes im Osten und Süden. Während im nahen Nova, der Hauptstadt des Blumenlandes, das geschäftige Treiben der 82.826 Einwohner den Takt vorgibt, scheint hier, am Ufer des Glimtå, eine ganz eigene Melodie zu erklingen – eine, die von der Ruhe des Baches, dem Rascheln der Bäume und dem fernen Rufen der Vögel erzählt.

Der Name des Dorfes ist ein klein wenig rätselhaft, denn ein Zoo im herkömmlichen Sinne ist es nicht, was Zooheim auszeichnet. Vielmehr ist es der Wildzoo im Florica-Wald, der dem Ort seinen Namen und seinen ganz besonderen Charakter verleiht. Wer die schmale Straße vom Dorfzentrum aus in Richtung des Waldrandes nimmt, erreicht nach einem kurzen Spaziergang ein großzügiges Gehege, das sich wie ein lebendiges Naturkundemuseum in den Schatten der alten Buchen und Eichen schmiegt. Hier, im Herzen des Waldes, der sich von Zooheim aus bis an das Mare Internum im Süden und die Tore Novas im Osten erstreckt, können Besucher das heimische Wild in seinem natürlichen Lebensraum beobachten. Es ist ein stilles Vergnügen, den Rehen bei ihrem vorsichtigen Äsen zuzusehen, den Wildschweinen bei der Suche nach Eicheln und den scheuen Damhirschen, die mit gesenktem Kopf durch das Unterholz streifen. Füchse schleichen gelegentlich am Rand des Geheges entlang, und mit etwas Glück erspäht man den seltenen Luchs oder den scheuen Uhu, der in den alten Baumkronen sein Revier hat. Doch der Wildzoo wäre nicht vollständig ohne die Population der Marderhunde, die hier ebenso heimisch sind wie die Feldhasen, die beim ersten Anzeichen von Gefahr mit weißen Blitzen über die Lichtung flitzen. Es ist ein Ort der stillen Beobachtung, an dem die Natur die Hauptrolle spielt und der Mensch nur Gast ist.

An warmen Tagen zieht es die Besucher des Wildzoos unwiderstehlich in den angeschlossenen Biergarten der Gaststätte, die mit ihren urigen Holzbänken und dem schattenspendenden Dach aus Efeu und Weinreben direkt an das Gehege grenzt. Hier, wo der Duft von gegrilltem Wildschweinbraten und gereiftem Rehschinken in der Luft liegt, pflegt Wirtin Helga Sommerfeld mit ihrer unnachahmlichen Mischung aus Herzlichkeit und nordischer Gelassenheit das Wohl ihrer Gäste. Ihre Wildgerichte sind legendär, und man sagt, sie koche nach Rezepten, die ihre Großmutter einst von einer Jägerin aus dem Cedar Shade gelernt habe. Der Biergarten ist der gesellige Mittelpunkt des Dorfes, ein Ort, an dem sich Einheimische und Ausflügler aus dem nahen Greifenfels oder der Papiermühle bei einem kühlen Blumenländer Bier und einer herzhaften Wildsuppe über Gott und die Welt unterhalten.

Doch Zooheim hat noch ein weiteres Kleinod zu bieten, das zwar weniger laut, aber nicht weniger sehenswert ist. Die kleine Kapelle aus derben Feldsteinen, die etwas abseits der wenigen Häuser am Ufer des Glimtå thront, ist ein Bau von schlichter, fast strenger Schönheit. Sie steht unter Denkmalschutz, und das aus gutem Grund: Ihr Alter wird auf mehrere Jahrhunderte geschätzt, und die massiven Mauern aus dem ungeschliffenen Gestein der Umgebung zeugen von einer Handwerkskunst, die heute längst vergessen ist. Das Innere der Kapelle ist schmucklos, fast karg, aber genau das verleiht ihr eine Aura von zeitloser Andacht. Ein schmiedeeiserner Leuchter, ein schlichter Altar aus Eichenholz – mehr braucht es nicht, um hier, im schwachen Licht, das durch die kleinen Rundbogenfenster fällt, zur Ruhe zu kommen. Gelegentlich, so erzählt man sich, hält Pfarrer Ambrosius Böhme aus der Kreisstadt Komerz hier eine Andacht für die wenigen Gläubigen des Weilers, und dann wird die Stille nur vom Murmeln des Glimtå und dem Gesang der Vögel aus dem Florica-Wald durchbrochen.

Das Leben in Zooheim wird von wenigen, aber umso charakterstärkeren Persönlichkeiten geprägt. Da ist etwa Nicolas Fournier, der Dorfelektriker, ein Mann mit geschickten Händen und einem unverwüstlichen Humor, der nicht nur dafür sorgt, dass in den wenigen Häusern des Ortes das Licht brennt, sondern der auch die alte Mühle am Bach wieder zum Laufen gebracht hat – sehr zum Erstaunen der älteren Dorfbewohner, die das Rattern der Mühle schon längst vergessen geglaubt hatten. Und dann ist da die Pension Seelenharmonie, ein weiß getünchtes Haus mit blauen Fensterläden, das direkt am Glimtå liegt. Hier, im Herzen des Dorfes, führt Familie Vogel ein Gästehaus, das so etwas wie die heimliche Seele von Zooheim ist. Wer hier absteigt, wird von Martina Vogel und ihrem Mann Thomas mit einer Gastfreundschaft empfangen, die man in den großen Hotels der Hauptstadt vergeblich sucht. Die Zimmer sind einfach, aber gemütlich, und das Frühstück, das auf der Terrasse über dem plätschernden Bach serviert wird, besteht aus Produkten der umliegenden Höfe – frisches Brot, Butter, Honig und Eier, so, als hätte die Zeit hier vergessen, weiterzugehen.

Wer Zooheim besucht, sollte sich Zeit nehmen für das, was die Umgebung zu bieten hat. Ein Spaziergang entlang des Glimtå, der im Cedar Shade entspringt und sich durch die Felder und Wälder bis zum Mare Internum schlängelt, ist ein Erlebnis für sich. Der Bach ist klar und kalt, und an seinen Ufern wachsen Farnkräuter und Moose, die dem Ort etwas Ursprüngliches, fast Märchenhaftes verleihen. Die Felder im Westen, die sich bis zum Horizont ziehen, werden von den Bauern der Umgebung bestellt, und im Sommer, wenn der Weizen goldbraun in der Sonne steht, bietet sich ein Bild, das an die großen Gemälde der Blumenländer Malerschule erinnert. Und wenn man dann noch den Mut aufbringt, den Florica-Wald zu durchstreifen, der hier so dicht und geheimnisvoll ist wie eh und je, dann kann man verstehen, warum die Menschen in Zooheim so eine tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimat verspüren. Vielleicht ist es diese Mischung aus tiefer Ruhe, ursprünglicher Natur und herzlicher Gastlichkeit, die Zooheim zu einem Ort macht, an dem man die Seele baumeln lassen kann – und der einen, wenn man ihn einmal besucht hat, so schnell nicht wieder loslässt.


Verkehrsverbindungen:
Straße: B4 (W: Greifenfels 9km, O: Klein Nova 5km, Nova 13km; L9 (N: Papiermühle 7km); Feldweg (NW: Eierbach 11km)

LandBlumenland
LandkreisKomerz
Gemeinde: B-5190 Zooheim