
(Pop.: 324 – 58m NN)
Manchmal sind es die stillen Orte, die am tiefsten in Erinnerung bleiben. Huttstedt, ein Dorf mit 324 Seelen, eingebettet in die sanften Wellen der Blumenthal-Ebene auf gerade einmal 58 Metern Höhe, ist ein solcher Ort. Es liegt, als hätte es die Zeit vergessen, zwischen den ausgedehnten Weideflächen, die sich wie ein grünes Meer bis zum Horizont erstrecken. Die B43, die das Dorf im Westen mit dem beschaulichen Nassau (nur sieben Kilometer entfernt) und im Osten mit dem Norden der Hauptstadt Nova verbindet, ist eine Lebensader. Doch wer hier von der Straße abbiegt, betritt eine Welt, in der das Rauschen des Windes durch die Weiden und das ferne Muhen der Blumenland-Rinder die Geräuschkulisse bestimmen. Die L3 wiederum führt gen Süden, mitten hindurch durch ein kleines Wäldchen, das Tranquil Thicket, und weiter nach Eierbach, das für seine Töpferei und ein überraschendes Rührei mit Zimt bekannt ist.

Das Herz des Dorfes aber, das unbestrittene Zentrum allen Lebens, ist die barocke Dorfkirche. Schon von Weitem grüßt ihr Turm über die Dächer der niedrigen Häuser, ein markanter Punkt in der flachen Landschaft. Ihr eigentlicher Schatz verbirgt sich jedoch im Inneren: ein bemerkenswerter Kanzelaltar, der zu den schönsten seiner Art in der Region gezählt werden darf. Geschaffen wurde dieses Meisterwerk im 19. Jahrhundert von einem Mann, dessen wahrer Name nie bekannt wurde. Die Legende kennt ihn nur als den „langen Karl“, einen kunstbegabten Zimmermann, dessen Hände nicht nur diesen Altar schnitzten, sondern auch die hölzerne Kassettendecke der Dorfkirche im benachbarten Eierbach.

Wer heute die Kirche betritt, steht vor einem Zeugnis stiller, handwerklicher Hingabe. Die Figuren und Ornamente des Altares erzählen von einer Hingabe an den Glauben und an die Schönheit des Holzes, die den Besucher in ihren Bann zieht. Die Gemeinde ist klein, aber lebendig. Pfarrerin Annegret Weigand, eine Frau mit freundlichem, aber bestimmtem Blick, hält hier sonntags die Gottesdienste, die oft von einem Gefühl der Vertrautheit und Gemeinschaft geprägt sind, wie es in den großen Städten längst verloren gegangen ist. Der Friedhof neben der Kirche, umgeben von alten Bäumen, ist ein Ort der Stille und des Gedenkens, der die Vergänglichkeit des Lebens ebenso wie die Beständigkeit der Natur widerspiegelt.

Nur einen Kilometer südlich von Huttstedt beginnt das Tranquil Thicket, ein kleines, aber feines Wäldchen, das seinem Namen alle Ehre macht. Hier entspringt der Frostbeek, ein munterer Bach, der sich auf einer Länge von zehn Kilometern seinen Weg durch die Wiesen bahnt, bevor er östlich bei Nova in den großen Nova-Fluss mündet. Die L3, die Verbindung nach Eierbach, führt mitten durch dieses kleine Paradies. Genau dort, wo die Straße den Bach quert, hat sich ein kleiner Fahrrad-Rastplatz etabliert, der vor allem an den Wochenenden zum lebhaften Mittelpunkt wird. Dann öffnet Familie Hoffmann ihren Imbiss und Biergarten, und der Duft von gegrillten Würstchen und kühlem Blumenländer Bier mischt sich mit dem Waldgeruch. Hier treffen sich Radfahrer auf der Tour zwischen Nova und den umliegenden Dörfern, Spaziergänger aus Huttstedt und gelegentlich auch ein paar Ausflügler aus der Kreisstadt Novafurt. Der Biergarten ist ein Ort der Begegnung, an dem unter schattigen Bäumen Geschichten ausgetauscht werden und das Leben in seiner einfachsten, schönsten Form zelebriert wird.

