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Der Landkreis Westmünde bildet den äußersten Südwestzipfel des Kohlgebirges in Kohlonia und damit das Ende der bekannten Welt im Nordwesten Landauris. Auf einer Fläche von etwa 14 mal 36 Kilometern umfasst er die gesamte westliche Abdachung des Kohlgebirges, vom über 1200 Meter hohen, bewaldeten Kamm bis hinunter zur rauen Küste, wo die Gewässer von Sturmsee, Suhler Meerenge und Westmeer aufeinandertreffen. Diese geografische Enge – vom höchsten Punkt bis zum Meer sind es im Schnitt nur sechs Kilometer – prägt die Region wie kaum eine zweite. Der wild zerklüftete Westhang des Gebirges ist von einem dichten, sich selbst überlassenen Urwald bedeckt. Die Bäche, die hier entspringen, darunter Zwieselbach, Saulbach und der namensgebende Westfluss, haben sich tiefe Schluchten in das Gestein geschnitten. Die Menschen haben sich im Windschatten dieser Kulisse an der Küste angesiedelt, wo das Klima etwas milder ist, während das wilde Herz des Gebirges den Fabelwesen aus den alten Wikingererzählungen überlassen bleibt.

Kreisstadt Westmünde (Pop.: 675) thront auf einer Anhöhe von 120 Metern über dem Meer, in einer geschützten Bucht an der Mündung des Westflusses ins Westmeer. Die Stadt ist das wirtschaftliche und soziale Zentrum der Region. Ihre Geschichte ist untrennbar mit dem Fischfang verbunden. Noch heute legt hier die kleine, aber feine Fischereiflotte von Westmünde an, bestehend aus einem Dutzend robuster Kutter, die den Kabeljau-Schwärmen in die See folgen. Der einstige Glanz der Fischverarbeitungsindustrie ist zwar verblasst, aber noch immer prägt der Geruch von Salz und Meer die Stadt. Das historische Herz bildet der dreieckige Marktplatz, auf dem sich die neugotische St.-Ansgarkirche aus dem Jahr 1892 erhebt. Sie ist den Seefahrern geweiht, die hier vor der Abfahrt um eine sichere Rückkehr bitten. Direkt nebenan befindet sich die älteste Wacholder-Schnaps-Destillerie des Kreises, „Zum rauen Heinrich“, deren Rezeptur seit fünf Generationen unverändert bleibt.

Die lokale Spezialität, der deftige Kesseleintopf Stock und Schaf, wird nicht nur in den Wirtshäusern serviert, sondern auch in der Westmünder Bockwurstfabrik in handelsübliche Dosen gefüllt. Die Fabrik, ein Genossenschaftsbetrieb, nutzt das Fleisch der Schafherden aus dem Umland und verarbeitet es, zusammen mit gewässertem Stockfisch und Graupen, zu einer haltbaren Eintopf-Konserve, die über die Kohlbahn bis in die Hauptstadt Kohla versendet wird. Das traditionsreichste Wirtshaus der Stadt ist „Hanneß‘ Kogge“. Sein Stammtisch wird von Fischern, Fabrikarbeitern und dem Bahnhofsvorsteher gleichermaßen frequentiert, die hier bei einem Glas des hiesigen Wacholders die neuesten Geschichten ausgetauscht. Ein schmaler Pfad führt hinab zum Flecken Wasserwacht, einer Ansammlung von zwölf Fischerschuppen und einem Steg am offenen Westmeer, von wo die Kutter direkt auslaufen. Noch weiter flussaufwärts, in einer Höhe von 374 Metern, liegt die Westflußmühle, eine verlassene Holzmühle. Heute ist sie ein Rückzugsort für Menschen, die völlige Abgeschiedenheit suchen; wer hier oben nächtigt, ist auf sich allein gestellt – der nächste Stammtisch ist weit entfernt.

Reist man mit der Linie 12 der Kohlbahn von Kohla nach Westmünde, so durchquert man von Strandstedt her kommend die Ortschaften an der Nordküste der Sturmsee, die zuerst die baumlosen, feuchten und steilen Wiesen des Küstenstreifens, bis man den Landkreis Westmünde erreicht.

Im Süden, direkt an der rauen Sturmsee gelegen, findet man das Dorf Alno (Pop.: 102). Der Ort hat sich auf die Verarbeitung der Schafswolle aus den Herden des Hinterlands spezialisiert. In der alten Dorfschule, die heute als Spinnerei und Weberei dient, entstehen robuste Wollstoffe, die per Bahn in alle Teile Kohlonias verschickt werden. Sehenswert ist die kleine, holzverschalte Kapelle zum guten Hirten mit ihrem markanten, schief stehenden Dachreiter. Eine Woche im Jahr, im Spätsommer, verwandelt sich der Dorfplatz in einen Wollmarkt, der einzige seiner Art im ganzen Land. Die Alnoer Wacholderbrennerei „Steinbock“ bietet neben dem klassischen Schnaps auch eine Variante mit einer leichten Rauchnote an, die aus dem Räuchern der Gerste über offenem Feuer entsteht. Das Wirtshaus „Zum letzten Schaf“ ist der soziale Treffpunkt des Ortes, geführt von der Familie Grönland, die hier seit über hundert Jahren die Stammtischkultur pflegt. Zu Alno gehört im Gebirge das kleine Vierhaus (Pop.: 16). Es ist eine einfache Ansammlung von vier Häusern am Waldrand, die als Schafschurplatz der Schäfereibetriebe des Landkreises dient. Von hier aus werden die Tiere auf die steilen Weidehänge nach Norden getrieben. Ein Wirtshaus gibt es nicht, dafür teilen sich die Bewohner ihren Wacholderschnaps aus einer eigenen kleinen Destille, die sie „den Lämmerhengst“ nennen.

