(Pop.: 3.147 – 3m NN)

Wer von der Küstenstraße oder der L9 aus dem nahen Zooheim kommend in die Stadt Bad Novamünde einfährt, dem begegnen zunächst die feinen Sanddünen, die sich wie ein schützender Wall vor dem Mare Internum erheben. Doch hinter diesem ersten, fast kargen Eindruck verbirgt sich ein Kleinod, das seine Besucher mit einer überraschenden Mischung aus mondäner Geschichte, moderner Wissenschaft und beschaulichem Kleinstadtleben zu fesseln weiß.

Der Name der Stadt geht auf die nahegelegene Novabucht und die Mündung des Nova-Flusses zurück, doch die ursprüngliche Siedlung, die hier im Schatten der Dünen entstand, war ein bescheidenes Fischer- und Bauerndorf. Seinen Aufschwung erlebte Bad Novamünde erst um die Wende zum 20. Jahrhundert, als die heilende Wirkung der reinen, mit Salzen aus der Meeresbrise angereicherten Luft entdeckt wurde. Es war die Ära des aufkeimenden Kurbetriebs, die dem Ort seinen heutigen Namen und sein elegantes, fast nostalgisches Flair verlieh. Das historische Gradierwerk aus dem Jahr 1900 ist ein stilles Monument dieser Zeit. Es steht heute noch, ein riesiges Fachwerkgerüst aus dunklem Holz, über das Meerwasser rieselt und in der Sonne tausend kleine Lichter funkeln lässt. Ein Spaziergang daran entlang ist wie eine Reise in die Vergangenheit, als die elegant gekleideten Kurgäste die Promenade entlangflanierten und die heilsame Luft in vollen Zügen genossen.

Über allem thront das Wahrzeichen der Stadt: die Kirche St. Mauritius. Ein schlichter, aber eindrucksvoller Backsteinbau, der aus dem 15. Jahrhundert stammt und dessen gedrungener Turm weithin sichtbar ist. Die Legende will, dass der Turm einst als Leuchtfeuer für die Schiffe auf dem Mare Internum diente, bevor die Dünen die Sicht auf das Meer versperrten. Im Inneren ist es still und kühl; das Licht fällt durch schmale, hochliegende Fenster und taucht den Raum in ein warmes Dämmerlicht. Hier versammelt sich die kleine Kirchengemeinde unter der Leitung von Pfarrerin Dr. Johanna Bergmann zu den sonntäglichen Gottesdiensten, und die Orgel, ein prachtvolles Instrument aus dem 19. Jahrhundert, erklingt bei den regelmäßigen Konzerten, die Musikliebhaber aus dem ganzen Landkreis Komerz anziehen.

Doch Bad Novamünde ist mehr als nur ein stiller Kurort und eine idyllische Gemeinde. Der Ort beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an modernen Unternehmen und Einrichtungen, die ihm ein ganz eigenes, pulsierendes Leben verleihen. In einem unscheinbaren Gebäude am Rande der Stadt, nahe der Straße nach Opera, hat die TechnoInnovate AG ihren Sitz. Das Unternehmen, das sich auf anspruchsvolle Elektrotechnik spezialisiert hat, ist ein stiller, aber bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber für viele der Einwohner. Ähnlich unauffällig, aber für Kenner der Branche ein Begriff, ist die DeepSea Exploration GmbH. Direkt an der Küste gelegen, forscht und entwickelt das kleine, aber feine Unternehmen an Unterwassertechnologie und taucht in die Geheimnisse der Tiefsee ein. Dass ausgerechnet in Bad Novamünde Pioniere der Tiefseetechnik beheimatet sind, ist eine der charmanten Überraschungen, die dieser Ort zu bieten hat.

Das kulturelle und intellektuelle Zentrum der Stadt aber ist das renommierte Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung. In einer alten, von Efeu umrankten Villa am Rande der Heidelandschaft untergebracht, zieht es regelmäßig Wissenschaftler und Gastdozenten aus der Hauptstadt Nova an. Die Arbeit des Instituts prägt das öffentliche Leben der Stadt, und seine öffentlichen Vorträge finden stets ein interessiertes Publikum. Gegenüber der Villa, in einem kleinen, mit Schiefer gedeckten Häuschen, hat Kilian Schwarz sein Atelier. Der Fotograf, bekannt für seine eindringlichen Porträts, Akt- und Landschaftsaufnahmen, hat sich auf das besondere Licht der Küste spezialisiert. Seine Bilder, die die dramatischen Dünen und die Weite des Meeres einfangen, sind weit über die Grenzen des Blumenlandes hinaus bekannt.

