(Pop.: 147 – 74m NN)

Wer Kurzhausen sucht, sollte den Blick nicht scheuen, über die Weiten der Blumenthal-Ebene schweifen zu lassen. Das Dorf mit seinen 147 Seelen liegt, eingebettet in ein sanftes Meer aus Feldern, auf 74 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist ein Ort, der leise spricht, aber wer hinhört, dem erzählt er Geschichten von einer bewegten Vergangenheit, von klösterlicher Stille und bäuerlichem Fleiß. Das Blumenland, das Herz der Inselwelt Landauri, präsentiert sich hier von seiner ländlichsten Seite: Weit und breit kein Trubel, nur das Rauschen des Windes im Getreide und der weite Blick über die Nova-Ebene bis zu den dunklen Silhouetten der Wälder im Südwesten.

Die Wurzeln Kurzhausens liegen tief im Boden der Geschichte. Bis ins 16. Jahrhundert stand hier ein Kloster, ein geistliches Zentrum mitten in der Agrarlandschaft. Das Jahr 1526 aber brachte die Auflösung, und nur ein knappes Jahrhundert später, 1625, verwüstete ein verheerender Brand die Kirche und sämtliche Gebäude. Von der einstigen Pracht sind heute nur noch ein paar Grundmauern zu sehen, die neben dem Dorfplatz aus dem Gras ragen. Sie sind stumme Zeugen einer vergangenen Ära und laden den Besucher ein, sich die klösterliche Stille vorzustellen, die einst hier herrschte.

Doch die Erinnerung an die frommen Mönche ist nicht ganz verloschen. In der kleinen Kapelle des Dorfes, einem schlichten, aber innigen Bau, sind Teile des Altars aus der alten Klosterkirche verbaut. Diese kunstvollen Fragmente, behutsam in das neue Umfeld integriert, sind ein stilles Heiligtum und ein berührendes Zeugnis der Kontinuität. Die Kapelle ist nicht nur ein Ort der Andacht, sondern auch ein lebendiges Geschichtsbuch aus Stein und Holz.

Das Herz des heutigen Kurzhausen aber schlägt in seinen Handwerksbetrieben und Höfen. Da wäre zunächst das „Tischlerparadies„, ein Betrieb, der seinem Namen alle Ehre macht. Hier duftet es nach frischem Holz und Leinöl, und die Meister ihres Fachs erschaffen Möbel und Gegenstände, die Generationen überdauern. Es ist ein Ort, an dem Tradition noch gelebt wird, weit weg von der Massenfertigung der Städte. Zwei große Bauernhöfe prägen darüber hinaus das Bild des Dorfes. Sie sind die wirtschaftlichen Pfeiler der Gemeinde. Auf ihren Feldern gedeiht das Korn, das später im Dorfladen zu knusprigem Brot gebacken wird.

Und dieser Dorfladen ist das soziale Zentrum des Ortes. Er ist mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Hier gibt es nicht nur die regionale Backstation, die täglich frisches Brot und Gebäck liefert, sondern auch eine Packstation für die Post. Doch was den Laden zu einem echten Anziehungspunkt macht, ist der abendliche Bierausschank. Wenn die Arbeit getan ist, treffen sich hier die Kurzhausener zum Plausch, tauschen Neuigkeiten aus und genießen die Gemeinschaft. Es ist der Ort, an dem der Puls des Dorfes spürbar wird.

Für die Menschen in Kurzhausen ist die Gemeinschaft das höchste Gut. Das liegt nicht zuletzt an Persönlichkeiten wie Grace Holloway, der Sozialarbeiterin des Ortes. Sie ist eine Konstante im Leben der Dorfbewohner, eine Ansprechpartnerin in allen Lebenslagen, die mit Herz und Verstand die kleinen und großen Probleme des Alltags begleitet. Sie ist das soziale Gewissen Kurzhausens und ein lebender Beweis dafür, dass in einem kleinen Dorf der Zusammenhalt großgeschrieben wird.

Wer die Stille Kurzhausens hinter sich lassen und die Natur erkunden möchte, dem sei ein Ausflug zum Cedar Shade empfohlen, einem Waldstück, das nur vier Kilometer südwestlich des Dorfes liegt. Es ist eine Oase der Ruhe, ein dichter, geheimnisvoller Wald, der einen Kontrast zu den weiten, offenen Feldern der Umgebung bietet. In seiner Mitte erhebt sich der „Kleine Bär“, ein Hügel von gerade einmal 105 Metern Höhe. Von seinem Gipfel aus genießt man einen wunderbaren Rundblick über die Blumenthal-Ebene, ein Panorama, das die Seele baumeln lässt. Die Legende besagt, dass der Name des Hügels auf einen Bären zurückgeht, der hier einst sein Lager hatte – eine Geschichte, die sich die Einheimischen gerne an langen Winterabenden erzählen.


Verkehrsverbindungen:
Straße: L9 (NW: Waldfels 7km, SO: Papiermühle 5km); L12 (NO: Nassau 8km); Feldweg zum Cedar Shade

LandBlumenland
LandkreisNovafurt
Gemeinde: B-2210 Kurzhausen