(Pop.: 1.496)

Der Landkreis Westmünde bildet den äußersten Südwestzipfel des Kohlgebirges in Kohlonia und damit das Ende der bekannten Welt im Nordwesten Landauris. Auf einer Fläche von etwa 14 mal 36 Kilometern umfasst er die gesamte westliche Abdachung des Kohlgebirges, vom über 1200 Meter hohen, bewaldeten Kamm bis hinunter zur rauen Küste, wo die Gewässer von Sturmsee, Suhler Meerenge und Westmeer aufeinandertreffen. Diese geografische Enge – vom höchsten Punkt bis zum Meer sind es im Schnitt nur sechs Kilometer – prägt die Region wie kaum eine zweite. Der wild zerklüftete Westhang des Gebirges ist von einem dichten, sich selbst überlassenen Urwald bedeckt. Die Bäche, die hier entspringen, darunter Zwieselbach, Saulbach und der namensgebende Westfluss, haben sich tiefe Schluchten in das Gestein geschnitten. Die Menschen haben sich im Windschatten dieser Kulisse an der Küste angesiedelt, wo das Klima etwas milder ist, während das wilde Herz des Gebirges den Fabelwesen aus den alten Wikingererzählungen überlassen bleibt.

Kreisstadt Westmünde (Pop.: 675) thront auf einer Anhöhe von 120 Metern über dem Meer, in einer geschützten Bucht an der Mündung des Westflusses ins Westmeer. Die Stadt ist das wirtschaftliche und soziale Zentrum der Region. Ihre Geschichte ist untrennbar mit dem Fischfang verbunden. Noch heute legt hier die kleine, aber feine Fischereiflotte von Westmünde an, bestehend aus einem Dutzend robuster Kutter, die den Kabeljau-Schwärmen in die See folgen. Der einstige Glanz der Fischverarbeitungsindustrie ist zwar verblasst, aber noch immer prägt der Geruch von Salz und Meer die Stadt. Das historische Herz bildet der dreieckige Marktplatz, auf dem sich die neugotische St.-Ansgarkirche aus dem Jahr 1892 erhebt. Sie ist den Seefahrern geweiht, die hier vor der Abfahrt um eine sichere Rückkehr bitten. Direkt nebenan befindet sich die älteste Wacholder-Schnaps-Destillerie des Kreises, „Zum rauen Heinrich“, deren Rezeptur seit fünf Generationen unverändert bleibt.

Die lokale Spezialität, der deftige Kesseleintopf Stock und Schaf, wird nicht nur in den Wirtshäusern serviert, sondern auch in der Westmünder Bockwurstfabrik in handelsübliche Dosen gefüllt. Die Fabrik, ein Genossenschaftsbetrieb, nutzt das Fleisch der Schafherden aus dem Umland und verarbeitet es, zusammen mit gewässertem Stockfisch und Graupen, zu einer haltbaren Eintopf-Konserve, die über die Kohlbahn bis in die Hauptstadt Kohla versendet wird. Das traditionsreichste Wirtshaus der Stadt ist „Hanneß‘ Kogge“. Sein Stammtisch wird von Fischern, Fabrikarbeitern und dem Bahnhofsvorsteher gleichermaßen frequentiert, die hier bei einem Glas des hiesigen Wacholders die neuesten Geschichten ausgetauscht.

Ein schmaler Pfad führt hinab zum Flecken Wasserwacht. Wasserwacht ist der einsamste Flecken der gesamten Westküste – eine Ansammlung von zwölf Fischerschuppen, die sich wie eine kleine Festung gegen das offene Westmeer stemmen. Nur ein schmaler Pfad verbindet den Ort mit Westmünde, und wer hier ankommt, betritt eine Welt, in der das Meer alles bestimmt. Die Hütten liegen auf zwei Metern Höhe direkt am Wasser, und bei Sturm schlägt die Brandung gegen ihre hölzernen Wände. Die Kutter legen an einem einfachen Steg an, von dem aus die Fischer den Kabeljau-Schwärmen folgen. Das Leben ist hart, aber die Gemeinschaft hält zusammen: Die alte Helga Nissen und ihre Nachbarinnen stopfen die Netze, während Jürgen Pohl in seiner offenen Werft die Planken der Boote dichtet. Im Winter, wenn der Flecken tagelang abgeschnitten sein kann, versammeln sich die Bewohner in der kleinen Remise am Ofen und bewahren so die alten Geschichten ihrer Väter. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten, aber die ganze Landschaft ist eine: die bewaldete Steilküste, die Felsbecken bei Ebbe und der weite Horizont, an dem die Sonne im Meer versinkt. Wasserwacht ist nichts für Komfortreisende, aber für alle, die das Ursprüngliche suchen, ist es ein magischer Ort.

