(Pop.: 592 – 5m NN)

Fährstedt liegt dort, wo das Kohlgebirge steil zur Suhler Meerenge abfällt. Die knapp 600 Einwohner des kleinen Küstenortes blicken auf eine schmale Wasserstraße, die das Festland von der Sturminsel trennt. Genau diese Lage macht den Ort zu einem wichtigen Knotenpunkt: Eine Autofähre verbindet Fährstedt mehrmals täglich mit der Kreisstadt Nordfähre auf der anderen Seite. Die Überfahrt dauert nur eine Viertelstunde, und der stetige Besucherstrom aus dem Nachbarland Sturmland bringt Leben in die stillen Gassen.

Was Fährstedt jedoch wirklich auszeichnet, sind seine kulinarischen Spezialitäten. Der Ort ist der einzige im Landkreis Westmünde mit einer eigenen Küstenbrauerei. Das „Fährstedter Küstenhell“ ist ein untergäriges, kräftiges Bier mit einer leichten Meersalznote. Es wird in den Wirtshäusern der gesamten Region ausgeschenkt und hat sich einen festen Platz in der lokalen Trinkkultur erobert. Die Brauerei bietet Führungen an, bei denen Besucher einen Blick hinter die sudigen Kulissen werfen können. Direkt am Kai befindet sich ein kleiner Verkaufsraum, in dem Flaschen und Krüge erworben werden können. Nur wenige Schritte entfernt arbeitet eine Brennerei. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Brauer ihren Feierabend gerne mit einem Schuss „Heinrich des Seefahrers“ beschließen. Dieser besonders starke Wacholder erinnert an den berühmten „Rauen Heinrich“ aus der Kreisstadt Westmünde und wird von den Einheimischen geschätzt. Die enge Nachbarschaft von Brauerei und Brennerei sorgt für eine vertraute Atmosphäre, in der sich die Handwerker kennen und schätzen.

Neben dem Fischfang und der Schafhaltung spielt die Käserei von Fährstedt eine überragende Rolle. Sie verarbeitet die Milch der Landschafe zu einem festen, leicht würzigen Schnittkäse: dem „Fährstedter Ziegenbock“. Dieser Käse ist in ganz Kohlonia bekannt und wird von Feinschmeckern gern gekauft. Die Produktion ist handwerklich geprägt, und wer sich für die Herstellung interessiert, kann bei einem Besuch in der Käserei mehr darüber erfahren.

Das gesellschaftliche Leben des Ortes spielt sich vor allem in den beiden Wirtshäusern ab. Das „Fährhaus“ und die „Meerenge“ teilen sich die Stammkundschaft. Während im „Fährhaus“ die Brauereiangestellten und die Schäfer verkehren, treffen sich in der „Meerenge“ die Fischer und die Käsereiarbeiter. Diese Aufteilung ist keine strenge Regel, aber sie hat sich über die Jahre eingespielt. Die Gaststätten sind gemütlich, bieten deftige Küche und sind der beste Ort, um mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

Die kleine, weiße St.-Katharinen-Kirche thront auf einem Hügel über dem Ort. Früher diente sie den Fischern als Wahrzeichen, um bei Nebel den Weg zurück in den Hafen zu finden. Heute ist sie ein stiller Mittelpunkt des Dorfes. Ihr schlichter Bau fügt sich harmonisch in das Bild des Ortes ein, der von Pragmatismus und einer tiefen Verbundenheit mit dem Meer geprägt ist. Die Kirche bietet Raum für Besinnung und ist zugleich ein Zeugnis der langen Geschichte dieser Küstensiedlung.

Für Wanderer ist Fährstedt ein idealer Ausgangspunkt. Von hier aus führt ein Weg das Zwieselbachtal hinauf zum Berg Zusmo, der 1201 Meter hoch aufragt. Die gesamte Strecke ist mit einem Höhenunterschied von 1200 Metern und einer Länge von knapp 37 Kilometern kaum an einem Tag zu schaffen. Die Empfehlung lautet, sich drei Tage Zeit zu nehmen. Unterwegs gibt es überdachte Biwakhütten mit Kamin und einem Vorrat an Brennholz. Auch frisches Quellwasser, Kochgeschirr sowie Sitz- und Schlafgelegenheiten sind dort zu finden. Schlafsack und Proviant müssen jedoch selbst mitgebracht werden. Die Wanderung führt durch dichten Urwald, vorbei an tiefen Schluchten und hinab ins Zusmabachtal nach Zusma, wo die einzige noch aktive Steinkohlenzeche des Landkreises die Luft mit feinem Kohlestaub erfüllt.

Fährstedt ist kein Ort, der sich verstellen muss. Er lebt von seiner Lage, seinen Handwerkern und der Gelassenheit seiner Bewohner. Wer hier ankommt, sollte sich Zeit nehmen. Ein kühles Küstenhell am Kai, ein Stück Ziegenbock aus der Käserei und der Blick auf die Meerenge – das sind die einfachen Freuden dieses Ortes. Die Fähre kommt und geht, der Wind trägt den Salzgeruch über die Dächer, und die Menschen wissen, dass sie etwas Besonderes haben: ein kleines Stück Kohlonia am Rande des Meeres.


Verkehrsverbindungen:
Bahn: Linie 12 (Kohlbahn) stündlich 6:59-21:59 nach Westmünde, 6:06-20:06 über Silberstrand nach Kohla, 21:06 nach Silberstrand
Fähre:[B3] Nordfähre (Sturminsel) – Fährstedt (Kohlgebirge) stündlich 6:55 – 21:55 nach Nordfähre – Überfahrt dauert 15 Minuten
Straße: B3 (N: Saulwitz 9km, W: als Fähre nach Nordfähre 3,5km); B302 (S: Alno 12km); Wanderweg das Zwieselbachtal hinauf ins Kohlgebirge und das Zusmabachtal hinunter nach Zusma 37km

LandKohlonia
LandkreisWestmünde
Ort: K-6010 Fährstedt (Kohlgebirge)