
(Pop.: 278 – 63m NN)
Wer Nassau sucht, sollte nicht nach dem gleichnamigen Dorf in Kohlonia Ausschau halten. Das Nassau, von dem hier die Rede ist, ist ein winziges, fast beschaulich wirkendes Dorf im Westen der Blumenthal-Ebene, das mit seinen 278 Einwohnern auf 63 Metern Höhe eine eigene, leise Melodie spielt. Der Name täuscht ein wenig, denn allzu nass ist es hier nicht – die ausgedehnten Weideflächen ringsum sind zwar sattgrün, aber der Boden ist gut durchlässig, und die Arbeit auf den Feldern ist gesegnet. Nur wer genau hinsieht, entdeckt in der Ortsmitte den kleinen Mühlteich, der dem Ort seinen Namen gegeben haben könnte – eine Legende besagt, dass sich hier einst ein Tümpel befand, in dem die Kühe der ersten Siedler so gerne wateten, dass bald jeder nur noch vom „nassen Au“ sprach.
Die Landschaft ringsum ist von sanften Hügeln und weiten Weiden geprägt, auf denen die charakteristischen schwarz-weißen Blumenland-Rinder grasen. Das Blumenland, das Herz der Inselwelt Landauri, zeigt sich hier von seiner produktivsten Seite. Die Nova, der große Fluss des Landes, fließt zwar einige Kilometer weiter östlich, aber sein Einfluss ist überall spürbar – im fruchtbaren Boden, im milden Klima und in der Ausrichtung der Dörfer, die sich wie Perlen an einer unsichtbaren Schnur entlang der Täler reihen. Die B43 führt von Tretwitz im Nordwesten durch die sanfte Hügellandschaft direkt nach Nassau, während die L12 die Verbindung nach Kurzhausen im Südwesten herstellt und der Novefurter Weg den Ort mit der Kreisstadt Novafurt verbindet. Von der Hauptstadt Nova ist Nassau nur einen Katzensprung entfernt, und doch fühlt es sich an wie eine eigene kleine Welt.
Das Herz des Dorfes bildet die schlichte, aber anmutige Dorfkirche, ein Bau aus hellem Sandstein mit einem kleinen, von alten Linden beschatteten Friedhof. Die Kirche ist kein prunkvolles Bauwerk, aber sie hat eine würdevolle Ruhe, die jeden Besucher willkommen heißt. Der Legende nach soll der Grundstein von einem wandernden Mönch gelegt worden sein, der hier auf seiner Reise Rast machte und von der Schönheit des Lichts, das über die Weiden fiel, so ergriffen war, dass er beschloss, an diesem Ort ein Gotteshaus zu errichten. Heute ist die Kirche der Mittelpunkt des Gemeindelebens – sonntags versammeln sich die Nassauer hier, und die Gottesdienste sind oft von einer ergreifenden Einfachheit, die in der Hektik der Städte längst verloren gegangen ist.

Wer Nassau besucht, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, die Zauberhafte Keramik zu besuchen, eine kleine Töpferei am östlichen Dorfrand. Hier, in einem alten Fachwerkhaus mit einer blau gestrichenen Tür, entstehen unter den Händen der Töpferin und Biologin Hanna Eriksson die schönsten Gefäße der Region. Hanna, die tagsüber im Auftrag des Landkreises die Flora und Fauna der Blumenthal-Ebene erforscht, widmet sich abends und an den Wochenenden ihrer großen Leidenschaft: dem Töpfern. Ihre Keramik ist von der Natur inspiriert – die Glasuren in sanften Grüntönen erinnern an die Weiden, die erdigen Brauntöne an den Boden, auf dem die Rinder grasen. Besucher können ihr über die Schulter schauen und bei einem Glas selbstgepresstem Apfelsaft mit ihr über die Kunst des Brennens und die Geheimnisse der heimischen Pflanzenwelt plaudern.

