Hafer (Gemeinde Salzquell (Kohlonia) – Kreis Boxbucht – Kohlonia)

(Pop.: 21 – 578m NN)

Wer nach Hafer kommt, hört den Weiler meist, bevor er ihn sieht. Hinter einer Biegung des schmalen Feldwegs mischt sich das Blöken der Schafe unter das Rauschen des Kohlgebirgswaldes, dann erscheinen ein lang gestrecktes Wohnhaus, zwei Ställe und eine dunkle Holzscheune auf einer offenen Hangwiese. Hafer liegt auf 578 Metern Höhe am Waldrand und gehört zur Gemeinde Salzquell. Mit 21 Einwohnern ist der Ort einer der kleinsten Weiler im dünn besiedelten Landkreis Boxbucht, dessen Landschaft vom Kohlgebirge über bewässerte Täler bis zur Nordmeerküste reicht.

Sämtliche Bewohner gehören zu einer weit verzweigten Familie, die seit mehreren Generationen gemeinsam den Haferhof bewirtschaftet. Die älteren Familienmitglieder erzählen, der Ortsname gehe auf eine kleine Ackerfläche zurück, auf der früher das einzige Getreide der Umgebung zuverlässig reifte. Als der Hof noch mit Pferden arbeitete, wurde der Hafer vor allem als Futter benötigt. Heute wächst auf dem windgeschützten Feld unterhalb der Scheune weiterhin eine robuste Gebirgssorte. Sie wird nicht nur verfüttert, sondern im Spätsommer auch zu Haferflocken und Hafermilch verarbeitet.

Den Mittelpunkt der Siedlung bildet der Haferhof an der einzigen Wegkreuzung. Das niedrige Haupthaus besteht aus Bruchstein, sein Obergeschoss ist mit dunklen Lärchenbrettern verkleidet. Daran schließen sich mehrere Wohnteile an, die im Laufe der Jahrzehnte für neue Familienzweige ergänzt wurden. Gegenüber stehen der Schafstall und die alte Futterscheune. Hinter den Gebäuden öffnen sich kleine Weiden, die von Trockenmauern und einfachen Holzzäunen begrenzt werden. Weiter oben beginnt der Wald nahezu unvermittelt. Fichten, Tannen, Buchen und vereinzelte Ebereschen bilden einen dichten Bestand, in dem die Familie Brennholz sammelt und im Herbst Pilze sucht. Diese Verbindung von Viehhaltung, Waldarbeit und weitgehender Selbstversorgung passt zu einer Region, die von kleinen Betrieben, Handwerk und lokaler Verantwortung geprägt ist.

Die Schafherde ist mit rund drei Dutzend Tieren überschaubar. Gehalten werden genügsame Bergschafe mit heller, dichter Wolle, die auch kühle Nächte und feuchten Nebel vertragen. Am Morgen treiben Émile Petit und seine Nichte Clara Petit die Tiere aus dem Stall. Gemolken wird in einem kleinen Raum neben der Futterkammer. Die täglich frische Schafmilch können Reisende direkt am Hof erhalten. Eine Holztafel am Weg zeigt an, ob Milch verfügbar ist. Bezahlt wird in einer bereitstehenden Blechdose oder durch Mithilfe, etwa beim Stapeln von Holz, beim Reinigen der Tränken oder beim Einholen von Zaunpfählen.

Ein Teil der Milch wird zu einem weichen Frischkäse verarbeitet, der mit Waldkräutern oder grobem Salz aus dem nahen Salzquell gewürzt wird. Das Dorf im Hamatal ist für sein von Hand betriebenes Salzbergwerk und die weißgrauen Häuser aus Salzgestein bekannt. Von dort kommt auch das Salz, das auf dem Haferhof zum Haltbarmachen des Käses verwendet wird. Die saisonale Hafermilch gibt es nur nach der Ernte, gewöhnlich für wenige Wochen. Sie schmeckt kräftiger und weniger süß als industriell hergestellte Varianten, da das Getreide über einem Holzfeuer leicht geröstet wird. Zum Probieren reicht die Familie meist dunkles Brot, Frischkäse und einen warmen Brei aus gequetschtem Hafer.

Die ungewöhnlichste Einrichtung des Weilers befindet sich auf einer ebenen Wiese zwischen Stall und Waldrand. Dort bietet die Yogalehrerin Louise Petit ihre Kurse „Yoga mit Schafen“ an. Sie lebte einige Jahre in Kohla, der historischen Hauptstadt Kohlonias, bevor sie auf den Familienhof zurückkehrte. Kohla ist die älteste geschichtlich belegte Stadt Landauris und zugleich das politische und kulturelle Zentrum des Landes. Louise Petit wollte bewusst nicht in der Stadt unterrichten. Ihre Kurse sollten dort stattfinden, wo Tiere, Wetter und Gelände den Ablauf mitbestimmen. Die Übungen beginnen meist am späten Vormittag, wenn das Gras abgetrocknet ist. Matten werden nicht verwendet; stattdessen liegen geflochtene Wolldecken auf der Wiese. Die Schafe bewegen sich frei zwischen den Teilnehmenden, legen sich daneben oder untersuchen Taschen und Jacken. Louise Petit baut diese Störungen in ihre Stunden ein. Niemand muss eine Haltung lange durchhalten, und wer wegen eines neugierigen Tieres lachen muss, stört den Kurs nicht. Bei Regen zieht die Gruppe in den offenen Heuboden um. Anschließend gibt es warme Hafermilch oder frische Schafmilch in der Wohnküche. Da höchstens acht Personen teilnehmen können und Louise ihre Termine nach Lammzeit, Heuernte und Wetter richtet, empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung über die Gemeindestelle in Salzquell.

Eine Gastwirtschaft, ein Geschäft oder ausgewiesene Gästezimmer besitzt Hafer nicht. Wandernde dürfen nach Absprache im Heuschober übernachten und nutzen den Waschplatz am Brunnen. Für weitere Versorgung führt der südliche Feldweg nach vier Kilometern hinunter nach Salzquell. Nach Osten erreicht man über einen steinigen Weg Kreuza. Der kleine Ort besteht aus wenigen Häusern und einer Kreuzkapelle. Im Nordwesten führt ein weiterer Feldweg nach Rain, während ein sechs Kilometer langer Waldpfad nach Hamamühle abzweigt. Dort betreibt die Familie Hagedorn eine historische Wassermühle, deren Rad Mahlsteine und Gattersäge antreibt; in der Wohnstube erhalten Durchreisende einfache warme Speisen. Einen Bahnanschluss gibt es in Hafer nicht. Nach starkem Regen sind die Wege schlammig, im Winter zeitweise nur zu Fuß passierbar.

Als klassische Sehenswürdigkeit lässt sich in Hafer allenfalls die alte Schäferbuche bezeichnen. Der mächtige Baum steht am oberen Weiderand und ist schon von den Wegen aus Rain und Kreuza zu erkennen. In seinen Stamm sind Namen, Jahreszahlen und kleine Schafköpfe eingeritzt. Einer Familienerzählung zufolge suchte während eines Herbststurms einmal die gesamte Herde unter der Buche Schutz und kehrte danach ohne Führung zum Stall zurück. Seither hängt an einem Ast eine kleine Glocke. Sie erklingt nur bei kräftigem Westwind.


Verkehrsverbindungen:
Straße: Feldwege (NW: Rain 4km, O: Kreuza 5km, S: Salzquell 4km), Waldpfad nach Hamamühle (SW: 6km)

Land: Kohlonia
Landkreis: Boxbucht
Gemeinde: K-4140 Salzquell (Kohlonia)
Ort: K-4141 Hafer