
(Pop.: 1.543 – 2m NN)
Wer die Küstenbahnlinie 113 einmal in ihrem gemächlichen Takt zwischen Nova und Bierona entlangzuckeln lässt, der passiert irgendwann eine Stelle, an der der Florica-Wald bis fast ans Gleis heranrückt und die Novabucht in schimmernden Streifen zwischen den Stämmen aufblitzt. Hier, wo der Zug kurz vor einem kleinen Haltepunkt fast zum Stillstand kommt, liegt Klein Nova – ein Dorf, das mit seinen 1.543 Seelen auf kaum mehr als zwei Metern über dem Meeresspiegel geradezu in die Landschaft hineingedrückt scheint. Der Name ist bezeichnend: Was die geschäftige Hauptstadt Nova im Osten an Größe und Betriebsamkeit besitzt, das hat Klein Nova an Bescheidenheit und heimlichem Zauber doppelt und dreifach wieder gutzumachen. Die Ortschaft schmiegt sich in eine sanfte Bucht des Mare Internum, umgeben vom dichten Küstenwald, dessen Buchen und Eichen sich bis dicht an die Dünen heranwagen. Wer aus dem Zug steigt, dem fällt sofort die Stille auf – eine Stille, die nur vom Rauschen der Blätter und dem fernen Rufen der Möwen durchbrochen wird. Die Dorfstraße windet sich von der Küste landeinwärts, gesäumt von einigen wenigen, aber umso sorgfältiger gepflegten Häusern, und mündet schließlich in den Ortskern, wo eine mächtige, alte Linde das unbestrittene Zentrum bildet.

An dieser Linde steht die jahrhundertealte Lindenkirche, deren Dachkonstruktion aus dem 14. Jahrhundert stammt. Es ist ein schlichter, aber eindrucksvoller Bau – ein Kleinod der Gotik, das den wechselvollen Zeiten des Blumenlandes getrotzt hat. Die Legende will, dass die Linde selbst von einer der frühen Königinnen des Landes gepflanzt wurde, um den Ort des Gotteshauses für die Ewigkeit zu markieren. Die Kirche ist bis heute das geistliche Herz des Dorfes. Hier versammelt sich die kleine, aber lebendige Gemeinde unter der Leitung der jungen ortsansässigen Pfarrerin Amandine Dubois. Regelmäßige Gottesdienste, im Sommer auch am Strand und die traditionellen Erntedankfeste, bei denen die Gaben des Waldes gesegnet werden, prägen den Rhythmus des Jahres.

Klein Nova ist ein Dorf der stillen Tüchtigkeit, ein Ort, an dem Handwerk, Forschung und eine ungewöhnliche Leidenschaft für die schönen Künste ein harmonisches Miteinander bilden. Der klügste Kopf des Ortes wohnt in einem unscheinbaren Gebäude am Rande des Florica-Waldes: das Institut für Kunst- und Musikwissenschaft. Eine Einrichtung, die derart bedeutend ist, dass sie in einem so kleinen Dorf beinahe überrascht. Hier forschen Wissenschaftler aus dem ganzen Landkreis Komerz und darüber hinaus zur Ikonografie der Landauri-Renaissance und zur Musiktheorie des Mittelalters. Die dazugehörige Fachbibliothek ist ein Paradies für jeden, der sich in diesen Disziplinen verlieren möchte. Zwischen den hohen Regalen aus dunklem Holz duftet es nach altem Papier und Wachs. Die Leitung dieser Schatzkammer obliegt Bibliothekarin Zahra Al-Mansouri, einer Frau von unbestechlicher Sachkenntnis und einer Vorliebe für Ordnung, die jeder Katalogisierung zur Ehre gereicht. Ihr zur Seite steht Bibliothekar Harper Dawson, ein stiller, bedächtiger Mann, der die seltenen Handschriften und Folianten hütet wie einen Schatz. Es ist ein Glücksfall für die Gäste des Dorfes, dass das Institut seinen Besuchern einen ganz besonderen Service bietet: eine angeschlossene Strandbibliothek. Direkt an der Novabucht, wenige Schritte vom Sand entfernt, laden leichte Liegestühle und schattenspendende Sonnenschirme zum Schmökern ein – ein Angebot, das vor allem von den Touristen begeistert angenommen wird, die den Weg hierher finden. Dass dieses System reibungslos funktioniert, ist nicht zuletzt das Verdienst von Controllerin Idris Bahmani, die mit ruhiger Hand die Finanzen und die Logistik der Einrichtung im Griff hat und dafür sorgt, dass die Bücher pünktlich ihren Weg an den Strand und zurück finden.

