
(Pop.: 315 – 45m NN)
Wer die sanfte Beschaulichkeit des Kohlatals im Herzen des Landes Kohlonia in all ihrer Pracht erleben möchte, findet im idyllischen Dorf Kohlfähre ein wahres Juwel ländlicher Kultur. Gelegen auf einer Höhe von 45 Metern über dem Meeresspiegel und Heimat von derzeit 315 Einwohnern, schmiegt sich dieser geschichtsträchtige Ort unter der Postleitzahl K-9110 etwa sieben Kilometer nördlich der geschäftigen Hauptstadt Kohla an beide Seiten des gleichnamigen Flusses Kohla. Für Reisende ist das Dorf hervorragend erschlossen, ohne dabei seine ruhige Atmosphäre einzubüßen. Die Kohlatalbahn, auch bekannt als Linie 14 der Kohlbahn, bindet den Ort im verlässlichen Stundentakt an das Umland an: Zwischen 6:43 Uhr und 21:43 Uhr rollen die Züge in Richtung Kohla, während in der Gegenrichtung von 6:22 Uhr bis 21:22 Uhr Verbindungen nach Kohlaschleuße bestehen und alle zwei Stunden sogar eine Weiterfahrt bis nach Kolaquell möglich ist. Wer mit dem Automobil anreist, nutzt die Bundesstraße B30, die das Dorf in nordsüdlicher Richtung durchschneidet und Reisende in wenigen Minuten ins 5,5 Kilometer nördlich gelegene Viellam führt. Am markanten Verkehrsknotenpunkt des Ortes zweigt zudem die Landesstraße K304 ab, die sich nach Westen hin in den benachbarten Landkreis Goldküste erstreckt und nach elf Kilometern das charmante Punktdorf erreicht, während sie in östlicher Richtung als SEE2 die Grenze zum Landkreis Dermbach überquert und nach 15 Kilometern in der Siedlung im Seeland mündet.

Der klangvolle Name des Dorfes verrät bereits viel über seine Ursprünge und ist eng mit den historischen Lebensadern der Region verknüpft. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war die Gemeinde durch die unberechenbaren Strömungen der Kohla zweigeteilt, und eine hölzerne Fährverbindung stellte die einzige Möglichkeit dar, Mensch, Vieh und die Ernteerträge von einem Ufer zum anderen zu transportieren. Erst im Jahr 1841 fand diese beschwerliche Ära mit dem Bau der ersten soliden, steinernen Brücke ihr Ende, welche bis heute die beiden Ortsteile elegant miteinander verbindet und den Fluss überspannt. Der pensionierte Ortschronist Matthias Bruns weiß in lauen Sommernächten am Flussufer packende Anekdoten darüber zu berichten, wie die Fährleute einst im dichten Herbstnebel navigieren mussten, um die schweren, mit Gemüse beladenen Holzboote sicher ans Ziel zu bringen, und wie der Brückenbau das tägliche Leben der Dorfgemeinschaft von Grund auf revolutionierte.

Folgt man dem Lauf des Wassers zum östlichen Ufer, fällt der Blick unweigerlich auf das architektonische Wahrzeichen von Kohlfähre: die neugotische St.-Jakobus-Kirche. Dieses sakrale Bauwerk wurde im Jahr 1873 errichtet und zieht Besucher mit seinem markanten, spitz zulaufenden Turm sowie dem filigranen Rosettenfenster direkt über dem Westportal in seinen Bann. Die Kirche steht an einem geschichtsträchtigen Platz, denn sie ersetzte eine bescheidenere, historische Vorgängerkapelle aus Holz, die im Sommer 1865 bei einem verheerenden Dorfbrand vollständig in Schutt und Asche gelegt worden war. Im Inneren des Turms verbergen sich drei prächtige Bronzeglocken, deren satter Klang weit über die Felder des Kohlatals hallt; sie wurden 1874 in der renommierten Gießerei Brückner in Kohla gegossen und werden noch heute von der engagierten Küsterin Helena Vogel gepflegt. Ein Schritt durch das schmiedeeiserne Tor des kleinen, friedvollen Friedhofs hinter dem Kirchenschiff führt zu einem Ort des Innehaltens: Hier befindet sich das historische Grabmal von Albrecht von der Heide, dem ersten Kreisrat des Landkreises Kohlatal, welcher im Jahr 1882 verstarb. Seine Ruhestätte wird von einem majestätischen Grabstein aus tiefschwarzem, poliertem Marmor geschmückt, dessen eingemeißelte Inschrift „Dem Tal verpflichtet, dem Fluss verbunden“ das Lebenswerk dieses regionalen Pioniers eindrucksvoll zusammenfasst.

Nur wenige Gehminuten von der Kirche entfernt erstreckt sich das herrschaftliche Gutshaus von Kohlfähre, ein imposantes Gebäude, das bis zum Jahr 1925 als stolzer Residenzsitz der Adelsfamilie Wriesnitz diente. Ein besonders farbenfrohes Kapitel der Dorfgeschichte schrieb der einstige Gutsherr Adalbert von Wriesnitz, der in der gesamten Region als exzentrischer Liebhaber erlesenen Fischgenusses bekannt war; seine Leidenschaft führte im Jahr 1784 sogar dazu, dass er auf eigene Kosten die massiven Schutzmolen im küstennahen Kleinstrand errichten ließ, um den dortigen Fischern eine sichere Heimkehr zu garantieren. In Kohlfähre selbst richteten die Wriesnitz-Gutsherren weitläufige, strukturierte Nutzgärten an, in denen seltene Obstsorten und Küchenkräuter für die herrschaftliche Tafel gezogen wurden. Heute kümmert sich die erfahrene Obergärtnerin Renate Krüger darum, diese historischen Gartenanlagen zu pflegen und alte, fast vergessene Gemüsesorten für interessierte Besucher erlebbar zu machen.

