(Pop.: 5 – 689m NN)

Hinter der letzten Kurve öffnet sich der Wald für kaum hundert Meter, gerade weit genug für ein Forsthaus, zwei Nebengebäude, einen Holzplatz und die kleine Talstation einer Standseilbahn. Dann schließen sich Fichten, Buchen und Bergahorne wieder um die Straße. Wer hier ankommt, ist in Forsthütte, dem höchstgelegenen bewohnten Flecken im oberen Insulatal. Forsthütte gehört zur Gemeinde Obertana im Landkreis Wum. Der gesamte Kreis wird vom Insulagebirge geprägt, dessen Mittelpunkt der bewaldete, 1.101 Meter hohe Insulaberg bildet. Das tiefe Insulatal führt von den besiedelten tieferen Lagen weit in diese Berglandschaft hinein. Von Rüdeckers Waldhaus steigt die Insulatalstraße auf ihren letzten 2,5 Kilometern weiter durch den Wald. In Forsthütte endet die Straße auf 689 Metern Höhe. Von hier übernehmen Wanderwege und schmale Wirtschaftssteige die Verbindung mit dem Gebirge.

Der Name Forsthütte ist erfreulich wörtlich zu verstehen. Nach örtlicher Überlieferung tauchte die Bezeichnung erstmals für eine einfache Unterkunft der Waldarbeiter auf, die hier Holz aus den schwer zugänglichen Hängen sammelten. Aus der Hütte entwickelte sich im Laufe der Zeit ein dauerhaft besetzter Forstposten. Der heutige Mittelpunkt des Fleckens ist das langgestreckte Forsthaus Insulatal, ein dunkel verschaltes zweigeschossiges Gebäude auf einem niedrigen Sockel aus grauem Bergstein. Ein wettergeschützter Gang verbindet das Wohnhaus mit Werkstatt, Geräteschuppen und Holzlager.

Hier lebt Oberförster Dmitri Volkov mit seiner Familie. Volkov kam vor gut zwanzig Jahren aus dem Norden Landauris nach Insula und kennt inzwischen, wie die Leute in Obertana erzählen, jeden Bachlauf und jede alte Rückegasse zwischen Insulatal und Gebirgskamm. Seine Arbeit besteht vor allem in der Betreuung des Bergwaldes, der Kontrolle von Wegen, der Beobachtung kranker und sturmgeschädigter Bäume und der Koordination der Holzentnahme. Dabei passt seine Arbeit gut zur Wirtschaftsstruktur Landauris, die stark von kleinen Betrieben, Werkstätten und gemeinschaftlich organisierter Arbeit geprägt ist. Mit Dmitri leben Katja Volkov, die sich um die Materialverwaltung des Forstreviers kümmert und zugleich die Wetteraufzeichnungen der Station führt, sowie die beiden erwachsenen Kinder Nikolai Volkov und Tanja Volkov im Forsthaus. Der fünfte Einwohner ist Elias Neruda, der das kleine Maschinenhaus nebenan bewohnt. Neruda betreut die technische Anlage, die Forsthütte weit über ihre fünf Bewohner hinaus Bedeutung gibt: die Güter-Standseilbahn Sancta Catherina.

