(Pop. 4.217, 76 m NN)

Großenhain gehört zu jenen Orten im Landkreis Novafurt, die ihre Geschichte nicht hinter Museumsvitrinen verstecken müssen, weil sie bis heute im Straßenbild sichtbar geblieben ist. Die Kleinstadt liegt in der weiten Blumenthal-Ebene unmittelbar am Fluss Nova und verbindet das handwerkliche Erbe des Blumenlandes mit einer bemerkenswerten Offenheit für Forschung und moderne Technologien. Zwischen den größeren Zentren Novafurt und Waldfurt gelegen, wirkt Großenhain auf den ersten Blick ruhig und überschaubar. Wer sich jedoch Zeit für einen Spaziergang nimmt, entdeckt rasch eine Stadt mit vielen Facetten.

Schon die gut erhaltene Stadtmauer prägt den ersten Eindruck. Sie umschließt große Teile der historischen Altstadt und erinnert an jene Zeit, als Großenhain ein wichtiger Marktort am oberen Lauf der Nova war. Einer örtlichen Erzählung zufolge soll der Name der Stadt auf einen besonders großen, von Weißdornhecken umgebenen Hain zurückgehen, der einst nahe des heutigen Marktplatzes lag. Ob die Geschichte stimmt, weiß niemand mehr genau, doch die zahlreichen Linden, Kastanien und Ahornbäume in den Altstadtgassen verleihen ihr eine gewisse Glaubwürdigkeit.

Mittelpunkt der Altstadt ist der langgestreckte Marktplatz. Hier erhebt sich das Alte Schloss, ein eleganter Renaissancebau mit hellem Putz, Sandsteingewänden und einem kleinen Turm über dem Eingangsportal. Einst residierten hier lokale Verwalter des Blumenlandes, heute dient das Gebäude als Rathaus der Gemeinde B-2040 Großenhain. Bürgermeisterin Helena Vogt empfängt Besucher häufig persönlich bei Stadtführungen, die während der Sommermonate angeboten werden. Besonders sehenswert ist der ehemalige Festsaal, dessen bemalte Holzbalkendecke aus dem späten 16. Jahrhundert erhalten blieb.

Nur wenige Schritte entfernt steht die Kirche St. Georg. Ihr Turm überragt die Dächer der Altstadt und dient vielen Reisenden als Orientierungspunkt. Im Inneren befindet sich die berühmte Georgs-Orgel, ein Instrument aus dem 18. Jahrhundert, dessen warmer Klang weit über die Kreisgrenzen bekannt ist. Organist Matthias Brenner veranstaltet regelmäßig Konzerte, bei denen Werke blumenländischer und internationaler Komponisten erklingen. Die Kirche bildet zugleich einen wichtigen Treffpunkt des Gemeindelebens und ist Austragungsort des jährlichen Georgsfestes im Frühjahr.

Handwerk besitzt in Großenhain bis heute einen außergewöhnlich hohen Stellenwert. In mehreren Werkstätten entlang der Töpfergasse entstehen Keramiken, die auf den Wochenmärkten des gesamten Kreises verkauft werden. Die Werkstatt von Klara Winter ist besonders für ihre blau glasierten Schalen bekannt, deren Muster an die Windungen der Nova erinnern. Daneben haben sich Korbflechter angesiedelt, die traditionelle Techniken bewahren. Eine Besonderheit stellt die historische Seilerei Hartmann dar. Dort werden noch immer robuste Hanf- und Naturfaserseile nach Verfahren gefertigt, die teilweise seit Generationen unverändert geblieben sind. Besucher dürfen die Werkhallen besichtigen und erleben, wie aus einfachen Fasern fertige Taue entstehen.

Von besonderer Bedeutung für die Wirtschaft der Stadt ist die Hainer Spielzeugmanufaktur. Das Unternehmen wurde vor mehr als hundert Jahren gegründet und fertigt hochwertige Holzspielzeuge. Kleine Eisenbahnen, Baukästen, Steckfiguren und kunstvoll bemalte Tiere verlassen täglich die Werkstätten. Viele Familien im Blumenland besitzen mindestens ein Spielzeug aus Großenhain, und auch Besucher nehmen die sorgfältig gefertigten Produkte gern als Souvenir mit nach Hause.

Dass traditionelles Handwerk und moderne Industrie kein Widerspruch sein müssen, zeigt die Firma CraftWood Holzwerke am östlichen Stadtrand. Das Unternehmen verarbeitet Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu Möbelteilen, Spielzeugkomponenten und hochwertigen Innenausstattungen. Produktionsleiter Nils Hartung arbeitet eng mit regionalen Betrieben zusammen und setzt auf kurze Lieferwege. Ein Teil des Holzes findet seinen Weg direkt in die Hainer Spielzeugmanufaktur, wodurch ein lokaler Wirtschaftskreislauf entstanden ist.

Noch futuristischer wirkt der Unternehmenssitz der Intellibuild Constructions KG. Die Firma entwickelt intelligente Baukonzepte für Wohngebäude, öffentliche Einrichtungen und kleinere Gewerbebauten. Sensorik zur Energieeinsparung, flexible Raumlösungen und nachhaltige Baustoffe gehören zu ihren Spezialgebieten. Gegründet wurde das Unternehmen unter anderem von der Softwareentwicklerin Jana Köhler, die aus Großenhain stammt und nach mehreren Jahren in Nova in ihre Heimatstadt zurückkehrte. Ihr Engagement gilt nicht nur dem Unternehmen, sondern auch verschiedenen Bildungsprojekten für Jugendliche, die sich für Technik interessieren.

