(Pop.: 12.478 – 52m NN)

Wer Novafurt besucht, dem begegnet als Erstes ein unverwechselbares Bild: der schlanke Turm der spätgotischen Stadtkirche St. Florian, der über die Dächer des historischen Zentrums ragt und weit ins Land hinausweist. Der Legende nach soll einst ein heimatloser Fährmann namens Nova, der die Menschen über den gleichnamigen Fluss setzte, an dieser Stelle eine kleine Siedlung gegründet haben. Aus seiner „Furt“ wurde über die Jahrhunderte die „Neue Furt“, aus Novafurt die heutige Kreisstadt. Ob die Geschichte stimmt, weiß niemand so genau, aber die Novafurter erzählen sie sich gerne, besonders an lauen Sommerabenden in den Biergärten entlang des Flusses. Und sie passt zu einem Ort, der wie kaum ein zweiter vom Wasser geprägt ist. Die Stadt mit ihren 12.478 Einwohnern liegt auf 52 Metern Höhe in der weiten Blumenthal-Ebene, zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt Nova, unmittelbar westlich der Kreisstadt des benachbarten Kreises Muldmünde. Die Nova durchfließt sie, und im Osten und Süden säumen die Auenwälder der Nova und der Mulde das Stadtbild, während sich im Westen fruchtbare Felder bis zum Horizont erstrecken.

Die Stadt ist zweigeteilt. Im Süden, westlich der Mündung der Mulde in die Nova, liegt das historische Zentrum. Hier gruppiert sich alles um den Marktplatz, dessen Kopfsteinpflaster noch den Tritt der Fuhrwerke vergangener Jahrhunderte zu bewahren scheint. Die spätgotische Stadtkirche St. Florian ist sein unbestrittener Mittelpunkt; ihr Turm ist nicht nur weithin sichtbar, sondern auch der Stolz der Gemeinde. Die Kirche, ein Bau aus rotem Sandstein, beeindruckt mit ihrem filigranen Netzgewölbe und den bunten Glasfenstern, die das Licht in sattes Blau und Gold tauchen.

Gleich nebenan, am Ufer der Nova, stehen die alten Speichergebäude. Sie sind stumme Zeugen einer Zeit, als Novafurt der zentrale Umschlagplatz für die Agrarprodukte der Blumenthal-Ebene war. Heute sind die Gemäuer liebevoll saniert und beherbergen eine bunte Mischung aus Gastronomie, kleinen Handwerksbetrieben und modernen Büros. Wer durch ihre Tore tritt, spürt die raue Geschichte, die in den dicken Mauern steckt, während drinnen das Leben des 21. Jahrhunderts pulsiert. Der Hauptbahnhof von Novafurt liegt ebenfalls in diesem Teil der Stadt, ein imposanter Bau aus der Gründerzeit, der die Stadt mit der weiten Welt verbindet.

Der zweite Teil der Stadt, die Neustadt, liegt westlich der Nova. Sie ist das Gesicht des modernen Novafurt. Hier, rund um den Bahnhof Novafurt Stadt, prägen moderne Wohngebäude das Straßenbild. Vor allem aber hat sich hier ein bedeutender Industriestandort entwickelt, der von der hervorragenden Verkehrsanbindung profitiert. Drei Betriebe sind es vor allem, die das wirtschaftliche Rückgrat der Neustadt bilden. Da wäre zum einen die „Novafurter Mühlenwerke GmbH“, ein traditionsreicher Betrieb, der aus einer kleinen Wassermühle hervorgegangen ist. Heute werden hier in hochmodernen Silos Getreide aus der gesamten Blumenthal-Ebene zu feinem Mehl und Schrot verarbeitet, das bis nach Nova und Zentro geliefert wird. Zum zweiten die „Maschinenfabrik Brünner & Söhne“, ein mittelständisches Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Spezialmaschinen für die Lebensmittelverarbeitung spezialisiert hat – von vollautomatischen Abfüllanlagen bis hin zu Präzisionswaagen. Der dritte Betrieb ist die „NovaTech Kunststoff GmbH“, ein vergleichsweise junges Unternehmen, das aus einer Garage herausgewachsen ist und heute innovative Verpackungslösungen für die regionale Landwirtschaft und Industrie entwickelt. Zusammen bieten sie mehreren Hundert Menschen Arbeit und machen Novafurt zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort im Süden des Blumenlandes.

Doch Novafurt wäre nicht Novafurt ohne sein kulturelles Herz. Das kleine, aber feine Museum zur Flussgeschichte ist eine Perle für alle, die mehr über die Region erfahren möchten. In den ehemaligen Lagerhallen direkt am Fluss wird die Bedeutung der Nova für die Besiedlung und Wirtschaft der Region lebendig. Hier kann man alte Flusskarten studieren, originalgetreue Modelle der historischen Lastkähne bestaunen und erfährt, wie die Flößer einst das Holz aus den Wäldern des Zentralmassivs bis zur Novabucht transportierten. Die Museumsleiterin, Frau Dr. Emilia Wagner, führt mit einer Leidenschaft durch die Ausstellung, die ansteckend wirkt. Sie kennt jede Anekdote und jedes Detail und weiß zu berichten, wie die Nova nicht nur Waren, sondern auch Menschen und Ideen in die Stadt brachte.