Weiter nördlich an der Küste erreicht man Fährstedt (Pop.: 592). Der Ort profitiert von seiner strategischen Lage an der schmalen Suhler Meerenge, die das Festland von der Sturminsel trennt. Eine Autofähre verbindet den Ort mehrmals täglich mit der Kreisstadt Nordfähre auf der anderen Seite, was einen stetigen, wenn auch kleinen, Besucherstrom aus dem Nachbarland Sturmland sichert. Diesem Umstand verdankt Fährstedt auch seine Existenz als einziger Ort im Landkreis mit einer eigenen Küstenbrauerei. Das „Fährstedter Küstenhell“ ist ein untergäriges, kräftiges Bier mit einer leichten Meersalznote, das in den Wirtshäusern der gesamten Region ausgeschenkt wird. Die Brauerei bietet Führungen an und hat einen kleinen Verkaufsraum direkt am Kai. Neben dem Fischfang und der Schafhaltung ist die Käserei von Fährstedt von überregionaler Bedeutung. Sie verarbeitet die Milch der Landschafe zu einem festen, leicht würzigen Schnittkäse, dem „Fährstedter Ziegenbock“, der in ganz Kohlonia bekannt ist. Die kleine, weiße St.-Katharinen-Kirche am Hügel diente früher den Fischern als Wahrzeichen, um bei Nebel den Weg in den Hafen zu finden. Die beiden Wirtshäuser des Ortes, „Fährhaus“ und „Meerenge“, teilen sich die Stammkundschaft: Während im „Fährhaus“ die Brauereiangestellten und die Schäfer verkehren, treffen sich in der „Meerenge“ die Fischer und die Käsereiarbeiter. Brennerei und Brauerei liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt, und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Brauer einen Schuss des „Heinrichs des Seefahrers“ (einem besonders starken Wacholder) zum Abschluss ihrer Schicht bevorzugen.

Das kleine Saulwitz (Pop.: 92) liegt südlich von Westmünde direkt am Westmeer, auf einem felsigen Plateau 98 Meter über den Fluten. Der Ort ist von Westmünde aus mit dem Zug oder über die Küstenstraße gut zu erreichen, wirkt jedoch wie eine Welt für sich. Hier befindet sich die zweitgrößte Räucherei für Klippfisch im Landkreis, die ihren Betrieb vor allem in den Wintermonaten aufnimmt, wenn die Kabeljauschwärme nah an die Küste ziehen. Der Geruch von Rauch und Salz hängt dann permanent über den Dächern. Von Saulwitz aus beginnt ein anspruchsvoller Klettersteig, der die tiefe Schlucht des Saulbachs hinauf bis zum Gebirgskamm führt. Die Route ist ungesichert und verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit; wer sie geht, ist auf sich allein gestellt. Als Belohnung warten unberührte Wälder und ein Panorama, das bis zur Sturminsel reicht. Zurück im Ort, findet man im Wirtshaus „Zur wilden Schlucht“ eine Trinkgemeinschaft, die für ihre zurückhaltende, aber herzliche Gastfreundschaft bekannt ist. Eine der beiden Wacholderbrennereien des Ortes, „Klippfischer“, ist eigentlich nur eine kleine Manufaktur im Keller des Wirtshauses, deren Produkt ausschließlich über die Theke verkauft wird. Saulwitz ist ein Ort der Stille und der Rauheit, ein Ort, an dem die Seele des Kohlgebirges unmittelbar spürbar ist. Die Bewohner leben überwiegend von der Fischerei und der Schafhaltung auf den kargen Wiesen oberhalb des Ortes, die sie mit kleinen Herden bewirtschaften. Eine Kirche besitzt Saulwitz nicht; die Trauungen und Taufen werden in der Kapelle von Westmünde vollzogen, wohin auch der wöchentliche Markt der wenigen verbliebenen Familien führt.

Städte und Gemeinden

  • Westmünde
    • Wasserwacht
    • Westflußmühle
  • Alno (Kohlgebirge)
    • Vierhaus (Kohlgebirge)
  • Fährstedt (Kohlgebirge)
  • Saulwitz
  • Landkreis Westmünde (Kohlonia)

    Landkreis Westmünde (Kohlonia)

    Der Landkreis Westmünde im Südwesten des Kohlgebirges umfasst die steile Westabdachung des Kohlgebirges mit Urwald, tiefen Schluchten und einer rauen Küste zur Sturmsee und zum Westmeer. Die 1.496 Einwohner leben in den Küstenorten Alno, Fährstedt, Saulwitz und der Kreisstadt Westmünde. Wirtschaftliche Basis sind Kabeljaufang (Stockfisch/Klippfisch) und Schafhaltung. Die Kohlbahn-Linie 12 transportiert Fisch und Wolle. Kulinarische Spezialität ist der Eintopf „Stock und Schaf“ mit Wacholderschnaps.… Weiter …

  • Stock und Schaf

    Stock und Schaf

    Stock und Schaf ist eine volkstümliche Kesselspeise aus gewässertem Stockfisch, Lammfleisch, Lamminnereien und Gerstengraupen. Das Gericht stammt aus dem Landkreis Westmünde in Kohlonia, einer rauen Küstenregion, in der Fischer und Hirten ihre Vorräte vereinten. Lamm und Wacholder werden zunächst zu einer kräftigen Brühe gekocht, anschließend kommen Graupen, Wurzelgemüse und der zerpflückte Stockfisch hinzu. Die Innereien werden angebraten und zuletzt eingerührt, bevor ein Schuss Wacholderschnaps… Weiter …