Einen wissenschaftlichen Akzent setzt das Institut für Sozialwissenschaften und Demografie. Es befindet sich in einem modernen Gebäudekomplex nahe dem Flussufer und untersucht Bevölkerungsentwicklung, regionale Wirtschaftsräume und gesellschaftliche Veränderungen im Blumenland. Unter der Leitung von Professor Dr. Leonard Weiss arbeiten hier Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Teilen Landauris. Für eine Stadt dieser Größe stellt das Institut eine bemerkenswerte Einrichtung dar und bringt regelmäßig Gäste und Tagungsteilnehmer nach Großenhain.

Wer mehr über die Vergangenheit des Ortes erfahren möchte, sollte das Lokale Museum für Stadtgeschichte besuchen. Untergebracht in einem ehemaligen Kaufmannshaus an der Marktstraße, dokumentiert es die Entwicklung Großenhains von einer kleinen Siedlung am Fluss zu einer bedeutenden Handwerkerstadt. Besonders beliebt sind die Ausstellungen zur Spielzeugherstellung und zum Leben der Flussschiffer auf der Nova. Museumsleiterin Sophie Reinhardt versteht es, historische Themen lebendig und verständlich zu vermitteln.

Trotz seines historischen Charakters bietet Großenhain auch moderne Einkaufsmöglichkeiten. Am südlichen Ortsrand liegt das Einkaufszentrum an der B5, das Bewohner aus der gesamten Umgebung anzieht. Neben einem Supermarkt finden sich dort Bekleidungsgeschäfte, ein Elektronikladen, eine Buchhandlung sowie mehrere kleine Fachgeschäfte. Viele Besucher verbinden ihren Einkauf mit einem Abstecher in die Altstadt.

Für eine Pause empfiehlt sich das Café Augenblick in der Schlossgasse. Das kleine Café mit seinen hellen Fenstern und selbst gebackenen Kuchen gehört zu den beliebtesten Treffpunkten der Stadt. Inhaberin Miriam Falk serviert neben Kaffeespezialitäten auch regionale Obsttorten, deren Zutaten überwiegend aus dem Landkreis stammen. Besonders an Markttagen sitzt man hier zwischen Einheimischen, Handwerkern, Forschenden und Reisenden.

Wer länger bleibt, kehrt häufig im Gasthaus Zum Lindenkamm am westlichen Rand des Marktplatzes ein. Die Küche setzt auf klassische Gerichte des Blumenlandes: Bratkartoffeln, Flussfisch aus der Nova, kräftige Gemüsesuppen und saisonale Spezialitäten. Wirt Sebastian Krämer führt das Haus bereits in dritter Generation. Einige der Gästezimmer im Obergeschoss werden gern von Radreisenden genutzt, die den Novauferweg entlangfahren.

Naturfreunde zieht es vor allem in die Großenhainer Aue südlich der Stadt. Das kleine Auenwäldchen wirkt wie ein grüner Gegenpol zur offenen Blumenthal-Ebene. Im Frühjahr liegt oft ein intensiver Duft von Bärlauch in der Luft, während sich im Sommer zahlreiche Vogelarten zwischen den Erlen und Weiden beobachten lassen. Schmale Pfade führen durch die feuchten Waldabschnitte bis an ruhige Uferstellen der Nova. Viele Einwohner betrachten die Aue als ihr eigentliches Naherholungsgebiet.

Zur Gemeinde gehört außerdem der winzige Ort Windelmühle. Der aus einer historischen Mühle und wenigen Häusern bestehende Flecken zählt nur neun Einwohner und liegt etwas erhöht in der Landschaft. Die alte Mühle ist eines der meistfotografierten Motive der Umgebung und erinnert daran, wie eng das Leben der Region einst mit Wasserläufen und Landwirtschaft verbunden war.

Großenhain mag nicht die Größe von Novafurt oder die Bekanntheit der Hauptstadt Nova besitzen. Gerade darin liegt jedoch sein Reiz. Die Stadt vereint Renaissancearchitektur, lebendiges Handwerk, moderne Forschung, innovative Unternehmen und naturnahe Erholungsräume auf bemerkenswert engem Raum. Wer das Blumenland jenseits der großen Zentren kennenlernen möchte, findet hier einen Ort, der seine Geschichte bewahrt und zugleich selbstbewusst in die Zukunft blickt.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: BLB115 (Novatalbahn) stündlich 6:40-20:40 über Novafurt Hbf nach Muldmünde, 21:40 nach Novafurt Hbf, 7:14-21:14 über Waldfurt nach Novatal, 22:14 nach Waldfurt
Straße: B5 (NW: Waldfurt 15km); B6 (SW: Scalso 15km); B5/6 (SO: Hettstedt 11km); L5 (S: Windelmühle 5km, N: Korbetha 16km); L16 (W: Kastaniendorf 9km, O: Neudalno 10km); Novauferweg (NW: Waldfurt 15km, O: Tretufer 8km)

LandBlumenland
LandkreisNovafurt
Gemeinde: B-2040 Großenhain
Orte: B-2040 Großenhain, B-2041 Windelmühle


Zur Gemeinde Großenhain gehört Windelmühle …