Trotz seiner überschaubaren Größe fungiert Kohlfähre als das unbestrittene wirtschaftliche Zentrum des südlichen Kreisgebietes, was dem Ort eine vitale Rolle im ländlichen Gefüge verleiht. Ein Paradebeispiel für diesen ländlichen Unternehmergeist ist der markante Hauptsitz der Kohlataler Genossenschaftsbank, die im Jahr 1938 ins Leben gerufen wurde. Die Bank residiert in einem soliden, architektonisch ansprechenden Backsteinbau aus dem Jahr 1911, der in seinen Anfangsjahren einen gänzlich unprätentiösen Zweck erfüllte: Er diente den lokalen Bauern als zentrales Lagerhaus für den frisch geernteten Kohl, bevor er für die Finanzgeschäfte der Region umgebaut wurde. Heute leitet der Bankdirektor Tobias Becker die Geschicke des Instituts und berät die hiesigen Betriebe in den modernisierten Räumen, die ihren historischen Charme mit den dunklen Klinkerfassaden bewahrt haben.

Am sonnigen, südlichen Ortsrand von Kohlfähre pulsiert das gärtnerische Herz des Tals in der Gärtnerei Löwenhaupt. Auf einer beeindruckenden Nutzfläche von insgesamt vier Hektar erstrecken sich endlose Reihen von langen, glänzenden Folientunneln, unter denen Frühkohl, klassischer Weißkohl und krauser Wirsing unter optimalen Bedingungen heranreifen. Der Inhaber Jürgen Löwenhaupt beschäftigt während der arbeitsintensiven Haupterntezeit bis zu 22 fleißige Saisonkräfte, um die enormen Gemüsemengen frisch einzubringen, welche anschließend direkt an den zentralen Großmarkt in der Hauptstadt Kohla geliefert werden. Direkt an dieses landwirtschaftliche Areal grenzt die Käserei Kohlfähre an, die sich weit über die Grenzen des Landkreises hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Die engagierte Käsermeisterin Sabine Weber verarbeitet hier täglich frische Schafmilch zu einem feinen, halbfesten Schnittkäse, der sich durch sein mild-würziges Aroma auszeichnet und in einem liebevoll gestalteten kleinen Hofladen direkt an Feinschmecker und vorbeireisende Touristen verkauft wird.

Für das leibliche Wohl der Ausflügler sorgt ein historischer kulinarischer Anlaufpunkt an der strategischen Abzweigung zur Landesstraße K304: der traditionsreiche Gasthof „Zur Alten Fähre“. Bei diesem stattlichen, hell verputzten Gebäude handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Juwel aus dem Jahr 1798, das schon vor dem Bau der Steinbrücke Reisende beherbergte. Der Wirt Friedrich Ostermann führt den Familienbetrieb mit spürbarer Leidenschaft und bewirtet seine Gäste im Sommer in einem herrlich schattigen Biergarten, der von monumentalen, alten Kastanienbäumen überdacht wird. Hier können Besucher bei einem kühlen Trunk und regionalen Spezialitäten das rege Treiben auf den Straßen beobachten und die dörfliche Gemütlichkeit in vollen Zügen auf sich wirken lassen.
Abenteurer und Naturbegeisterte zieht es von Kohlfähre aus unweigerlich nach Südosten, wo sich der geheimnisvolle Trollskog erstreckt, das größte zusammenhängende Waldgebiet des gesamten Landkreises. Dieser urwüchsige Mischwald, der sich primär aus dichten Birkenbeständen, knorrigen Erlen und vereinzelten, windschiefen Kiefern zusammensetzt, präsentiert sich als eine faszinierende, sumpfige Wildnis, die von tiefdunklen, stillen Wasserarmen durchzogen wird. Die faszinierende lokale Überlieferung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, berichtet ehrfürchtig von tanzenden Irrlichtern in den Mooren und einem listigen Waldgeist, der unachtsame Wanderer mit sanftem Flüstern vom sicheren Pfad weglocken soll. Aufgrund seiner ökologischen Einzigartigkeit wird der Trollskog forstwirtschaftlich überhaupt nicht genutzt und steht bereits seit dem Jahr 1968 unter strengem Schutz als Naturschutzgebiet. Um diese mystische Landschaft gefahrlos zu erkunden, empfiehlt sich der sorgsam markierte Rundweg mit einer Länge von exakt sechs Kilometern; dieser erlebnisreiche Wanderpfad beginnt direkt an der K304, genau sieben Kilometer östlich von Kohlfähre, und bietet unverfälschte Einblicke in eine unberührte Naturkulisse, die den unvergesslichen Charakter dieses Winkels von Kohlonia perfekt abrundet.
Verkehrsverbindungen:
Bahn: Kohlatalbahn – Linie 14 (Kohlbahn) stündlich 6:43-21:43 nach Kohla, 6:22-21:22 nach Kohlaschleuße, aller 2 Stunden 6:22-20:22 weiter nach Kolaquell
Straße: B30 (S: Kohla Nord 7km, N: Viellam 5,5km); K304 (W: Punktdorf 11km, O: als SEE2 nach Siedlung 15km)
Land: Kohlonia
Landkreis: Kohlatal
Postleitzahl: K-9110 Kohlfähre