Seit den 1960er-Jahren werden über diese Bahn Lebensmittel, Brennstoff, Baumaterial, Post und andere schwere Güter zum oberhalb des Tals gelegenen Kloster Sancta Catherina befördert. Die Verbindung passt zu einem Kloster, das tief in der Geschichte Insulas verwurzelt ist: Die Gründung erfolgte um 890 durch Mönche aus dem ehemaligen Dekanat Zentravia, die wertvolle Handschriften auf die Insel brachten. Sancta Catherina entwickelte sich zu einem bedeutenden Ort der Wissensbewahrung und wurde nach der insulanischen Unabhängigkeit 1927 als nationales Kulturerbe anerkannt. Die Talstation in Forsthütte ist ein wunderbar sachliches Stück Bergtechnik. Hinter einem niedrigen Gebäude mit breitem Blechdach beginnt das Gleis, auf dem ein offener Güterwagen bergwärts verschwindet. Neben der Rampe stehen häufig gestapelte Holzkisten, Mehlsäcke, Getränkekästen oder leere Transportbehälter, die wieder ins Tal gebracht werden. Mehrmals in der Woche erreichen Lieferungen aus Obertana den Platz. Dann wird der winzige Flecken für einige Zeit überraschend geschäftig. Dimitri Volkov hilft beim Rangieren, Elias Neruda prüft die Anlage, und Wanderer müssen gelegentlich zwischen Kisten und Handwagen hindurch ihren Weg suchen. Gerade dieser Umschlagplatz macht Forsthütte zu einem interessanten Beispiel für den landaurischen Alltag. Im dezentral organisierten Landauri übernehmen Gemeinden viele Angelegenheiten selbst, während die Landkreise unter anderem Wege und andere überörtliche Aufgaben koordinieren. Kleine Betriebe und Werkstätten bestimmen weite Teile der Wirtschaftsstruktur. Hier oben wird dieses Prinzip sehr konkret: Forstleute, Gemeinde, Lieferanten aus dem Tal und das Kloster organisieren gemeinsam eine Versorgungslinie, deren letzte Kilometer über eine Bergbahn führen.

Für Wanderer steht neben dem Forsthaus der Waldraum, eine ehemalige Gerätehütte mit zwei Holztischen, Bank, Ofen und großer topografischer Karte. Katja Volkov stellt dort in der Wandersaison eine Kanne heißes Wasser bereit; in einer Holzkiste liegen Wanderkarten und kleine Gläser mit dem von ihr angesetzten Fichtenspitzensirup. Hinter dem Haus befindet sich der Volkov-Brunnen, dessen eiskaltes Quellwasser von einem hölzernen Trog aufgefangen wird.

Landschaftlich wird Forsthütte vor allem von der zunehmenden Höhe bestimmt. Der Wald ist feuchter und rauer als unten bei Obertana, nach Regen hängen Wolkenfetzen zwischen den Baumkronen, und bei starkem Wind ist das Rauschen des Bergwaldes fast das einzige Geräusch. Der Insulaberg ist ein bewaldeter Vulkankegel, dessen Hänge von Wäldern und klaren Bächen durchzogen werden. Im Herbst liegt morgens häufig feuchtes Laub auf der Straße, während höher am Hang bereits erste Reifflächen vorkommen können.

Am Straßenende beginnt das eigentliche Wegenetz der Berge. Rund drei Kilometer sind es hinauf zum Gebirgskamm. Von dort verzweigen sich die Routen: nach Norden Richtung Wieso, nach Osten Richtung Vasus und südwärts zum 1.101 Meter hohen Insulaberg. Auch der große Rundweg durch die Berglandschaft berührt Forsthütte; die Kreisbeschreibung nennt einen anspruchsvollen, 24 Kilometer langen Rundweg von Rüdeckers Waldhaus über Forsthütte und den Insulaberg, der teilweise sehr steil verläuft.

Wer Forsthütte nur als Ausgangspunkt einer Bergtour betrachtet, verpasst deshalb einen eigenartigen kleinen Ort. Am frühen Morgen riecht es am Holzplatz nach feuchter Rinde und Sägemehl, aus dem Schornstein des Forsthauses steigt Rauch, und gelegentlich setzt sich der Güterwagen der Standseilbahn langsam in Bewegung. Fünf Menschen leben hier dauerhaft. Doch an diesem entlegenen Straßenende laufen Waldarbeit, Wanderwege und die Versorgung eines der ältesten Klöster Insulas zusammen. Gerade darin liegt der Reiz von Forsthütte.


Verkehrsverbindungen:
Straße: Insulatalstraße (W: Rüdeckers Waldhaus 2,5km); Wanderweg zum Gebirgskamm des Insulagebirges (3km), von dort nach (N: Wieso 7km, O: Vasus 8km, S: Insulaberg (1101m NN))

Land: Insula
Landkreis: Wum
Gemeinde: I-5140 Obertana
Orte: I-5142 Forsthütte (zu Obertana)