(Pop.: 1.998 – 3m NN)

Es gibt Orte, die ihre Besucher nicht mit lautem Trubel empfangen, sondern mit einer Stille, die man fast greifen kann. Sasnitz ist ein solcher Ort. Kaum zweitausend Menschen leben in diesem westlichsten Küstenort des Landkreises Komerz, eingebettet zwischen dem rauschenden Küstenwald und den sanften Wellen des Mare Internum. Der Legende nach verdankt das Dorf seinen Namen einem alten Seefahrer namens Sasno, der hier im 9. Jahrhundert nach einem Sturm strandete und das üppige Grün des Waldes so bezaubernd fand, dass er beschloss, zu bleiben und die erste Hütte zu errichten. Ob wahr oder nicht – der Geist der Abgeschiedenheit und der Verbundenheit mit der Natur ist Sasnitz bis heute geblieben.

Zwischen Wald und Meer: Die Landschaft um Sasnitz ist von einer bescheidenen, aber eindrucksvollen Schönheit. Das Dorf selbst liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel, eine flache, fast fragile Lage, die direkt an den endlos scheinenden Sandstrand grenzt. Hier, wo die Glanzrinne ihren Weg durch den dichten Küstenwald findet, um schließlich in das Mare Internum zu münden, verschmelzen Süß- und Salzwasser zu einem Lebensraum von einzigartiger Vielfalt. Die Glanzrinne, die weiter im Landesinneren bei Komerz entspringt, ist nicht nur eine geografische Besonderheit, sondern auch das Herzstück des örtlichen Angelvereins, dessen Mitglieder an ihren Ufern oft in stiller Andacht den Köder auswerfen.

Der Strand von Sasnitz ist ein Paradies für Individualisten. Kilometerweit erstreckt sich der feine, helle Sand, gesäumt von natürlichen Dünen und hier und da vom Seegras, das die Wellen angespült haben. Hier gilt ein ungeschriebenes Gesetz der Freiheit: Baden darf man überall und so, wie man es für richtig hält – mit oder ohne Textilien, und auch der vierbeinige Freund ist herzlich willkommen. Es ist diese Ungezwungenheit, die Sasnitz bei Gästen aus der ganzen Provinz so beliebt macht, fernab von überfüllten Strandkörben und strengen Badeordnungen.

Das geistliche und architektonische Zentrum des Ortes ist die Allerheiligenkirche. Sie ist kein prunkvoller Dom, sondern eine schlichte, fast klösterlich anmutende romanische Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert. Ihre Mauern aus behauenem Feldstein erzählen von einer Zeit, als das Christentum in dieser Region noch junge Wurzeln schlug. Drinnen ist es kühl und still, das Licht fällt durch schmale, hochliegende Fenster und taucht den Raum in ein sanftes Dämmerlicht. Der Legende nach soll der Bau der Kirche von Mönchen aus dem nahen Kloster von Komerz überwacht worden sein, die hier eine schlichte, aber würdige Station auf ihrem Pilgerweg entlang der Küste errichten wollten.

Wer heute durch Sasnitz streift, dem fällt die ungewöhnliche Mischung aus ländlicher Idylle und High-Tech-Industrie auf. Versteckt hinter einer hohen Hecke am östlichen Ortsrand liegt die Lunaris Optiktechnik GmbH, ein hochspezialisiertes Unternehmen, das Präzisionslinsen für medizinische Geräte fertigt. Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich das Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik, das eng mit der Universität in Nova zusammenarbeitet. Es ist kein Widerspruch, sondern eine faszinierende Symbiose: Hier forscht man an der Zukunft, während draußen vor der Tür die Möwen über den Dünen kreisen. Eine der prägenden Persönlichkeiten des Instituts ist die Ingenieurin Claire Richard, die vor fünf Jahren aus der Hauptstadt nach Sasnitz zog. Sie schwärmt oft von der Ruhe, die sie hier beim Entwickeln neuer Schaltkreise findet – eine Ruhe, die ihr in der Hektik Novas gefehlt habe.

Doch nicht jeder Besucher kommt der Wissenschaft wegen. Viele suchen das einfache Leben, das Sasnitz so authentisch bietet. Wer preiswert übernachten möchte, findet rund um den Ort einfache, aber gemütliche Waldhütten, die zwischen den Kiefern und Birken des Küstenwaldes verstreut liegen. Für mehr Komfort sorgen zwei kleine, familiengeführte Hotels im Ortskern, die mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft und einem reichhaltigen Frühstück mit regionalen Produkten punkten. Abenteurer und Naturliebhaber zieht es hingegen meist auf den gut gepflegten Campingplatz, der direkt hinter den Dünen liegt und einen atemberaubenden Blick auf den Sonnenuntergang über dem Meer bietet.

Ein kulinarisches Muss ist das Restaurant „Zum Holzanker“. Es ist kein feiner Schuppen, sondern ein uriges Lokal, in dem der Wirt, ein bärtiger Mann namens Knut Petersen, noch selbst hinter dem Herd steht. Seine Fish & Chips sind weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Der Fisch, meist Kabeljau oder Scholle, kommt direkt vom Kutter des ortsansässigen Fischers Henning Martens, und die knusprigen Pommes werden in Rinderfett frittiert – genau so, wie es die alteingesessenen Fischerfamilien seit Generationen schätzen.

Der Alltag in Sasnitz wird von einem regen Vereinsleben zusammengehalten. Neben dem bereits erwähnten Angelverein ist die Freiwillige Feuerwehr das soziale Rückgrat des Dorfes, die bei jedem Sommerfest den Bierstand betreibt. Der Dorfplatz, ein kleiner, von Linden gesäumter Anger, ist im Sommer der Treffpunkt für die Bewohner. Dann wird der alte Brunnen geschmückt, und die Kinder tollen um die Wasserspiele, während die Eltern bei einem Glas des lokalen Weins aus dem Blumenthal plauschen.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: BZF113 stündlich 6:25–20:25 über Mule nach Bierona, 21:25 nach Mule; 6:45–20:45 über Bad Novamünde nach Nova, 21:45 nach Bad Novamünde; BLB114 aller 2 Stunden 6:27-20:27 nach Waldfurt
Straße: L5 (N: Seyde 3,5km), Straße hinter den Dünen parallel zum Strand (W: Entenbad 8km, O: Opera 14km)

LandBlumenland
LandkreisKomerz
Gemeinde: B-5130 Sasnitz