Nur wenige Schritte entfernt, an der Kreuzung zur B43, liegt das Café Silberblatt, der gesellige Mittelpunkt des Dorfes. Hier backt Lea Hartung noch nach Großmutters Rezepten – ihr Sauerteigbrot ist ebenso legendär wie ihre Butterplätzchen, die mit einer Prise Blumenland-Salz verfeinert werden. Lea ist nicht nur Bäckerin, sondern auch eine leidenschaftliche Kaffeerösterin. In einem kleinen Anbau hinter der Backstube betreibt sie ihre eigene Rösterei, in der sie Bohnen aus den Hochlagen des Zentralmassivs zu einem milden, vollmundigen Kaffee verarbeitet. Das Café Silberblatt ist der Ort, an dem sich die Nassauer treffen, um die neuesten Dorfneuigkeiten auszutauschen, und wo Besucher bei einer Tasse des hausgerösteten Kaffees und einem Stück des berühmten Rhabarberkuchens den Alltag hinter sich lassen können.

Ein besonderes Juwel Nassaus ist das Institut für Kunstpädagogik und Ästhetische Bildung, das in einem ehemaligen Gutshaus am westlichen Ortsausgang untergebracht ist. Das Institut, das weit über die Grenzen des Landkreises Novafurt hinaus bekannt ist, widmet sich der Erforschung und Vermittlung von kreativen Prozessen. Es zieht Künstler und Pädagogen aus der gesamten Inselwelt Landauri an, die hier in den lichtdurchfluteten Ateliers arbeiten und ihre Ideen entwickeln. Die Bibliothek des Instituts ist eine der besten zur Kunstpädagogik im Blumenland und steht auch Besuchern offen. In ihren Regalen finden sich seltene Bände zur Farbenlehre, zur Geschichte der ästhetischen Bildung und unzählige Bildbände, die zum Blättern und Träumen einladen. Wer Glück hat, begegnet hier der Ingenieurin Laleh Daryani, die im Institut an interaktiven Installationen arbeitet und Besuchern gerne die Verbindung von Technik und Kunst erklärt.

Die wirtschaftliche Seele Nassaus aber sind die Nassauer Milchwerke. Das Gebäude der Molkerei am nördlichen Ortsrand ist ein imposanter Bau aus rotem Backstein, der schon von Weitem sichtbar ist. Hier wird die Milch der umliegenden Weidebetriebe zu Joghurt und Quark verarbeitet, die in der gesamten Region vertrieben werden. Die Produkte der Nassauer Milchwerke sind für ihre cremige Konsistenz und ihren unverwechselbaren Geschmack bekannt, der von der hochwertigen Weidemilch der Blumenthal-Rinder herrührt. Der Duft von frischer Milch und Joghurt liegt oft über dem Dorf und vermischt sich mit dem Geruch von frisch gemähtem Heu und dem würzigen Aroma der Kräuter, die auf den Weiden wachsen.

Für Reisende, die länger verweilen möchten, gibt es in Nassau einige einfache, aber herzliche Übernachtungsmöglichkeiten. Der Gasthof „Zur alten Molkerei“ am Dorfplatz bietet drei gemütliche Zimmer mit Blick über die Weiden, und die Bäuerin Familie Vogt vermietet zwei Gästezimmer auf ihrem Hof, wo man das Landleben aus nächster Nähe erleben kann. Das Institut für Kunstpädagogik bietet zudem in den Sommerferien Künstlerresidenzen an, bei denen Gäste für einige Tage oder Wochen im Gutshaus wohnen und an ihren eigenen Projekten arbeiten können.
Nassau ist ein Ort der leisen Töne, der Kunstfertigkeit und der Verbundenheit mit der Natur. Es ist kein Dorf für Hektiker, sondern für diejenigen, die den Duft von frischer Milch, den Geschmack von hausgeröstetem Kaffee und die Wärme einer Gemeinschaft schätzen, die noch zusammenhält. Wer einmal hier war, versteht, warum die Nassauer so stolz auf ihr kleines Fleckchen Erde sind – und warum sie es liebevoll das „Herz der Weiden“ nennen.
Verkehrsverbindungen:
Straße: B43 (NW: Tretwitz 13km, O: Huttstedt 7km); L12 (SW: Kurzhausen 8km); Novefurter Weg (NO: Novafurt 16km), Waldfelser Straße (W: Waldfels 9km)
Land: Blumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2170 Nassau (Blumenland)