Noch weiter flussaufwärts, in einer Höhe von 374 Metern liegt die Westflußmühle – ein vergessenes Bauwerk, das nur über einen steilen, schmalen Pfad erreichbar ist. Die alte Holzmühle mit ihrem stillgelegten, von Moos überwucherten Rad ist ein Denkmal der Vergänglichkeit, erbaut von Baldur Steinfeld im 18. Jahrhundert und 1847 von einer Flut zerstört. Heute ist sie die Heimat von sieben Menschen, die bewusst die Einsamkeit gewählt haben. Markus Tiedemann, der alte Bibliothekar, bewahrt die Geschichten des Ortes; die Malerin Tordis Falk fängt das Licht der Landschaft ein; ein ehemaliger Koch forscht nach Wildkräutern; ein pensionierter Bergmann durchstreift das Gestein des Kohlgebirges; und eine junge Familie lebt hier in einfacher Selbstversorgung. Der Alltag ist karg – kein Strom, kein fließendes Wasser, keine Heizung außer dem Holzofen. Im Winter sind die Bewohner oft wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Doch wer den beschwerlichen Weg auf sich nimmt und Gastfreundschaft findet, erlebt etwas Einzigartiges: die absolute Stille der Nacht, das Rauschen des Flusses und einen Sternenhimmel, der in den tiefen Tälern der Zivilisation längst verblasst ist. Die Westflußmühle ist ein Rückzugsort für die Seele.

Reist man mit der Linie 12 der Kohlbahn von Kohla nach Westmünde, so durchquert man von Strandstedt her kommend die Ortschaften an der Nordküste der Sturmsee, die zuerst die baumlosen, feuchten und steilen Wiesen des Küstenstreifens, bis man den Landkreis Westmünde erreicht.

Im Süden, direkt an der rauen Sturmsee gelegen, findet man das Dorf Alno (Pop.: 102). Der Ort hat sich auf die Verarbeitung der Schafswolle aus den Herden des Hinterlands spezialisiert. In der alten Dorfschule, die heute als Spinnerei und Weberei dient, entstehen robuste Wollstoffe, die per Bahn in alle Teile Kohlonias verschickt werden. Sehenswert ist die kleine, holzverschalte Kapelle zum guten Hirten mit ihrem markanten, schief stehenden Dachreiter. Eine Woche im Jahr, im Spätsommer, verwandelt sich der Dorfplatz in einen Wollmarkt, der einzige seiner Art im ganzen Land. Die Alnoer Wacholderbrennerei „Steinbock“ bietet neben dem klassischen Schnaps auch eine Variante mit einer leichten Rauchnote an, die aus dem Räuchern der Gerste über offenem Feuer entsteht. Das Wirtshaus „Zum letzten Schaf“ ist der soziale Treffpunkt des Ortes, geführt von der Familie Grönland, die hier seit über hundert Jahren die Stammtischkultur pflegt. Zu Alno gehört im Gebirge das kleine Vierhaus (Pop.: 16). Es ist eine einfache Ansammlung von vier Häusern am Waldrand, die als Schafschurplatz der Schäfereibetriebe des Landkreises dient. Von hier aus werden die Tiere auf die steilen Weidehänge nach Norden getrieben. Ein Wirtshaus gibt es nicht, dafür teilen sich die Bewohner ihren Wacholderschnaps aus einer eigenen kleinen Destille, die sie „den Lämmerhengst“ nennen.