Das Handwerkliche und Traditionelle wird in Bad Novamünde von Meistern ihres Faches gepflegt. In der Fußgängerzone, der „Alten Poststraße“, findet sich die Goldschmiede „Zarte Ziselierungen“. Hier fertigt der altehrwürdige Meister Ludwig Kern mit ruhiger Hand filigrane Schmuckstücke, die oft Motive der lokalen Flora und Fauna aufgreifen. Ein Besuch in seiner Werkstatt, in der es nach Wachs und edlen Metallen duftet, ist wie eine kleine Zeitreise in eine Welt der handwerklichen Perfektion. Gleich um die Ecke, am Marktplatz, der von alten Linden beschattet wird, betreibt Karl Fuchs sein Optikergeschäft. Der Mann mit dem freundlichen Blick und der Nickelbrille kennt nicht nur die Sehstärke seiner Kunden, sondern auch ihre Lebensgeschichten. Sein Geschäft ist ein Treffpunkt, eine Institution, an der die kleinen und großen Neuigkeiten des Ortes den Besitzer wechseln.

Das gesellschaftliche Leben in Bad Novamünde ist reich und vielfältig. Mittelpunkt des Nachttrubels ist die „Flüsternde Palmen Bar„. Wer den Namen hört, mag an eine laute Stranddisco denken, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Bar ist ein intimer Ort mit gedämpftem Licht und einer Terrasse, die von hohen Palmen beschattet wird, die bei jedem Windhauch leise rauschen. Hier trifft sich am Abend, wer bei einem Glas des lokalen Weins oder einem der kreativen Cocktails von Barkeeperin Elena Weber den Tag ausklingen lassen möchte. Es ist der Ort, an dem sich Ärzte und Wissenschaftler mit Handwerkern und Künstlern treffen, an dem über Politik und das neueste Forschungsprojekt des Instituts diskutiert wird.

Gesundheit ist in Bad Novamünde traditionell ein großes Thema. Die weithin sichtbare Klinik, das „Sanatorium am Heidekraut„, ist eine der renommiertesten Adressen für die Behandlung von Atemwegserkrankungen in der gesamten Region. Das milde Reizklima, die reine, salzhaltige Luft und die lindernde Wirkung des nahen Meeres ziehen Patienten aus dem gesamten Blumenland an. Eine der gefragtesten Spezialistinnen ist die Chirurgin Dr. Léa Perrin, die mit ihrer ruhigen und kompetenten Art weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Nicht nur die Patienten, auch das medizinische Personal aus Nova und der Kreisstadt Komerz sucht gelegentlich den Austausch mit der renommierten Ärztin.

Trotz aller internationalen Ausstrahlung hat Bad Novamünde sich seinen dörflichen Charakter bewahrt. Dienstags und freitags findet am Strand der Wochenmarkt statt. Hier verkauft die Bäckerfamilie Schmidt ihr knuspriges Brot und die duftenden Brötchen, und die Imkerei „Bienenglück“ von Familie Bäcker bietet ihren süßen, goldenen Honig aus der Heidelandschaft an. Die Menschen grüßen sich auf der Straße, und wer sich in die Gaststube des „Goldenen Ankers“ setzt, wird von Wirtin Martha Seidel mit einem herzhaften Schmortopf aus der regionalen Küche verwöhnt. Die Lage der Stadt, eingebettet zwischen den Dünen im Westen, dem Florica-Wald im Osten und den Feldern der Blumenthal-Ebene im Hinterland, macht sie zudem zu einem idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Der Weg nach Opera führt direkt durch die Dünenlandschaft, und die Straße nach Klein Nova schlängelt sich durch den schattigen Wald.

Bad Novamünde ist ein Ort der Kontraste, ein stiller Kurort mit einer hochmodernen Forschungsseele, ein beschauliches Dorf mit einer mondänen Vergangenheit. Es ist ein Platz, an dem die Zeit einen anderen Takt hat, an dem man das Rauschen des Meeres hört und den Duft der Heide atmet – ein Ort, den man nicht so schnell wieder vergisst.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: BZF113 stündlich 6:05–20:05 über Mule nach Bierona, 21:05 nach Mule; 6:05–21:05 nach Nova
Straße: L9 (N: Zooheim 5km); Straße hinter den Dünen (W: Opera 10km); Florica-Wald-Straße (O: Klein Nova 6km)

LandBlumenland
LandkreisKomerz
Gemeinde: B-5010 Bad Novamünde