Doch das kulturelle Leben des Dorfes wäre ohne seine Handwerker nicht vollständig. In der „Holz & Herz Möbeltischlerei“ am nördlichen Ortsausgang arbeitet Meister Tischlerin mit ihren Gesellen an Möbeln, die man heute anderswo kaum mehr findet. Aus dem heimischen Eichen- und Nussbaumholz des Florica-Waldes entstehen hier Tische und Schränke, deren solide Verarbeitung und schlichte Schönheit an die beste Handwerkstradition des Blumenlandes anknüpfen. Die Werkstatt duftet nach Spänen und Leinöl, und wer das Glück hat, bei einem Rundgang einen Blick über die Schulter der Handwerker werfen zu dürfen, versteht sofort, warum die Möbel aus Klein Nova bis in die Kreisstadt Komerz und sogar nach Nova hinein begehrt sind.

Ein paar Häuser weiter, in der Dorfstraße, befindet sich das Schneideratelier „Fadenflug“. Hier entstehen in mühseliger Kleinarbeit Kleider und Anzüge, aber auch freizügige Strandkleidung, die Tradition und Moderne auf eine Weise vereinen, die manchem Großstadtatelier zur Ehre gereichen würde. Die Inhaberin Claudia Engel, eine Meisterin ihres Fachs, ist bekannt für ihre feinen Stickereien, die oft Motive des Florica-Waldes aufgreifen – ein Blatt, eine Blüte, ein scheues Reh – und so ein Stück Heimat in jedes Kleidungsstück einweben.

Das Leben in Klein Nova folgt einem eigenen Takt. Morgens, wenn der Nebel noch über der Novabucht hängt, sieht man die Fischer ihre Boote zu Wasser lassen. Diejenigen, die nicht zur Arbeit in die Stadt pendeln oder in den Handwerksbetrieben des Dorfes beschäftigt sind, kümmern sich um die Gärten, die hier fast jeden Hof umgeben. Die Gäste des Ortes finden in den Ferienwohnungen im Ort eine behagliche Unterkunft – meist in liebevoll restaurierten Bauernhäusern, die mit viel Geschmack eingerichtet sind. Wer es noch ursprünglicher mag, kann eine der einfachen, aber gemütlichen Waldhütten mieten, die verstreut im Florica-Wald liegen. Sie sind das ideale Quartier für alle, die die Ruhe des Küstenwaldes suchen, das Zwitschern der Vögel und das Rascheln der Blätter über sich hören und beim Erwachen den Blick durch die Baumkronen auf das Meer schweifen lassen möchten. Die Strände von Klein Nova sind ein Geheimtipp. Feiner, heller Sand säumt die Bucht, das Wasser ist klar und lädt an warmen Tagen zum Baden ein. Vor allem im Sommer, wenn die Sonne über dem Mare Internum steht, ist es hier ein stilles Vergnügen – weit ab vom Trubel der größeren Badeorte wie Bad Novamünde. Der Florica-Wald selbst ist ein Wanderparadies. Gut ausgeschilderte Wege führen durch das dichte Unterholz, vorbei an uralten Buchen und moosbewachsenen Felsen, immer wieder mit Ausblicken auf die schimmernde Novabucht.
Der gesellige Mittelpunkt des Dorfes aber ist die Pension „Waldruh“ an der Dorfstraße. Hier, unter den alten Kastanien, die mit ihren mächtigen Kronen einen schattigen Biergarten bilden, trifft sich, was in Klein Nova Rang und Namen hat. Der Wirt serviert die herzhaften Spezialitäten der Region: gebratenen Fisch aus der Bucht, Wildgerichte aus dem Wald und dazu ein kühles Blumenländer Bier. Abends, wenn die Kastanien im Licht der Fackeln und Lampions stehen, ist der Biergarten der Ort, an dem Geschichten erzählt und Neuigkeiten ausgetauscht werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man hier bei einem Glas Wein auch Bibliothekarin Zahra Al-Mansouri oder Controllerin Idris Bahmani beim geselligen Gespräch antrifft. Der Ort lebt von diesen Begegnungen, von der Mischung aus Einheimischen, Wissenschaftlern und den wenigen, aber umso dankbareren Gästen, die den Weg in dieses kleine Paradies gefunden haben. Denn wer einmal in Klein Nova war, der vergisst den Duft des Waldes, das Rauschen des Meeres und die Gastfreundschaft seiner Bewohner so schnell nicht wieder.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: BZF113 stündlich 6:58–19:58 über Bad Novamünde und Mule nach Bierona, 20:58 nach Mule, 21:58 nach Bad Novamünde; 6:12–21:12 nach Nova
Straße: L3 (N: Eierbach 9km); via L3 zur B4 (W: Zooheim: 5km, O: Nova 9km); Straße durch den Florica-Wald (W: Bad Novamünde 7km)
Land: Blumenland
Landkreis: Komerz
Gemeinde: B-5140 Klein Nova