Weiter nördlich an der Küste erreicht man Fährstedt (Pop.: 592). Der Ort profitiert von seiner strategischen Lage an der schmalen Suhler Meerenge, die das Festland von der Sturminsel trennt. Eine Autofähre verbindet den Ort mehrmals täglich mit der Kreisstadt Nordfähre auf der anderen Seite, was einen stetigen, wenn auch kleinen, Besucherstrom aus dem Nachbarland Sturmland sichert. Diesem Umstand verdankt Fährstedt auch seine Existenz als einziger Ort im Landkreis mit einer eigenen Küstenbrauerei. Das „Fährstedter Küstenhell“ ist ein untergäriges, kräftiges Bier mit einer leichten Meersalznote, das in den Wirtshäusern der gesamten Region ausgeschenkt wird. Die Brauerei bietet Führungen an und hat einen kleinen Verkaufsraum direkt am Kai. Neben dem Fischfang und der Schafhaltung ist die Käserei von Fährstedt von überregionaler Bedeutung. Sie verarbeitet die Milch der Landschafe zu einem festen, leicht würzigen Schnittkäse, dem „Fährstedter Ziegenbock“, der in ganz Kohlonia bekannt ist. Die kleine, weiße St.-Katharinen-Kirche am Hügel diente früher den Fischern als Wahrzeichen, um bei Nebel den Weg in den Hafen zu finden. Die beiden Wirtshäuser des Ortes, „Fährhaus“ und „Meerenge“, teilen sich die Stammkundschaft: Während im „Fährhaus“ die Brauereiangestellten und die Schäfer verkehren, treffen sich in der „Meerenge“ die Fischer und die Käsereiarbeiter. Brennerei und Brauerei liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt, und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Brauer einen Schuss des „Heinrichs des Seefahrers“ (einem besonders starken Wacholder) zum Abschluss ihrer Schicht bevorzugen.

Das kleine Saulwitz (Pop.: 92) ist ein stiller, eigenwilliger Ort, der dort liegt, wo der Saulbach aus dem Kohlgebirge ins Westmeer mündet. Mit nur 92 Einwohnern ist es das kleinste Dorf des Landkreises Westmünde – eine Welt aus Salz, Schafen und Einsamkeit. Im Winter prägt der Geruch von getrocknetem Kabeljau den Ort, wenn der zweitgrößte Klippfisch-Betrieb der Region seine Arbeit aufnimmt. Die Bewohner, überwiegend Fischer und Schäfer, treffen sich im Wirtshaus „Zur wilden Schlucht“, dessen Keller die winzige Wacholderbrennerei „Klippfischer“ beherbergt – ihr Destillat gibt es nur über die Theke. Eine Kirche besitzt das Dorf nicht, Taufen und Trauungen werden in Westmünde vollzogen. Der besondere Reiz liegt jedoch in der Umgebung: Ein ungesicherter, anspruchsvoller Klettersteig führt durch die tiefe Schlucht des Saulbachs hinauf zum Gebirgskamm und belohnt mit einem atemberaubenden Panorama, das bis zur Sturminsel reicht. Wer die Route weiter nach Osten geht, erreicht das höher gelegene Kolaquell. Saulwitz verlangt seinen Besuchern Geduld und Offenheit ab – doch wer sich darauf einlässt, entdeckt einen Ort, der im Rhythmus der Gezeiten lebt.

Städte und Gemeinden

  • Fährstedt im Kohlgebirge (Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Fährstedt im Kohlgebirge (Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Fährstedt liegt an der schmalen Suhler Meerenge und verdankt seine Existenz der Autofähre nach Nordfähre auf der Sturminsel. Der Ort ist bekannt für seine Küstenbrauerei, deren untergäriges „Küstenhell“ mit Meersalznote in der ganzen Region geschätzt wird. Nur wenige Schritte entfernt produziert eine Brennerei den kräftigen Wacholder „Heinrich der Seefahrer“. Die Käserei verarbeitet Schafmilch zum berühmten „Ziegenbock“. Die weiße St.-Katharinen-Kirche diente einst als Wahrzeichen für… Weiter …