Huttstedt ist ein Ort des Handwerks und der kleinen, feinen Betriebe, die das Gesicht der Gemeinde prägen. Da ist zum einen die Firma HeatSolve Heizsysteme, ein kleines, aber hochspezialisiertes Unternehmen, das unter der Leitung von Techniker Brooklyn Pierce innovative Heiztechnologie entwickelt. Pierce, ein ruhiger Mann mit einem scharfen Verstand für technische Zusammenhänge, hat es sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltige und effiziente Heizlösungen für die oft alten und denkmalgeschützten Gebäude der Region zu entwickeln. Sein Betrieb ist ein gut gehütetes Geheimnis, das weit über die Grenzen des Blumenlandes hinaus für seine kreativen Ansätze bekannt ist.

Gleich um die Ecke, in einer alten Scheune, die liebevoll renoviert wurde, befindet sich die Schreinerei Holz & Herz. Hier arbeitet Meisterin Emilia Berger mit einer Handvoll Gesellen und Auszubildenden. Ihr Spezialgebiet sind maßgefertigte Möbel und der Innenausbau, bei dem sie die natürliche Schönheit des Holzes in den Vordergrund stellt. Der Duft von frisch gehobeltem Eichen- und Kirschbaumholz weht oft über die Dorfstraße und verrät, wo gearbeitet wird.

Ein ganz anderes, aber nicht weniger faszinierendes Handwerk wird von Nyala Tesfaye betrieben. Die Goldschmiedin hat sich in einem kleinen, lichtdurchfluteten Atelier am östlichen Dorfrand niedergelassen. Ihre filigranen Schmuckstücke, die sie aus Gold, Silber und gefundenen Materialien wie alten Münzen oder Glasperlen fertigt, sind kleine Kunstwerke. Sie erzählen oft Geschichten – von der Landschaft, von der Natur oder von den Menschen, die sie tragen sollen. Es ist ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint und der Besucher die Geduld findet, ein wirklich einzigartiges Stück zu finden.

Selbst die alltäglichen Dienstleistungen werden in Huttstedt mit einer persönlichen Note versehen. Laura Koch, die Inhaberin von Laura Koch Gebäudereinigung, ist eine Institution. Sie und ihr kleines Team sorgen dafür, dass nicht nur die öffentlichen Gebäude, sondern auch viele Privathäuser im Dorf in bestem Glanz erstrahlen. Man trifft sie häufig mit ihrem Eimer und Wagen auf dem Weg zu einem Einsatz, und sie weiß immer, wo der Schuh drückt – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Wenn der Magen knurrt, ist das Gasthaus Zum Kornfeld die erste Adresse. Es liegt direkt an der Hauptstraße und ist mit seinem gemütlichen Gastraum und dem schattigen Biergarten der gesellige Mittelpunkt des Dorfes. Hier kocht Wirtin Helga Maiwald, unterstützt von ihrem Sohn Stefan, bodenständige Blumenländer Küche: deftige Eintöpfe, saftige Schnitzel aus eigener Schlachtung und als Krönung der hausgemachte Apfelstrudel, der nach einem langen Spaziergang durch die Weiden oder das Tranquil Thicket wie der Himmel auf Erden schmeckt. Der Stammtisch der Einheimischen, eine bunte Runde aus Landwirten, Handwerkern und dem pensionierten Lehrer Jürgen Feldmann, tagt hier jeden Donnerstagabend und diskutiert lautstark über Gott und die Welt.
Für den täglichen Bedarf ist das Lebensmittelgeschäft von Famila Ziegler unverzichtbar. Es ist mehr als nur ein Laden; es ist ein Ort der Begegnung. Hier wird nicht nur eingekauft, hier wird geklönt, werden Neuigkeiten ausgetauscht und kleine Gefälligkeiten organisiert. Die Regale sind gut gefüllt mit regionalen Produkten, von frischem Gemüse aus den umliegenden Gärten bis hin zum berühmten Bergkäse der Hettstedter Agrarkooperative.
Verkehrsverbindungen:
Straße: B43 (W: Nassau 7km, O: Nova Nord 6km); L3 (S: Eierbach 7km, N: Freidorf 13km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2160 Huttstedt