Das Leben in der Gemeinde ist geprägt von einer aktiven Kirchgemeinde, die sich um St. Florian versammelt. Pfarrer Thomas Brenner, ein junger Mann mit einem Faible für moderne Musik, hat es geschafft, nicht nur die ältere Generation, sondern auch viele junge Familien für die Kirche zu begeistern. Die Gottesdienste sind lebendig, und besonders das jährliche Erntedankfest ist ein Ereignis, bei dem der Marktplatz mit geschmückten Erntewagen und Ständen zum Leben erwacht. Dann zieht ein langer Festzug von der Kirche zum Fluss, und die Gemeinschaft feiert ausgelassen bis in die Abendstunden. Auch die örtliche Feuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr Novafurt, ist ein wichtiger Teil des sozialen Gefüges. Unter der Leitung von Hauptbrandmeister Klaus Dieter Schulz übt sie nicht nur den Ernstfall, sondern organisiert auch das alljährliche Sommerfest, bei dem die ganze Stadt zusammenkommt.

Und dann ist da noch das, was Novafurt über seine Grenzen hinaus bekannt macht: die Brauerei „Zum goldenen Nova“. Sie braut ein süffiges, bernsteinfarbenes Landbier, das in den Biergärten entlang der Nova ausgeschenkt wird. An warmen Tagen sitzen hier Einheimische und Gäste dicht gedrängt unter alten Kastanien, genießen den Blick auf das glitzernde Wasser und das kühle Blonde vom Fass. Die Brauerei, die seit fünf Generationen im Familienbesitz der Braumeister-Familie Richter ist, hat ihr Geheimnis – eine spezielle Hopfensorte, die nur auf den Feldern westlich der Stadt gedeiht. Wer das Glück hat, darf bei einer Führung durch die sudhausduftenden Gänge einen Blick in die Kupferkessel werfen und zum Schluss ein frisch gezapftes Glas an der Quelle probieren.

Für den kleinen und großen Hunger zwischendurch gibt es in Novafurt eine gute Auswahl. Die „Alte Speicherkantine“ direkt am Flussufer serviert deftige Hausmannskost, die noch nach Omas Rezept zubereitet wird. Die Bäckerei „Zum süßen Nova“ am Marktplatz, geführt von Bäckermeisterin Anna-Lena Krüger, ist berühmt für ihre Butterkuchen und das knusprige Roggenbrot. Auch ein kleiner, aber feiner Wochenmarkt findet jeden Samstagvormittag auf dem Marktplatz statt. Dann bauen die Bauern aus den umliegenden Dörfern, darunter Hettstedt und Freidorf, ihre Stände auf und bieten frisches Gemüse, Obst, Käse und Wurstwaren an. Die Atmosphäre ist geschäftig und herzlich, und es ist der beste Ort, um mit den Novafurtern ins Gespräch zu kommen.

Wer länger bleiben möchte, findet in Novafurt und seiner Umgebung einige gemütliche Unterkünfte. Die Pension „Zur alten Fähre“, direkt neben dem Museum, bietet vier freundliche Gästezimmer mit Blick auf die Nova. Etwas ruhiger, am Rande der Neustadt, liegt das „Hotel am Stadtpark“, ein modernes Haus mit einem hervorragenden Restaurant. Und wer das Landleben liebt, kann ein Gästezimmer auf dem Bauernhof von Familie Weigel im nahen Freidorf buchen – von dort sind es nur sieben Kilometer mit dem Rad oder der Linie L11 in die Stadt.

Novafurt ist eine kleine Metropole, eine Stadt, die mit ihrer Mischung aus Geschichte, lebendiger Gegenwart und herzlicher Gastfreundschaft besticht. Sie ist der ideale Ausgangspunkt, um die Blumenthal-Ebene zu erkunden, sei es mit dem Zug, der hier ein wichtiger Knotenpunkt ist, oder mit dem Fahrrad entlang der ruhigen Flussauen. Die Auenwälder der Nova und Mulde laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein, und die Nähe zur Hauptstadt Nova macht einen Tagesausflug in die Großstadt jederzeit möglich. Am Ende eines Tages in Novafurt, wenn die Sonne hinter den Kirchturm von St. Florian sinkt und das Licht golden über den Feldern liegt, versteht man, warum die Menschen hier so gerne leben – und warum die Legende vom Fährmann Nova vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit enthält.


Verkehrsverbindungen:

Bahn:
Ab Novafurt Hbf: Eilzüge der Mittelmeerbahn 10:14, 14:14, 18:14, 22:14 über Muldmünde nach Nova Hbf, 7:50, 11:50, 15:50, 19:50 nach Nortismo Hbf; MMB6002 stündlich 6:44-21:44 über Muldmünde nach Nova Hbf, 6:06-19:06 über Zentralbahn, Olbernhau nach Tremo Hbf, 20:06 nach Olbernhau, 21:06 nach Zentralbahn; BZF111 stündlich 6:10-20:10 über Drosen nach Zentro Hbf, 21:10 nach Drosen; BLB115 (Novatalbahn) stündlich 6:11-21:11 nach Muldmünde, 6:45-20:45 über Waldfurt nach Novatal, 21:45 nach Waldfurt
Ab Novafurt Stadt: BZF111 stündlich 6:16-20:16 über Drosen nach Zentro Hbf, 21:16 nach Drosen, 6:32-21:32 nach Novafurt Hbf; BLB115 (Novatalbahn) stündlich 6:04-21:04 über Novafurt Hbf nach Muldmünde, 22:04 nach Novafurt Hbf, 6:50-20:50 über Waldfurt nach Novatal, 21:50 nach Waldfurt

Straße: A1 (W: Zentro, O; Nova); B5 (NW: Hettstedt 15km, SO: Muldmünde 1km); L11 (W: Freidorf 7km); L12 (SW zur A1 5km und weiter als Feldweg nach Nassau 15km, Huttstedt 15km); L13 (S: Nova Nord)

LandBlumenland
Landkreis: Novafurt
Gemeinde: B-2000 Novafurt