  • Landkreis Westmünde (Kohlonia)

    Landkreis Westmünde (Kohlonia)

    Der Landkreis Westmünde im Südwesten des Kohlgebirges umfasst die steile Westabdachung des Kohlgebirges mit Urwald, tiefen Schluchten und einer rauen Küste zur Sturmsee und zum Westmeer. Die 1.496 Einwohner leben in den Küstenorten Alno, Fährstedt, Saulwitz und der Kreisstadt Westmünde. Wirtschaftliche Basis sind Kabeljaufang (Stockfisch/Klippfisch) und Schafhaltung. Die Kohlbahn-Linie 12 transportiert Fisch und Wolle. Kulinarische Spezialität ist der Eintopf „Stock und Schaf“ mit Wacholderschnaps.… Weiter …

  • Saulwitz (Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Saulwitz (Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Saulwitz ist das kleinste Dorf im Landkreis Westmünde mit 92 Einwohnern, wo der Saulbach ins Westmeer mündet. Im Winter bestimmt der zweitgrößte Klippfisch-Betrieb der Region mit salzigem Fischgeruch den Ort. Das Wirtshaus „Zur wilden Schlucht“ beherbergt im Keller die kleine Wacholderbrennerei „Klippfischer“, deren Produkt nur über die Theke verkauft wird. Die Bewohner leben von Fischerei und Schafhaltung auf den kargen Wiesen. Eine Kirche gibt… Weiter …

  • Stock und Schaf

    Stock und Schaf

    Stock und Schaf ist eine volkstümliche Kesselspeise aus gewässertem Stockfisch, Lammfleisch, Lamminnereien und Gerstengraupen. Das Gericht stammt aus dem Landkreis Westmünde in Kohlonia, einer rauen Küstenregion, in der Fischer und Hirten ihre Vorräte vereinten. Lamm und Wacholder werden zunächst zu einer kräftigen Brühe gekocht, anschließend kommen Graupen, Wurzelgemüse und der zerpflückte Stockfisch hinzu. Die Innereien werden angebraten und zuletzt eingerührt, bevor ein Schuss Wacholderschnaps… Weiter …

  • Wasserwacht (Stadt Westmünde – Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Wasserwacht (Stadt Westmünde – Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Wasserwacht ist ein winziger Flecken an der Steilküste des Westmeers, nur drei Kilometer von Westmünde entfernt. Zwölf Fischerschuppen und ein provisorischer Steg bilden diesen abgeschiedenen Ort auf nur zwei Metern Höhe. Von hier laufen die Kutter direkt ins offene Meer aus. Die zwölf Bewohner leben nach den Gezeiten, reparieren ihre Netze und Boote mit alter Handwerkskunst und halten in den harten Wintern in einer… Weiter …

  • Westflußmühle (Stadt Westmünde – Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Westflußmühle (Stadt Westmünde – Kreis Westmünde – Kohlonia)

    Die Westflußmühle liegt fünf Kilometer flussaufwärts von Westmünde auf 374 Metern Höhe – eine verlassene Holzmühle, die nur über einen steilen Pfad erreichbar ist. Das verwitterte Mühlrad steht still, überwuchert von Moos, seit eine Flut 1847 den Betrieb lahmlegte. Heute bewohnen sieben Menschen die Mühle: ein ehemaliger Bibliothekar, eine Malerin, ein Koch, ein pensionierter Bergmann und eine junge Familie. Sie leben ohne Strom und… Weiter …

  • Westmünde (Kreisstadt – Kohlonia)

    Westmünde (Kreisstadt – Kohlonia)

    Die Kreisstadt Westmünde liegt am Westfluss, wo dieser in einer geschützten Bucht ins Westmeer mündet. Die Stadt erstreckt sich vom Hafen bis in 130 Höhenmeter hinauf und ist das wirtschaftliche Zentrum der Region. Das historische Herz bildet der Marktplatz mit der neugotischen St.-Ansgarkirche von 1892. Nebenan destilliert die älteste Wacholderbrennerei des Kreises ihren rauen Heinrich. Die lokale Spezialität Stock und Schaf wird in der… Weiter …